Liebe Schwestern und Brüder! – Für mich hat dieses Bild eine große Bedeutung. Ich erkenne in diesem Bild die sich in heftiger Krise befindende, bedrohte Kirche auf ihrer Fahrt durch die stürmischen Zeiten in die Zukunft.
Manchmal scheint es, Gott sei unsere Situation gleichgültig, als seien wir vom schlafenden Jesus allein gelassen. Aber Petrus weckt ihn auf. Ja, wir Christen sollen Jesus Christus in unserer Kirche wirksam und stark werden lassen. Dass er uns in dieser stürmischen Zeit mit seinem Geist anführen möge. Dass das, was von Jesus Christus an helfender und heilender Kraft ausgeht, in der Erneuerung der Kirche bestimmend werde.
Wie Johannes im Boot sollten wir hinter Jesus stehen, ihn lieben und mit ihm mutig nach vorne gehen. Wo er in der Mitte der Kirche steht, wo sein Geist in uns und durch uns wirkt, da weist er uns den Weg, der aus dem Sturm führt. Er schenkt uns Zukunft und Hoffnung. Mit seinem Geist und durch ihn kann die Erneuerung der Kirche gelingen.
Liebe Schwestern und Brüder! Ich verspreche Ihnen, als Bischof werde ich gemeinsam mit den Verantwortlichen in der Diözesanleitung alles, was für die Erneuerung nötig ist, tun: in der weiteren Aufklärung der verbrecherischen Taten, in der strukturellen Aufarbeitung, in der Anerkennung des Leides der Betroffenen und in der Prävention von Missbrauch.
Viele von Ihnen wissen, dass wir in der Diözese Rottenburg-Stuttgart – ich als Bischof und die Verantwortlichen in der
Diözesanleitung – seit zwei Jahrzehnten sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch eine unabhängig arbeitende „Kommission sexueller Missbrauch“ systematisch bearbeiten.
Keine uns bekannt gewordenen Fälle wurden und werden vertuscht oder bewusst verschleppt. Alle Fälle sexuellen
Missbrauchs wurden und werden durch ein vom Bischof weisungsunabhängig arbeitendes Gremium aufgeklärt. Die
Taten, die uns bekannt sind, wurden unter der Berücksichtigung des geltenden staatlichen Strafrechts und des Kirchenrechts geahndet und die Täter bestraft.
Ich verstehe, dass viele unter Ihnen ungeduldig auf positive Ergebnisse des Synodalen Weges warten. Die intensiven
Beratungen des Synodalen Weges dürfen nicht folgenlos bleiben:
- Die Mitwirkung von Laien in der Kirche muss gestärkt werden.
- Frauen sollen sich viel stärker als bisher in der Kirche einbringen können, in Führungspositionen und im Amt der Diakonin.
- Wir müssen Formen und Zeichen finden, dass alle Menschen spüren, dass sie angenommen sind von Gott und der Kirche Jesu Christi – in ihrer leib-seelischen Identität, ihrer sexuellen Orientierung und in ihrer Liebe füreinander.
Als Bischof möchte ich mich diesen Herausforderungen stellen und auf Jesus Christus blicken, der uns die Wege weist. Wenn SEINE heilvolle und heilsame Botschaft in dieser Welt wirken soll, braucht Jesus Christus unser aller Engagement und unsere Liebe.
Beten wir füreinander in dieser schweren Zeit!
Ihr
Bischof Dr. Gebhard Fürst
Rottenburg am 2. Februar 2022,
Fest der Darstellung des Herrn