„Ich bin Judas, Judas Iskariot.“ Das ist der letzte Satz in dem Einpersonenstück „Judas“ im Landestheater Tübingen. Judas hat eine Stunde lang laut nachgedacht, wer er ist und was seine Schuld ist. Eine Stunde lang wird das Publikum in die Zeit Jesu zurückversetzt und kann die Geschichte um den Heiland der Menschheit durch die Brille des Verräters betrachten. Am Ende spürt der Zuschauer, dass auch Judas nur seine ganz persönliche Geschichte mit dem Mann aus Nazareth erzählen kann und nicht mehr weiß als alle Christen in der 2.000jährigen Geschichte des Christentums. Keiner, so die Lehre des Stückes, kann Jesus wirklich verstehen.
„Glaubt jemand, dass Jesus wirklich für eure Sünden gestorben ist?“ fragt Judas ziemlich am Anfang das verdutzte Publikum. Betretene Stille. Keiner meldet sich. Das Theaterpublikum wird ins Stück einbezogen und weiß auch nicht mehr als der Protagonist Judas. Wofür dieser Jesus wirklich gestorben ist? Keine Ahnung.