Fragend, neugierig und vertrauensvoll blicken die Jünger auf Jesus, ihren Herrn. Er hat sie nach durchgebeteter Nacht auf dem Berg zusammengerufen, um ihnen Wichtiges mitzuteilen: Zwölf von ihnen sollen seine Apostel sein. Was der Evangelist Lukas im 6. Kapitel kurz und knapp schildert, hat Hermann Geyer fast lebensgroß künstlerisch in Szene gesetzt: „Am See Tiberias. Wahl der Apostel.“ Welches Bild würde besser in das Foyer eines Gemeindehauses passen als eines, in dem es um die verbindliche Nachfolge geht? Die Wahl der zwölf Apostel gilt als Grundlage des Priestertums des neuen Bundes. Brüderlich legt Jesus den Arm um die Schulter eines Jüngers, blickt ihn gütig und auch ernst an. Hermann Geyer schuf das Bild 1961. Es hängt zusammen mit dem Triptychon „Jesu Taufe am Jordan“ von 1960 und dem Gemälde „Jesus und Lazarus“ (1958) im Foyer des Gemeindezentrums von St. Georg in Ulm. Die Bilder – allesamt Schenkungen der Familie Geyer – erinnern an die lebenslange Verbundenheit von Hermann Geyer mit der Kirchengemeinde.
Hermann Geyer war vielseitig unterwegs
Ein Künstler für alle Fälle: „Dädsch du ons, bidde…“ – so pflegte man die Frage einzuleiten, wenn es um künstlerische Ideen und ihre Umsetzung in der Gemeinde ging. Gefragt, gemalt: Hermann Geyer schuf Illustrationen für Festschriften, Erinnerungsbroschüren und ein Anekdotenbuch von St. Georg „und war auch sonst immer zur Stelle, wenn man ihn brauchte“, erinnert sich Günter-Klaus Drollinger, der selbst ein Urgestein ehrenamtlichen Engagements in der Gemeinde ist. Ganz selbstverständlich gestaltete Geyer über Jahrzehnte die Titelseiten des Pfarrbriefs „Gemeinde im Bild“. Abwechslungsreich und immer wieder überraschend griff er in seinen Schwarz-Weiß-Zeichnungen biblische Szenen und besondere Ereignisse im Gemeindeleben auf. „Er hat sozusagen das Ohr an der Gemeinde gehabt“, erklärt Drollinger.