DRS/Jerabek Das Kreuz als Weg der Liebe Gottes
Beim Heilig-Kreuz-Fest in Wiblingen brachten Bischof Dr. Klaus Krämer und Dekan Ulrich Kloos den Gögglinger Kreuzpartikel in der Kutsche zur Basilika. Foto: DRS/Jerabek
Imposant und überlebensgroß steht das Kreuz im Altarraum der Basilika, während Baugerüste und Planen derzeit nur ganz wenig von den herrlichen Fresken und der künstlerischen Gestaltung der Kirche preisgeben. Aber das passe zur Kreuzerhöhung, „dass der Glanz Gottes uns in verhüllter Form entgegentritt“, sagte der Bischof mit Blick auf die eindrucksvollen Riten, die die Liturgie bei der Verehrung des Kreuzes Jesu Christi kennt. Dass sich gleichwohl am Kreuz die Geister scheiden, klinge schon bei Paulus an, wenn er im ersten Brief an die Gemeinde in Korinth die „Weisheit der Welt“ der „Torheit des Kreuzes“ gegenüberstelle.
Gegenwärtig spiegele sich diese Kontroverse in der intensiven Diskussion über künstliche Intelligenz als der „Weisheit der Welt“ wider. Viele Menschen fragten sich, ob die menschliche Intelligenz nach und nach durch künstliche Intelligenz dominiert und ersetzt werde. Wenn alle Entscheidungen den Systemen und ihren Algorithmen überlassen würden, „wer übernimmt dann am Ende die Verantwortung für diese Entscheidungen und wer verhindert, dass Dynamiken entstehen, die dann außer Kontrolle geraten?“, fragte Krämer. Es komme darauf an, „nach welchen Maßstäben wir handeln, welche Werte und welche Interessen unser Handeln bestimmen und wie wir diese Systeme steuern“.
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Zivilisation der Liebe als Leitbild
Der Mensch, so Krämer weiter, stehe letztlich vor der Wahl zwischen einer „Kultur der Macht“ und einer „Zivilisation der Liebe“, zweier konträrer Logiken, die Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika „Magnifica humanitas“ gegeneinander abwägt. Die Zivilisation der Liebe folge der Logik des Kreuzes; sie bedeute, „dass die barmherzige Liebe Gottes zum Grundprinzip unseres menschlichen Miteinanders wird“, wo nicht das Recht des Stärkeren gilt, sondern wo auf die Schwachen geachtet und ihre Würde respektiert werde. Dieses Leitbild sei eine Herausforderung für die Weltpolitik, in der es um Dialog und ein faires Miteinander der Nationen gehen soll. Es liege aber auch in der Verantwortung eines jeden Menschen, denn „die Zivilisation der Liebe entsteht nicht aus einer einzigen, spektakulären Geste, sondern aus der Summe kleiner und beharrlicher Akte der Treue, die als Bollwerk gegen die Entmenschlichung dienen“ (Magnifica humanitas, 213). Ein erster Beitrag bestehe in einer „Entwaffnung der Worte“.
Sich von der Logik des Kreuzes leiten lassen
Der Bischof lud die Gläubigen ein, sich für diese Zivilisation der Liebe stark zu machen, „weil sie die Perspektive Gottes ist“, und sich „von der Logik des Kreuzes immer intensiver leiten zu lassen“. „Wir dürfen uns unter den Segen stellen, der von diesem Kreuz ausgeht, weil dieses Kreuz das unverbrüchliche Zeichen für Gottes erlösende und befreiende Liebe zu allen Menschen ist“, sagte Krämer.
Bei der Festmesse erklang die Missa Katharina von Jacob de Haan, dargeboten vom Kirchenchor aus Langenau und Unterelchingen unter der Leitung von Ulrike Blessing, dem Kirchenchor der Basilika unter Leitung von Regionalkantorin Marion Kaßberger sowie einem Blasensemble.
Das Heilig-Kreuz-Fest begann mit der Segnung von Rossen und Reitern mit der Heilig-Kreuz-Reliquie. In einer Reiterprozession war zuvor der in der Heilig-Kreuz-Kirche in Gögglingen verwahrte Kreuzpartikel, der ein Teil der Wiblinger Heilig-Kreuz-Reliquie ist, zur Basilika gebracht worden. An der von Christoph Raiber mit zahlreichen Helferinnen und Helfern organisierten Prozession beteiligten sich mehrere Reiterhöfe und Reitvereine aus Wiblingen, Gögglingen und Umgebung sowie eine Gruppe von Blutreitern aus Weißenau.