Zum Inhalt springen

Deutscher Architekturpreis: Bischofsgrablege ist ein Ort mit besonderer Strahlkraft

Aus 181 Bewerbungen werden elf Preisträger ausgewählt.

Berlin

Bei der Urkundenübergabe in der Staatsbibliothek Unter den Linden (von links): Petra Wesseler, Präsidentin des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung, Melanie Prange, Leiterin des Diözesanmuseums Rottenburg, Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Johannes Schellinger, Sachgebietsleiter „Baubetreuung“ der Grund- und Bauverwaltung im Bischöflichen Ordinariat, Generalvikar Clemens Stroppel und Architekt Anton Nachbaur-Sturm. Bild: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Fotograf: PR-Bild - Christoph Petras

Bei der Verleihung des Deutschen Architekturpreises (DAP) erhielt das Bistum Rottenburg-Stuttgart am Donnerstagabend in Berlin einen Anerkennungspreis. Ausgezeichnet wurde in der Staatsbibliothek Unter den Linden die Gestaltung der Bischofsgrablege unter der Sülchenkirche in Rottenburg a.N. durch das Architekturbüro Cukrowicz Nachbaur aus Bregenz (Österreich).

Dr. Clemens Stroppel, Generalvikar der Diözese, sagte bei der Preisverleihung: „Dass wir eine ‚Anerkennung‘ entgegennehmen dürfen, freut mich sehr. Damit wird die herausragende Architektur eines nicht gerade alltäglichen Bauwerks anerkannt: Eine Grablege für die Bischöfe von Rottenburg und zwei Ausstellungsräume, in denen die Funde der archäologischen Grabungen unter der Sülchenkirche ausgestellt werden, die bis ins frühe Mittelalter zurückreichen.“

Aus ganz Deutschland waren 181 Bewerbungen für den DAP 2019 eingegangen. Unter dem Vorsitz von Professor Arno Lederer wählten die Preisrichter in einer ersten Sitzung 20 Projekte aus, die sie in den folgenden Wochen vor Ort besichtigten. Bei der Preisverleihung in Berlin wurden nun elf Projekte ausgezeichnet.
 
Laut Generalvikar Stroppel vermittelt die Bischofsgrablege durch die vollkommene Reduzierung auf Raum, Erde und Licht einen starken Eindruck der christlichen Feier des Begräbnisses im Glauben an die Auferstehung.‎ Er sagt: „Wir freuen uns und sind auch ein wenig stolz, dass wir uns im Wettbewerbsverfahren für diesen, nun in seinem Schaffen anerkannten Architekten entschieden haben.“

In der Begründung der Jury heißt es zur Bischofsgrablege: „Der sakralen Wirkung dieses architektonischen Kleinodes kann man sich nicht entziehen. Den Begriff der Innovation auf das Bauwerk anzuwenden hieße, die Architektur nicht begriffen zu haben. Lehm, ein paar Eisenteile für die Beschläge, Messing für besonders bedeutsame Ausstattungsdetails. Nur die gezielt spärlich eingesetzte Beleuchtung gehört nicht zu den Stoffen, die bis in die Moderne als ein gewohntes Baumaterial galten. Deshalb erscheint dem Betrachter die Architektur ungewohnt gewohnt. Mit dem präzisen Einsatz der monochromen und von Hand gefertigten Böden, Wände, Treppen und Decken gelingt es den Architekten, die Besucher zu einer Art innerer Einkehr, auch zur Besinnung zu bringen.“ Dem unterirdischen Bauwerk sei, allein durch das Wissen um die Bedeutung des Ortes, eine große Strahlkraft zusprechen.

Dr. Melanie Prange, Leiterin des Diözesanmuseums Rottenburg, die ebenfalls bei der Preisverleihung in Berlin mit dabei war, sagt: "Die Bischofsgruft in der Sülchenkirche überzeugt durch ihre modern-puristische Ästhetik und zugleich durch ihre große Symbolstärke. Der zeitgemäße Andachtsraum aus Stampflehm vermittelt eindrücklich die Verwurzelung der Diözese, die bis zu den Anfängen des christlichen Glaubens im mitteleuropäischen Raum zurückreicht. Auch die vielschichtige theologische Dimension macht die Architektur zu einem ganz besonderen Ort."  
    
Zur Preisverleihung:
Bruno Fioretti Marquez Architekten aus Berlin erhielten den mit 30.000 Euro dotierten Deutschen Architekturpreis (DAP) 2019. Sie realisierten im Auftrag der Lutherstadt Wittenberg den Umbau, die Erweiterung und Sanierung des Schlosses Wittenberg. Die DAP-Jury vergab weitere fünf Auszeichnungen mit jeweils 4.000 Euro Preisgeld und fünf Anerkennungen mit je 2.000 Euro. Weitere Anerkennungspreise gingen etwa an die James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel Berlin und an den Kulturpalast Dresden.

 

Mehr zum Autor

Aktuelles

zum Thema

2905 Jahre Ja: Vinzentinerinnen feiern Professjubiläum

Untermarchtal

38 Vinzentinerinnen der Provinz Untermarchtal haben im Mai Professjubiläum gefeiert. Im Juni blicken zehn Schwestern auf ihre lange Ordenszeit zurück.

Looking for Something

Ab Sonntag kann die Collage von Katharina Ganslmeier und Markus Genzwürker betrachtet werden. Wir haben mit ihnen über ihr Fensterobjekt gesprochen.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

DRS / Annika Werner

Landwirt sein, aus Liebe zur Familie und zur Natur

Rottweil

Der Hof der Sauters ist seit 300 Jahren im Familienbesitz. Damit er weiterbestehen kann, führt ihn der 33-jährige Samuel auf mehreren Standbeinen.

Angelika Sönnichsen

Frieden wächst, wo Menschen einander begegnen

Rottenburg

Bischof Dr. Klaus Krämer besucht Friedens-, Bildungs- und Klimaprojekte in Burundi. Die Reise zeigt, wie langjährige Partnerschaft Zukunft schafft.

Christine Eberle

Kunst zum Entdecken und Nachdenken

Ellwangen (Jagst)

Eine Ausstellung mit Werken von Judith Wettemann-Ebert knüpft an die Themen der Landesgartenschau und besonders an die dortige Blumenschau an.

Markus Waggershauser

Im Storchengang durchs kalte Wasser

Jordanbad

Wassertreten im Kneippbecken ist gut für die Gesundheit und erfrischt im Biberacher Jordanbad und anderswo Körper und Seele - nicht nur im Sommer.

Constanze Stark

Eine Kirche mit außergewöhnlicher Geschichte

Hechingen

Eine alte Legende erzählt, dass Engel die Wallfahrtskirche über Nacht an ihren heutigen Ort getragen haben. Doch was steckt dahinter?