Zweite Station: Inklusion leben
Mit einem Schoklädle auf den Stühlen werden die KGR-Wahl-Fahrer im Pfarrer-Sailer-Haus in Allmendingen willkommen geheißen. Es ist, wie sich gleich herausstellt, ein didaktisches Leckerli: Nach Schokoladensorte sollen sich die Teilnehmer im Saal zusammenstellen – „Snickers“ hier, „Bounty“ dort, und drüben stehen die „Twix“-Leute. „Das war ein exklusives Spiel: Nur die, die ein gleiches Merkmal haben, konnten ein Grüppchen bilden“, sagt Sabine Steinwand, Seelsorgerin bei Menschen mit Behinderung im Dekanat Ehingen-Ulm. „Bin ich willkommen oder werde ich abgelehnt – das ist auch eine Erfahrung von Menschen mit Behinderung.“ Wie können wir für alle Menschen offen und einladend sein, das sei eine Frage, die sich jedem und jeder stellt , der oder die sich in der Kirche engagiert.
Wo fängt Behinderung an? Wer ist behindert? Wodurch werde ich behindert an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft? Eindrucksvoll berichtet Sabine Steinwand aus ihrer Arbeit, die sowohl exklusive als auch inklusive Angebote umfasst: Beratung und Seelsorge sowie religionspädagogische Angebote speziell für Menschen mit Behinderung, Erstkommunion- und Firmvorbereitung in kleinen Gruppen; aber eben auch die inklusive Erstkommunion in der Heimatgemeinde. Oft stehe ihre Arbeit im Spannungsfeld zwischen „Verbesonderung“ und „Ableismus“, also zwischen der besonderen, exklusiven Zuwendung und Förderung, die eine Form der Isolation sein kann, und einer Behandlung betroffener Menschen, die diese auf ihre Behinderung reduziert und damit abwertet. Letztlich gehe es darum, Achtsamkeit zu leben, betont die Seelsorgerin. „Ich träume von einer inklusiven Kirche.“
Auch hier gibt es interessierte und nachdenkliche Nachfragen, nicht zuletzt den Hinweis, dass sich unsere Gesellschaft um den Abbau von Behinderungen müht, gleichzeitig aber dazu neigt, Kinder mit Behinderung „abzubauen“, bevor sie geboren werden.