Das Kloster Weißenau (historisch auch Minderau, lat. Augia Minor) wurde 1145 als ein reichsunmittelbares Chorherrenstift der Prämonstratenser wenige Kilometer südlich der ehemaligen Freien Reichsstadt Ravensburg gegründet und ist damit 26 Jahre älter als das Prämonstratenserstift in Obermarchtal. Das Kloster Weißenau bestand bis zur Säkularisation 1802/1803.
Die einstige Klosterkirche wurde seit 1717 neu erbaut und am 23. April 1724 vom Konstanzer Weihbischof Franz Johann Anton von Sirgenstein geweiht. Sie ist architektonisch und künstlerisch von hoher Qualität und eine Sehenswürdigkeit an der Oberschwäbischen Barockstraße. Neben der Sonntagsliturgie finden dort auch andere feierliche Liturgien statt. Die Kirche wird gerne von Gläubigen außerhalb der Pfarrei zum Gebet aufgesucht. Sie ist ein Zentrum des pastoralen Lebens in der Region, auch und vor allem zur Spendung der Sakramente.
Die Klosterkirche ist mit einer großen und bedeutenden Orgel ausgestattet. Sie ist eine der großen Denkmalorgeln Süddeutschlands und wurde im Jahr 1787 von Johann Nepomuk Holzhey erbaut.
Als große Besonderheit der Weißenau gilt die Heilig-Blut-Reliquie, die 1220 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird. Der Tradition nach wird sie seit 1283 – dem Jahr der Schenkung des wertvollen Reliquiars durch König Rudolf von Habsburg – verehrt.
Aufgrund ihrer herausragenden Geschichte, aufgrund ihrer Bedeutung für die Geschichte unseres Glaubens im oberschwäbischen Raum und insbesondere wegen der kostbaren Heilig-Blut-Reliquie verleihe ich der Kirche St. Petrus und Paulus zu ihrem 300-jährigen Weihejubiläum im kommenden Jahr und zum 100-jährigen Bestehen der Blutreiter-Gruppe in Weißenau den Ehrentitel eines Münsters.
Rottenburg am Neckar, den 22. Oktober 2023
Dr. Gebhard Fürst
Bischof von Rottenburg-Stuttgart