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„Der Schlaf gefällt Gott“

Wer fragt, ob Gott schläft, meint das oft als Vorwurf. Wie sehr Gott den Schlaf liebt, darüber gibt der heilige Josef Auskunft.

Ulm (Donau)

Ruhen im Herrn ist beten: Manche Gläubige pflegen dem schlafenden heiligen Josef (hier eine Darstellung von Fontanini) kleine Zettelchen unterzuschieben, auf denen sie ihre Probleme und Bitten aufgeschrieben haben. Foto: drs/Jerabek

Ein schlafender heiliger Josef – wer braucht das denn? Heißt es nicht immer wieder im Evangelium: Seid wachsam? Kein geringerer als Papst Franziskus hat sich einmal als Freund und Verehrer des schlafenden heiligen Josef bekannt. Auf seinem Schreibtisch im Haus Santa Marta, so verriet Franziskus bei einer Begegnung mit Familien 2015 in Manila, habe er eine Darstellung des heiligen Josef, der schläft. „Und wenn ich ein Problem habe, eine Schwierigkeit, dann schreibe ich es auf ein kleines Blatt und schiebe es unter den heiligen Josef, damit er davon träumt! Das bedeutet: damit er für dieses Problem betet!“

Kaum ein anderer Heiliger als der Nährvater Jesu bietet sich besser an, um über die Bedeutung des Schlafes – jenseits der schieren (biologischen) Notwendigkeit – nachzudenken. Gleich mehrfach bekommt Josef Gottes Weisungen im Schlaf: in seinem Ringen, die schwangere Maria zu sich zu nehmen; bei drohender Gefahr für Leib und Leben der jungen Familie und als es Zeit ist, von Ägypten in die Heimat zurückzukehren. „Der Schlaf gefällt Gott“, folgert der amerikanische Marianerpater und geistliche Autor Donald H. Calloway.

Träumen für die Partnerschaft

„Der Schlaf des heiligen Josef kann dem modernen Menschen wichtige Lektionen über das Leben erteilen“, schreibt Calloway. „Eine der wichtigsten Lektionen, die er uns lehrt, ist, dass es in Ordnung ist, sich auszuruhen.“ Ein Workaholic zu sein, sei niemals eine gute Sache, so Calloway weiter. „Der heilige Josef war kein Workaholic. Er schlief gern. Der Schlaf erfrischte seine Seele. Gott hat mit dem heiligen Josef kommuniziert, als er schlief, und deshalb war er ein heiligerer Ehemann und Vater.“ Im Leben von Paaren lassen sich viele Schwierigkeiten lösen, „wenn wir einen Raum bewahren für den Traum, wenn wir innehalten und an den Ehepartner denken und von der Güte, den guten Seiten träumen, die er bzw. sie hat“, ist auch der Papst überzeugt. Darum sei es sehr wichtig, „die Liebe wiederzugewinnen durch den Traum eines jeden Tages“.

Ausgeruhte Menschen können (wieder) kraftvoll aktiv werden. Den kostbaren Momenten des Ausruhens folge das Aufstehen und Handeln, betont der Papst. Andererseits bewahrt das „Über etwas schlafen“ manchmal auch vor übereilten Äußerungen und Reaktionen…

Philosophie des Schlafes

Unter dem Motto „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf" steht die Reihe „Treffpunkt Christsein", die sich an mehreren Abenden dem Thema Schlaf widmet. Die Reihe mit Birgit Schultheiß und Dr. Wolfgang Steffel findet als Hybrid-Veranstaltung statt.

Am 19. März wird das Buch über den Schlaf des 2021 verstorbenen Straßburger Philosophen Jean-Luc Nancy vorgestellt. Um seine Gedanken einzuordnen, werden zuerst Grundlinien seines Ansatzes ausgezogen, zu denen einerseits die Leere und andererseits die Offenheit zählen – und so erste Motive des Phänomens „Schlaf“. Im Schlaf sieht Nancy ein zeitweiliges Nichtexistieren, ebenso eine Selbstvergessenheit, ein Ausgeliefertsein, den Ineinsfall von Körper und Geist, ein Umfallen und Sich-fallen-lassen und vieles weitere mehr. Dies alles passt sehr gut zum Josefstag. Im Leben des Heiligen spielten nach biblischem Zeugnis die Träume eine besondere Rolle.

Info und Zugangslink unter https://dekanat-eu.drs.de/
 

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