In einer sich rasant wandelnden Welt verlieren viele junge Männer den Halt und werden anfällig für radikale Ideologien. Rechtsradikale Gruppen nutzen diese Verunsicherung aus und bieten scheinbar einfache Lösungen an – ein veraltetes, patriarchales Männerbild, das auf Dominanz, Stärke und biologistische Unterschiede setzt. Durch klare Feindbilder und Schuldzuweisungen sollen Männer das Gefühl von Kontrolle und Überlegenheit zurückgewinnen.
Rechtsextreme verbreiten ihre Botschaften subtil
Besonders in sozialen Medien verbreiten Rechtsextreme ihre Botschaften subtil, oft getarnt als harmlose Inhalte, um extremistische Narrative zu normalisieren und Wahlkampf zu betreiben. Junge Männer, die Orientierung suchen, geraten dabei zunehmend unter Druck, toxischen Männlichkeitsidealen zu entsprechen.
Gleichberechtigung entscheidend für die Zukunftsfähigkeit
Bereits im April warnte Weihbischof Ludger Schepersvon der Deutschen Bischofskonferenz in seinem Statement „Die Instrumentalisierung des Privaten: Warum die Rückkehr zu veralteten Geschlechterbildern ein Irrweg ist“ eindringlich vor dieser Instrumentalisierung veralteter Geschlechterrollen. Das Patriarchat diene historisch der Sicherung männlicher Privilegien und sei nie Teil der christlichen Botschaft gewesen, so Schepers. Die Kirche stehe in der Pflicht, aktiv für Geschlechtergerechtigkeit einzutreten – nicht nur in Worten, sondern durch konkrete Strukturen. Spezialisierte Arbeitsbereiche für Frauen, Männer und queere Menschen sollen deshalb als lebendige Netzwerke des Wandels wirken. Schepers betont, Gleichberechtigung sei entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Kirche und ihre Glaubwürdigkeit in einer freien Gesellschaft. Politische Ideologien, die Antifeminismus oder Queerfeindlichkeit propagieren, haben in unserer Gesellschaft keinen Platz. Deshalb müsse die Kirche klar Stellung beziehen – für Gleichwürdigkeit und gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit.
Die Würde aller Menschen glaubwürdig sichtbar machen
Auch Ordinaratsrätin Karin Schieszl-Rathgeb von der Hauptabteilung „Kirche und Gesellschaft“in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist besorgt über die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung: „Es bereitet mir Sorge, dass sich traditionelle Rollenbilder gesellschaftlich wieder zu verfestigen scheinen und damit auch Formen von Ausgrenzung und Diskriminierung neuen Raum gewinnen. Aus dem christlichen Menschenbild heraus sind wir als Kirche gefordert, die gleiche Würde aller Menschen starkzumachen – und zugleich selbst weiter daran zu arbeiten, dass diese Würde in unseren Strukturen und in unserem Miteinander glaubwürdig sichtbar wird.“