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Der Winzerpatron und seine Brüder

Den Namen hat die 625 Jahre alte St. Urbansbruderschaft von einem Papst, ihre Traditionen pflegen die durch Kugelwurf gewählten Mitglieder bis heute.

Rottenburg
Due Statue des Heiligen Urban mit Tiara, goldenem Gewand, Kreuzsstab und Trauben in der Hand steht auf dem Rottenburger Marktplatz.

An Fronleichnam tragen die Urbansbrüder eine Statue von Papst Urban I. in der Prozession mit - Foto: St. Urbansbruderschaft Rottenburg

Urban ist in. Eine Penthousewohnung über den Dächern der Stadt, die U-Bahn-Station vor der Haustüre sowie jede Menge kulturelle und kulinarische Angebote in nächster Umgebung - das verbinden viele mit typisch urbanem Lifestyle. Urban - fragt man in Rottenburg danach, klingt das ganz anders. Das ist doch die Figur, die bei der Fronleichnamsprozession mitgetragen wird und nach der eine Straße benannt ist. War da nicht etwas mit einer Besenwirtschaft im Herbst? Stimmt. Verantwortlich dafür sind die Urbansbrüder, die sich nach einem Papst aus dem 3. Jahrhundert so nennen. Urban ist auch in Rottenburg in. Die Bruderschaft gibt es seit 625 Jahren, aber sie darf die Zahl von 24 Mitgliedern nicht überschreiten.

Wer Interesse an der St. Urbansbruderschaft hat, kann also nicht einfach eine Bewerbung abschicken oder online ein Formular ausfüllen. Genau genommen kann derjenige gar nichts tun, denn neue Urbansbrüder werden ohne ihr Wissen gewählt. Scheidet ein Mitglied aus, schlagen die verbliebenen bei ihrer Versammlung im Mai einen Kandidaten vor. Dann beginnt die „Ballotage“, der Kugelwurf. Jeder Bruder lässt verdeckt eine weiße oder schwarze Kugel in eine Blechurne fallen. Befinden sich am Ende ausschließlich weiße Kugeln im Gefäß, so ist der Kandidat gewählt. Eine einzige schwarze Kugel genügt für die Ablehnung des Vorschlags.

Eine der ältesten Bruderschaften in Süddeutschland

Diese Form der Mitgliedergewinnung ist nicht die einzige Besonderheit der religiösen Vereinigung. Die um das Jahr 1401 gegründete Bruderschaft gilt als eine der wenigen seit dem Mittelalter existierenden Bruderschaften im süddeutschen Raum und ist die älteste noch bestehende Genossenschaft in Rottenburg. In der Stadt am Neckar, die erst vor knapp 200 Jahren Bischofssitz wurde, führen die meisten heutigen Urbansbrüder mit den Urbansschwestern, wie sie ihre Frauen liebevoll nennen, auch ohne U-Bahn ein urbanes Leben. Das lateinische Wort „urbanus“ bedeutet einfach „der Städter“ oder „städtisch“. Papst Urban stammte vermutlich aus „der urbs“, also aus der Hauptstadt Rom, wo er von 222 bis 230 nach Christus Bischof war.

Der Festtag des heiliggesprochenen Papstes, von dem man ansonsten nicht viel weiß, ist am 25. Mai. Deshalb feiert die St. Urbansbruderschaft ihr Jubiläum dieses Jahr auch am Pfingstmontag mit einem feierlichen Gottesdienst um 10 Uhr in der Wallfahrtskirche im Weggental und mit einem anschließenden Umtrunk. Dabei stoßen Mitglieder und Gäste mit Wein aus dem Weinberg der Bruderschaft an. Zur Gründungszeit, als der Weinbau in Rottenburg seine wirtschaftliche Blüte erlebte, waren die 24 Urbansbrüder Aufsichtsorgan des Landesherrn. Sie ahndeten über Jahrhunderte Vergehen in Weinbergen und auf Feldern. Vor Ort setzten sie Weinbergshüter ein und sorgten für deren Unterkunft. Das Huthüttle in der Ehehalde stammt noch aus dieser Zeit.

Verwechslung beim Patron der Wengeter?

Die Mitglieder der Bruderschaft stammten aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten, darunter Handwerker und Weingärtner, Beamte und Geistliche. Entlohnt wurden sie am Patronatsfest mit Wein für den Hausgebrauch. Heute führt der Rottenburger Weinbau eher ein Nischendasein, aber die St. Urbansbruderschaft bewahrt weiterhin ihre Traditionen. Dabei war ursprünglich gar nicht der urbane Papst Urban für die Wengeter (Winzer) zuständig, sondern der Heilige Urban von Langres aus der gallischen Provinz, der im 4. Jahrhundert lebte und sich vor seinen Verfolgern hinter einem Weinstock versteckte. Wie es zu dieser Verwechslung kam, ist jedoch eine andere Geschichte.
 

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