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Der Kirchenpaparazzo

Wenn Andreas Keller in eine Kirche kommt, dann hört er genau hin. Wie er von der Musik zur Fotografie kam, das erzählt er im Kapellengespräch.

Stuttgart
Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie direkt zum Kapellengespräch mit Andreas Keller. Foto: DRS/Raabe

Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie direkt zum Kapellengespräch mit Andreas Keller. Foto: DRS/Raabe

Wenn Andreas Keller in eine Kirche kommt, dann hört er erst mal, was die Kirche ihm zu sagen hat. Kein Wunder, der passionierte Kirchenfotograf war vor seinem Ruhestand Leiter der Bachakademie in Stuttgart.

Wie er von der Musik zur Fotografie von Kirchen kam, das erzählt er im Kapellengespräch.

Seine Bilder sind zu sehen auf den Seitenkirchen-online.org und kirchen-online.com.

Mehr Bilder und Beschreibungen von Kirchen finden Sie auch auf der Kirchen-App der Diözese Rottenburg-Stuttgart eKKLESIAim App-Store und im Play-Store.

Zum Schluss möchte ich mit Ihnen ein aussagestarkes Bild anschauen. Ich habe es für die bitteren Stunden in dieser
stürmischen Zeit ausgesucht. Sie haben es vor sich liegen. Manchmal hilft uns ein Bild, das uns die Situation, in der wir stehen, besser deutet als Worte allein. So möchte ich Sie einladen, mit mir gemeinsam das Bild zu betrachten.

Liebe Schwestern und Brüder! Sie sehen eine Darstellung der Erzählung vom „Sturm auf dem See“ aus dem Neuen
Testament. Mich persönlich spricht diese in den Evangelien überlieferte (1) Szene sehr an. Die Evangelisten schildern den Sturm auf dem Meer nicht einfach nur als historisches Faktum. Sie beschreiben bildhaft, wie die junge Christenheit damals in stürmischen Zeiten ums Überleben kämpft. Die Jünger Jesu sitzen mit Jesus im Boot.

Das Boot und die Menschen sind in einen heftigen Wirbelsturm geraten. Sie haben Angst unterzugehen.

Jesus ist zweimal zu sehen. Links im Bild schläft er mitten auf dem stürmischen Meer. – Ein Jünger – es ist wohl Petrus – drückt mit seiner Geste das aus, was wir auch heute fragen: – „Jesus, Meister, kümmert es dich in diesem bedrohlichen Sturm nicht, dass wir zugrunde gehen?“ – „Wo bist Du, Jesus, mit deinem Beistand, uns zu retten?“ –

Am Bug des Schiffleins auf stürmischer See ist Jesus ein zweites Mal zu sehen. Hier schläft er nicht. Mit ausgestrecktem Arm gebietet er den Stürmen und Wellen Einhalt. Mit seiner ganzen Gestalt weist er nach vorne. Johannes, der Jünger, der Jesus besonders liebt, steht hinter dem aufgestandenen Jesus Christus und blickt mit
ihm mutig nach vorne.

(1) Mk 4,35–41; Mt 8,18.23–27; Lk 8,22–25

Liebe Schwestern und Brüder! – Für mich hat dieses Bild eine große Bedeutung. Ich erkenne in diesem Bild die sich in heftiger Krise befindende, bedrohte Kirche auf ihrer Fahrt durch die stürmischen Zeiten in die Zukunft.

Manchmal scheint es, Gott sei unsere Situation gleichgültig, als seien wir vom schlafenden Jesus allein gelassen. Aber Petrus weckt ihn auf. Ja, wir Christen sollen Jesus Christus in unserer Kirche wirksam und stark werden lassen. Dass er uns in dieser stürmischen Zeit mit seinem Geist anführen möge. Dass das, was von Jesus Christus an helfender und heilender Kraft ausgeht, in der Erneuerung der Kirche bestimmend werde.

Wie Johannes im Boot sollten wir hinter Jesus stehen, ihn lieben und mit ihm mutig nach vorne gehen. Wo er in der Mitte der Kirche steht, wo sein Geist in uns und durch uns wirkt, da weist er uns den Weg, der aus dem Sturm führt. Er schenkt uns Zukunft und Hoffnung. Mit seinem Geist und durch ihn kann die Erneuerung der Kirche gelingen.

