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Der unerschöpfliche Bach „fließt“ durch Obermarchtal

Als „unerschöpflich“ gilt die Musik von Bach. Gregor Simon, Kustos der Holzhey-Orgel in Obermarchtal, bringt sein Gesamtwerk für Orgel zu Gehör.

Obermarchtal

Gregor Simon am Spieltisch der Holzhey-Orgel. Foto: Friedrich Hog

Herr Simon, mit etwa 270 Stücken hat Johann Sebastian Bach ein immenses Orgelwerk hinterlassen. Was veranlasst Sie, dieses Gesamtwerk in einem Zyklus aufzuführen?

Der Internationale Orgel-September in Obermarchtal hat immer eine inhaltliche Ausrichtung, einen roten Faden, musikgeschichtlich oder theologisch inspiriert. Insgesamt haben wir jährlich fünf bis sieben reine Orgelkonzerte. Mir war es ein Anliegen, das faszinierende Orgelwerk Bachs komplett durchzunehmen. Bach hat über 20 Stunden Orgelmusik geschrieben. Weil Sie das in fünf bis sieben Konzerten nicht unterkriegen, ist das nun auf 21 Konzerte in drei Jahren verteilt.

Was macht die Musik Bachs so faszinierend?

Sie ist ewig gültig, könnte man sagen. Es gibt ja Ideale, wie Musik einen ansprechen kann, verschiedene Pole, zwischen denen sie sich bewegt. Richtig starke Musik wird ebenso beseelt sein, also das Gemüt ansprechen, wie erhaben. Sie wird also subjektiv erfüllt und gleichzeitig objektiv gültig sein. Bis in die kleinste Verästelung hinein sinnlich und sinnerfüllt. Bei Bach ist der Ausgleich zwischen den verschiedenen Eigenschaften, die eine starke Komposition ausmachen, geradezu ideal: Seine Musik bietet Geist, Seele, Vernunft, Gemüt unendlich viel. Es gibt keine „Füll- oder Begleittöne“, sondern Bach hatte den Anspruch, dass jeder Ton sozusagen wahrhaftig platziert ist. Damit bringen seine Werke etwas ewig Gültiges zum Ausdruck. Sehnsucht, Freude, Trauer, Klage sind eingebunden in eine „göttliche Ordnung“ und stehen von daher unter dem Stern einer wunderbaren Verheißung. Nicht selten wird Bach als jemand beschrieben, der eine geradezu kosmische Musik schuf. Und das Großartige ist, dass dieser Kosmos nicht leer und kalt ist, sondern in seiner Größe das „Du“ des Schöpfers beinhaltet.

Ist die Obermarchtaler Holzhey-Orgel prädestiniert für Bach?

„Prädestiniert“ zu sagen, wäre übertrieben, aber sie ist besonders geeignet. Wir haben hier eine Orgel des süddeutschen Spätbarock. Die für die Ausdruckswelt von Johann Sebastian Bach notwendigen Eigenschaften wie eine sensible und ausdifferenzierte Klanglichkeit sowie die Durchhörbarkeit und Unterscheidbarkeit der Stimmen bietet die Holzhey-Orgel erstklassig.

Jetzt im September gibt es gleich drei Konzerte. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher?

Am kommenden Sonntag, 11. September, bei dem Konzert, das ich selber spiele, heißt das Thema „Orgelmesse I“. Hier kommen Stücke zum Klingen, die Johann Sebastian Bach in seinem „Dritten Teil der Klavierübung“ zusammengefasst hat. Den Gottesdiensten in Leipzig entsprechend gab es ein Präludium am Anfang und eine Fuge am Schluss, und dazwischen gab’s Stücke zu den liturgischen Plätzen, ein Kyrie, ein Gloria, ein „Wir glauben alle an einen Gott“, ein „Vater unser“ usw. Im Konzert spiele ich die eine Hälfte dieser Stücke, nächstes Jahr, wieder im September, heißt es dann „Orgelmesse II“. Der Titel des Konzertes am 18. September lautet „In dir ist Freude“. So heißt ein mitreißendes Choralvorspiel Bachs und die Freude spielt in diesem Konzert eine besondere Rolle, wie mit Stücken namens „Nun freut euch, liebe Christen“ oder „Nun danket alle Gott“. Es spielt Megumi Hamaya aus Berlin, eine phantastische Organistin. Ebenfalls hochkarätig zu nennen ist Andreas Jetter, Domorganist in Chur in der Schweiz, der am 25. September nach Obermarchtal kommt. In seinem Konzert „Wir glauben all an einen Gott“ wird auch die berühmte d-Moll-Toccata zu hören sein.

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