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Christsein bedeutet erfülltes Leben

Pfarrer Wilhelm Wahl ist seit 60 Jahren Priester und steckt mit seinem Frohsinn und seiner positiven Ausstrahlung bis heute andere an.

Wangen
Porträtbild im weißen Messgewand.

Pfarrer i.R. Wilhelm Wahl feiert sein diamantenes Priesterjubiläum - Foto: Robert Schilk

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ - dieses Wort Jesu aus dem Johannesevangelium steht auf der Einladung zum diamantenen Priesterjubiläum von Wilhelm Wahl. Wer den früheren Pfarrer und Wangener Dekan kennt, hat keine Zweifel daran, dass es ein lebensfrohes Fest wird. Der 83-Jährige lässt die Menschen, die ihm begegnen und mit ihm Gottesdienst feiern, bis heute spüren, dass Glaube und Gottvertrauen ein Grund zur Freude und zur Dankbarkeit sind. Am 17. Juli 1965 weihte Bischof Carl Joseph Leiprecht Wahl und seine Kurskollegen im Rottenburger Dom zu Priestern.

Dass Wahl in den Dienst der Kirche tritt, stand nicht von Anfang an fest. „Ich wollte nichts anderes als Arzt werden“, erinnert sich der Jubilar an seine Jugend. Diese verbrachte er in Rottweil, wo sein Vater Lehrer war. Ein neuer Religionslehrer in der sechsten Klasse faszinierte ihn so sehr, dass die Theologie zumindest als weitere Option zur Medizin hinzukam. Als er seinem älteren Bruder Norbert im Theologiestudium folgte, hospitierte er dennoch in den Semesterferien im Stuttgarter Marienhospital. „Ich war lange innerlich gespalten“, gibt Wahl zu. Dass er sich dann für den Priesterberuf entschieden hat, habe er bis heute noch keine Sekunde bereut.

Vom Vorbild zum Freund fürs ganze Leben

Der charismatische Religionslehrer war damals übrigens Repetent am Rottweiler Konvikt und hieß Franz Josef Kuhnle. Dieser spielte im weiteren Leben Wilhelm Wahls eine zentrale Rolle. Nach seiner Priesterweihe wurde Wahl unter Pfarrer Kuhnle Vikar in Künzelsau. Nach Vikarsjahren in Ulm kam Wahl als Kaplan in die Stuttgarter Kirchengemeinde St. Fidelis, die Kuhnle inzwischen leitete. „Als er dann 1976 Weihbischof wurde, konnte ich ihm nicht mehr folgen“, erzählt Wahl mit einem Augenzwinkern. Aber seine erste Pfarrstelle in Leinfelden, die er 1977 antrat, sei nicht weit von der Bischofsstadt entfernt gewesen. Aus dem Lehrer und Prinzipal Franz Josef Kuhnle wurde für Wahl ein sehr enger Freund, den er bis zu dessen Tod im Februar 2021 begleitete und betreute.

Über Kuhnle erfuhr Wilhelm Wahl, dass 1988 die traditionell von Rottenburger Priestern besetzte Pfarrerstelle in der deutschsprachigen Gemeinde in Paris frei wurde. Obwohl seine Mutter aus Frankreich stammte, beherrschte Wahl die Landessprache anfangs nicht. Trotzdem hatte er dort auch Gottesdienste auf Französisch zu feiern, die der frühere Präsident Valéry Giscard d’Estaing und besonders dessen Frau Anne-Aymone regelmäßig besuchten. „Bei den Franzosen war ich ein beliebter Beichtvater“, verrät der Geistliche. Sie hätten schnell gemerkt, dass er ihre Sündenbekenntnisse nicht versteht. Bei der Einweihung des erweiterten Pfarr- und Gemeindehauses sei 1999 Bischof Walter Kasper nach Paris gekommen, der ihn noch zwei Jahre dort belassen wollte.

Von der Weltmetropole in die Puppenstube

Das klang dann kurz darauf am Telefon ganz anders. „Ich brauche Sie dringend in Wangen“, habe ihm Kasper mitgeteilt. In Erinnerung an sein Gehorsamsversprechen erfüllte Wahl den Wunsch des Bischofs und ging ins Allgäu. „Ich bin mir vorgekommen wie in einer Puppenstube“, beschreibt er seinen ersten Eindruck. Der Pfarrer genoss es aber, wieder mit der ganze Bandbreite der Gesellschaft zu tun zu haben. In der französischen Metropole gehörten vor allem deutschsprachige Firmenchefs und Studienräte sowie Au-pairs zu seiner Gemeinde, die ständig wechselten. Und er lernte mit den Allgäuern umzugehen. „Es braucht Zeit mit ihnen warm zu werden, aber dann sind sie sehr herzlich“, stelle er fest und blieb gerne dort.

Zunächst nur Pfarrer von St. Martin bekam Wilhelm Wahl in den folgenden zwölf Jahren nach und nach auch die Leitung von St. Andreas in Niederwangen und St. Ulrich im Norden der Stadt dazu und schließlich auch von Karsee, Leupolz und Deuchelried - eine Herausforderung, die er mit einem großen Team meistern konnte. 2001 bestimmte ihn die Wahlversammlung zum Dekan des Dekanats Wangen, was er blieb, bis dieses 2008 im Dekanat Allgäu-Oberschwaben aufging. Dass er im Ruhestand als Rottenburger Priester nun „das schönste Pfarrhaus der Erzdiözese Freiburg“ direkt am Bodensee bei Meersburg bewohnen darf, grenzt für Wahl immer noch an ein Wunder. Dankbar dafür hilft er noch gerne in der dortigen Seelsorgeeinheit mit.

Jubiläumsgottesdienst in Wangen im Allgäu

Zum Allgäu pflegt Wilhelm Wahl noch engen Kontakt und ist bei Trauungen „seiner“ ehemals 258 Ministrant:innen in St. Martin und der Taufe ihrer Kinder gefragt und gerne gesehen. In der Stadtpfarrkirche St. Martin in Wangen feiert er am Sonntag, 20. Juli, um 10.30 Uhr auch sein diamantenes Priesterjubiläum.

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