Liebe Schwestern und Brüder! Ich verspreche Ihnen, als Bischof werde ich gemeinsam mit den Verantwortlichen in der Diözesanleitung alles, was für die Erneuerung nötig ist, tun: in der weiteren Aufklärung der verbrecherischen Taten, in der strukturellen Aufarbeitung, in der Anerkennung des Leides der Betroffenen und in der Prävention von Missbrauch.

Viele von Ihnen wissen, dass wir in der Diözese Rottenburg-Stuttgart – ich als Bischof und die Verantwortlichen in der
Diözesanleitung – seit zwei Jahrzehnten sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch eine unabhängig arbeitende „Kommission sexueller Missbrauch“ systematisch bearbeiten.

Keine uns bekannt gewordenen Fälle wurden und werden vertuscht oder bewusst verschleppt. Alle Fälle sexuellen
Missbrauchs wurden und werden durch ein vom Bischof weisungsunabhängig arbeitendes Gremium aufgeklärt. Die
Taten, die uns bekannt sind, wurden unter der Berücksichtigung des geltenden staatlichen Strafrechts und des Kirchenrechts geahndet und die Täter bestraft.

Ich verstehe, dass viele unter Ihnen ungeduldig auf positive Ergebnisse des Synodalen Weges warten. Die intensiven
Beratungen des Synodalen Weges dürfen nicht folgenlos bleiben:

  • Die Mitwirkung von Laien in der Kirche muss gestärkt werden.
  • Frauen sollen sich viel stärker als bisher in der Kirche einbringen können, in Führungspositionen und im Amt der Diakonin.
  • Wir müssen Formen und Zeichen finden, dass alle Menschen spüren, dass sie angenommen sind von Gott und der Kirche Jesu Christi – in ihrer leib-seelischen Identität, ihrer sexuellen Orientierung und in ihrer Liebe füreinander.

Als Bischof möchte ich mich diesen Herausforderungen stellen und auf Jesus Christus blicken, der uns die Wege weist. Wenn SEINE heilvolle und heilsame Botschaft in dieser Welt wirken soll, braucht Jesus Christus unser aller Engagement und unsere Liebe.

Beten wir füreinander in dieser schweren Zeit!

Ihr
Bischof Dr. Gebhard Fürst

Rottenburg am 2. Februar 2022,
Fest der Darstellung des Herrn

Gebete

Erneuere unseren Geist und Sinn

Treuer Gott, du bist der Herr der ganzen Schöpfung,
in dir sind wir geborgen.
Nimm alle Angst von uns
und stärke unser Vertrauen in deine rettende Kraft.
Sende uns den guten, den Heiligen Geist,
der uns erfüllt mit deiner Liebe.
Damit wir so berufen und gesandt werden,
von einer wankelmütigen zu einer starkmütigen Kirche,
von einer geschwätzigen zu einer hörenden Kirche,
von einer veralteten zu einer erneuerten Kirche.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
unseren Fürsprecher und Herrn,
der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und herrscht,
Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.

---

Ich glaube, dass er meine Vorurteile abbauen kann.
Ich glaube, dass er meine Gewohnheiten ändern kann.
Ich glaube, dass er meine Gleichgültigkeit überwinden kann.
Ich glaube, dass er mir Phantasie zur Liebe geben kann.
Ich glaube, dass er mir Warnung vor dem Bösen geben kann.
Ich glaube, dass er mir Mut für das Gute geben kann.
Ich glaube, dass er meine Traurigkeit besiegen kann.
Ich glaube, dass er mir Liebe zu Gottes Wort geben kann.
Ich glaube, dass er mirMinderwertigkeitsgefühle nehmen kann.
Ich glaube, dass er mir Kraft in meinem Leben geben kann.
Ich glaube, dass er mir einen Bruder und eine Schwester an
die Seite geben kann.
Ich glaube, dass er mein Wesen durchdringen kann.

Karl Rahner

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