Vincis gefällt an der Arbeit, dass der Hintergrund der Kinder so unterschiedlich ist. Damit bringen sie auch verschiedene religiöse Hintergründe mit. Dass sie selbst Christin ist, thematisiert Vincis in der Spielgruppe nicht explizit – allerdings engagiert sie sich auch in der Kirche und ist Koordinatorin der italienischen Gottesdienstgemeinschaft in Tübingen. Auch in ihrer Jungen Zeit sei sie immer ehrenamtlich tätig gewesen – bis auf eine kurze Pause, als sie vor zwanzig Jahren zum ersten Mal für einen Erasmus-Aufenthalt nach Deutschland kam. Jetzt arbeitet sie als Dozentin am Romanischen Seminar der Universität Tübingen. Da sie selbst keine Familie, aber eine Sympathie für Kinder hat, nutzt sie ihre freie Zeit für sie, um etwas zurückzugeben: „Ich habe in meinem Leben viel Glück erlebt“, sagt sie. Ihr Glaube hilft ihr dabei: „Christsein bedeutet für mich, getragen zu werden. Immer – auch, wenn ich nicht daran denke, auch unbewusst“, sagt Vincis. „Es erinnert mich daran, dass ich geliebt bin.“
Diese Liebe gibt sie an die Menschen in der Gemeinschaftsunterkunft weiter. Sie erscheint in der Energie, mit der sie Spielsachen herrichtet, aufräumt, Kinder trägt, auf dem Dreirad schiebt – und ihnen zum Abschluss der beiden Stunden Schokokekse in ihre ausgestreckten Hände legt. Ihr Engagement sei nicht bewusst mit ihrem Glauben verbunden, meint Vincis, habe aber doch etwas damit zu tun: „Die Anwesenheit Gottes ist größer als mein Engagement. Sie ist da, auch wenn ich es nicht merke – sie ist unter der Haut, sie ist immer dabei. Gott ist wie die Luft, die ich atme.“