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Der lange Weg zur Pfarrkirche

Seit 400 Jahren steht die Kirche St. Oswald in Heudorf am Bussen neben dem Schloss. Erst seit 1811 ist sie auch Mittelpunkt einer eigenen Pfarrei.

Heudorf am Bussen
Die in der Grundfarbe Gelb gehaltene Kirche mit roten Verzierungen - vor allem am in der Barockzeit achteckig erhöhten Kirchturm im Westen über dem Portal. Kirchengemeinde Heudorf am Bussen

Die Kirche St. Oswald mit dem in der Barockzeit erhöhten Westturm. Foto: Kirchengemeinde Heudorf am Bussen

Kinder zählen bei einer Kirchenrallye die Sitzbänke, Jugendliche schicken beim „Gottesdienst für alle“ ihre Fürbitten mit Seifenblasen zum Himmel, Erwachsene lauschen Konzerten und Vorträgen im Gotteshaus oder im umgebenden Schlosshof. Heudorf am Bussen ist eine lebendige Gemeinde, die in diesem Jahr das Jubiläum ihrer Kirche feiert. Die Freiherren von Stotzingen, denen das Dorf einst gehörte, ließen die außerhalb gelegene Oswaldkapelle abreißen, errichteten sie beim Schloss neu und ersetzten sie 1626 durch die heutige Kirche. Patron des am 30. Juli desselben Jahres geweihten Gotteshauses blieb der heilige Oswald, ein angelsächsischer König, der für das Christentum kämpfte und als Märtyrer verehrt wird.

Eine Besonderheit für die damalige Zeit: Die Saalkirche hat keinen Chorbogen, der den Altarraum von der den Bänken der mitfeiernden Gemeinde abtrennt. Der Hochaltar, der wie die übrige barocke Ausstattung und der achteckige Turmaufsatz erst gut 100 Jahre nach der Einweihung dazukam, steht in der Mitte des dreiseitigen Raumabschlusses im Osten. Fast nochmal 100 Jahre mussten die Heudorfer warten, bis sich ein großer Wunsch erfüllte. Von 1508 bis 1811 war Heudorf nämlich nur eine Kaplanei, die von der Pfarrei und vom Pfarrer in Hailtingen abhängig war. Die Freiherren von Stotzingen hätten das gerne geändert, aber die Heudorfer Pfründe war mit zu wenig Kapital ausgestattet.

Pfarrei mit eigenen Kirchenbüchern

Schließlich musste es der König richten. Anfang des 19. Jahrhunderts kam auch Oberschwaben zu Württemberg. König Friedrich stimmte der Erhebung zur Pfarrei 1811 zu. Erst ab da wurden Taufen und Trauungen in eigene Pfarrbücher eingetragen und die Toten in Heudorf beerdigt, nicht in Hailtingen. Neben einer Beweinungsgruppe, die um 1500 geschaffen wurde, gehört das Reliquiar des heiligen Fidelis von Sigmaringen zu den Kostbarkeiten in St. Oswald. Kapuzinerbruder Fidelis hieß mit bürgerlichem Namen Markus Roy und war mit Hans Wilhelm von Stotzingen befreundet. Der begnadete Prediger starb in der Auseinandersetzung mit Reformierten in der Schweiz im Jahr 1622, also kurz bevor die Heudorfer Kirche die Weihe erhielt.

Am 30. Juli 1626 kam der Konstanzer Weihbischof Johann Anton Tritt de Widde zur Kirchweihe nach Heudorf am Bussen. Das 400-Jahr-Jubiläum feiert der Rottenburg-Stuttgarter Weihbischof Matthäus Karrer am Sonntag, 2. August, um 10.30 Uhr mit der lebendigen Gemeinde. Das Fest gestalten neben den Kindergartenkindern  der Liederkranz und der Musikverein mit, die bereits am Vorabend um 19 Uhr zu einem Serenadenkonzert in den Schlosshof einladen.

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