Kinder zählen bei einer Kirchenrallye die Sitzbänke, Jugendliche schicken beim „Gottesdienst für alle“ ihre Fürbitten mit Seifenblasen zum Himmel, Erwachsene lauschen Konzerten und Vorträgen im Gotteshaus oder im umgebenden Schlosshof. Heudorf am Bussen ist eine lebendige Gemeinde, die in diesem Jahr das Jubiläum ihrer Kirche feiert. Die Freiherren von Stotzingen, denen das Dorf einst gehörte, ließen die außerhalb gelegene Oswaldkapelle abreißen, errichteten sie beim Schloss neu und ersetzten sie 1626 durch die heutige Kirche. Patron des am 30. Juli desselben Jahres geweihten Gotteshauses blieb der heilige Oswald, ein angelsächsischer König, der für das Christentum kämpfte und als Märtyrer verehrt wird.
Eine Besonderheit für die damalige Zeit: Die Saalkirche hat keinen Chorbogen, der den Altarraum von der den Bänken der mitfeiernden Gemeinde abtrennt. Der Hochaltar, der wie die übrige barocke Ausstattung und der achteckige Turmaufsatz erst gut 100 Jahre nach der Einweihung dazukam, steht in der Mitte des dreiseitigen Raumabschlusses im Osten. Fast nochmal 100 Jahre mussten die Heudorfer warten, bis sich ein großer Wunsch erfüllte. Von 1508 bis 1811 war Heudorf nämlich nur eine Kaplanei, die von der Pfarrei und vom Pfarrer in Hailtingen abhängig war. Die Freiherren von Stotzingen hätten das gerne geändert, aber die Heudorfer Pfründe war mit zu wenig Kapital ausgestattet.