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Deutlicher Rückgang bei Missbrauchsvorwürfen

Keine Hinweise auf aktuelle Fälle in der Diözese seit 2015

Rottenburg

Die Zahl der Missbrauchsvorwürfe gegen katholische Geistliche in der Diözese Rottenburg-Stuttgart geht seit den 1990er Jahren kontinuierlich zurück. Der Generalvikar der Diözese, Clemens Stroppel, belegt dies mit einer detaillierten Auswertung der erfassten Zahlen für das Gebiet der Diözese. Er widerspricht damit dem Ergebnis einer aktuellen Studie unter Federführung des Zentralinstituts für seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim um den Psychiater Harald Dreßing. Dieser war Koordinator des Forschungsprojekts „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (MHG-Studie).

 

In der aktuell veröffentlichten Studie („Sexueller Missbrauch von Kindern durch katholische Priester seit 2009: Verlauf und relative Häufigkeit im Vergleich zur männlichen Allgemeinbevölkerung“) hatte Dreßing Daten vorgelegt, wonach die Zahl der Missbrauchstaten durch Priester auch in jüngster Zeit nicht gesunken sei. „Diese Aussage trifft auf unsere Diözese nachweislich nicht zu“, betont Stroppel.

 

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart sind seit 1949 insgesamt 181 Taten und Beschuldigungen bekannt gewordenen und dokumentiert. Die meisten Fälle (59) ereigneten sich in den 1960er Jahren. Den 1970er Jahren wurden 29 und den 1980er Jahren 33 Missbrauchstaten beziehungsweise -vorwürfe zugeordnet. Für die 1990er Jahre wurden 16 Fälle erfasst, in der Zeitspanne von 2000 bis 2009 waren es noch elf. Seit 2010 gibt es sechs weitere Fälle; letztmalig ist ein Tatvorwurf für das Jahr 2014 erfasst. Seit 2015 sind der Diözese keine Fälle von aktuellem Missbrauch bekannt. Hinweise auf Missbrauchsfälle in der Vergangenheit (vor dem Jahr 2000) gibt es vereinzelt nach wie vor.

 

Selbstverständlich müsse eine zeitliche Verzögerung der Meldungen berücksichtigt werden, betont Generalvikar Stroppel. Dies bedeute, dass Taten oder Beschuldigungen, die sich auf heute beziehen, möglicherweise erst zehn oder fünfzehn Jahre später bei uns gemeldet würden, so dass diese Zahlen sich noch erhöhen könnten. „Dennoch ist der Rückgang signifikant und die Wissenschaft geht außerdem davon aus, dass sich die Meldeverzögerungen verkürzt haben und weiter verkürzen werden“, so Stroppel.

 

 

Seit dem Jahr 2001 werden die Akten der Diözese Rottenburg-Stuttgart systematisch gesichtet. Jeder Vorwurf des sexuellen Missbrauchs, sowohl durch Kleriker wie auch durch Laien im Dienst der Diözese, wird untersucht und archiviert. Bereits im Jahr 2002, lange vor Bekanntwerden des Missbrauchsskandals im Jahr 2010, hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart „Regularien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger in der Diözese Rottenburg-Stuttgart“ in Kraft gesetzt. Ein Jahr später hat die „Kommission sexueller Missbrauch“ (KsM) ihre Arbeit aufgenommen. Die Rottenburger KsM war die erste dieser Art innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz. Im Jahr 2012 wurde die Stabstelle Prävention, Kinder- und Jugendschutz in der Diözese installiert. Auch in der Priesterausbildung der Diözese ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Missbrauch seit 2002 verankert.

 

 

Hinweise:

In der Anlage erhalten Sie die statistische Auswertung „Sexueller Missbrauch durch Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige in der Diözese Rottenburg-Stuttgart“.

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