Die Frau hinter dem Bischof
Annika Werner Margret Schäfer-Krebs wird auch im Ruhestand mit der Kirche zu tun haben. Foto: DRS / Annika Werner
Am Ende ist sich Margret Schäfer-Krebs nicht sicher, ob sie nun zu schwäbisch in die Kamera „geschwätzt“ hat. Sie könne aber nicht anders. Das muss sie auch gar nicht. Es dürfte kaum jemanden geben, der in der Diözese Rottenburg-Stuttgart arbeitet und Margret Schäfer-Krebs nicht kennt und schätzt. Wer ihr über den Weg läuft, spürt ihre Energie, ihre positive Ausstrahlung – und den großen Glauben, den die Frau in sich trägt.
40 Jahre hat Margret Schäfer-Krebs nun für die Kirche gearbeitet. Eigentlich wäre sie vor gut anderthalb Jahren in den Ruhestand gegangen, wenn nicht mal wieder „Not am Mann“ gewesen wäre – wie schon öfter in ihrer Laufbahn. Gerade war Klaus Krämer zum neuen Bischof der Diözese geweiht worden, da konnte Schäfer-Krebs als Referentin für die bischöflichen Liturgien nicht einfach gehen, denn in den ersten Monaten „hat der Bischof etwas anderes zu tun, als nach einem neuen Stelleninhaber zu suchen“, sagt sie selbst. Also blieb sie.
Mehr als eine Übergangslösung
Angefangen hat sie mit dieser Arbeit Ende 2020. Damals war Gebhard Fürst Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, sein Sekretär ging etwas plötzlich und Weihnachten stand vor der Tür. So musste jemand die Bischofsgottesdienste über die Feiertage vorbereiten. Margret Schäfer-Krebs und Gebhard Fürst kannten sich von Fronleichnam und von ökumenischen Anlässen, für die Schäfer-Krebs bereits in der Gottesdienstvorbereitung tätig war. Deshalb sollte sie übergangsweise bis Dreikönig 2021 einspringen. Doch ein halbes Jahr später wurde ihr die Stelle als Referentin für die bischöflichen Liturgien ganz übertragen. Von da an bereitete sie alle Gottesdienste des Bischofs vor – bis auf die Predigt.
Es ist nicht so, dass Margret Schäfer-Krebs keine Predigten schreiben kann. In ihrer Zeit als Pastoralassistentin und -referentin hat sie genügend Predigten gehalten. Ihr Ausbildungspfarrer Hans-Jörg Krämer sei damals eine gute Schule für sie gewesen. „Ich musste ihm die Predigt vortragen und dann hat er eine Frage gestellt: „Glaubst du das selber, was du da sagst?“ Eine wichtige Frage für die Reflexion dieser Arbeit. Später, bei der langjährigen Tätigkeit in der Aus- und Fortbildung der liturgischen Dienste, v. a. der Leiter:innen von Wort-Gottes-Feiern, hat sie genügend Predigten für deren Gottesdienstvorlagen geschrieben.
Viel Zutrauen von Anfang an
Natürlich gab es Durststrecken und Herausforderungen, vor denen ich großen Respekt hatte, aber ich hatte von Anfang an auch Kolleg:innen und Vorgesetzte um mich, die mir viel zugetraut haben. „Mir hat eigentlich nie jemand gesagt, das kannst du nicht oder das geht nicht“. Nur ihr Vater fand die Idee, Theologie zu studieren, am Anfang nicht so gut. „Was soll man da als Frau?“, habe er gefragt. Doch hat er seiner Tochter dann ein Freiwilliges Soziales Jahr eingeräumt, in dem sie entscheiden sollte, ob sie wirklich für die Kirche arbeiten will. Nach dem FSJ, in dem sie in der Jugendarbeit tätig war, war sich Margret Schäfer-Krebs immer noch sicher. Schließlich ist sie ans Ambrosianum nach Stuttgart-Sommerrain und zum Theologiestudium nach Tübingen gegangen.
Den Spielraum nutzen
Auf die Frage, wie sich das anfühlt, wenn man ständig Gottesdienste vorbereitet, sie aber nicht hält, wird Margret Schäfer-Krebs sehr persönlich. „Dass ich gerne Priesterin geworden wäre, ist kein Geheimnis.“ Dass sie niemals eine Weihe empfangen wird, war ihr auch immer klar. „Die Kirche will vieles von einem, aber diese Berufung will sie (noch) nicht“, sagt Schäfer-Krebs. „Die Frage ist, wie gehe ich mit dem Schmerz darüber um? Man kann ihn nicht wegbeten und schon gar nicht wegdiskutieren. Gleichzeitig war ich überzeugt, Gott schickt mich nicht in einen Beruf, damit ich unglücklich und verbittert werde. So habe ich mich immer wieder dafür entschieden, den Spielraum zu nutzen, den es ja gibt: ich konzentriere mich auf die Aufgaben, die da sind; auf das, was daraus entstehen kann und was immer wieder dazukommt. Ich schaue auf das, was geht und gucke weniger auf das, was nicht geht. So nehme und verderbe ich mir auch nicht die Lust und Freude an all dem, was ich gern mache und was schön ist bei meinen Aufgaben.
Auch mal spontan etwas unternehmen können
40 Jahre später wird Margret Schäfer-Krebs auch im Ruhestand mit der Kirche zu tun haben. Ehrenämter und Hobbys werden weiterhin ihre Zeit beanspruchen. Dazu möchte sie mehr lesen, sich für ihre Gesundheit mehr bewegen und auch mal spontan etwas unternehmen können. „Einfach mal schauen, was kommt“, sagt sie und strahlt. Ihre Stelle als Referentin für die bischöflichen Liturgien tritt übrigens wieder eine Frau an.
Das Wirken von Margret Schäfer-Krebs
1979 – 1980: Ambrosianum in Stuttgart
1980 – 1986: Studium der Katholischen Theologie in Tübingen
1986 – 1989: Berufsausbildung als Pastoralassistentin in Starzach
1989 – 1991: Pastoralreferentin in Starzach
1991 – 2014: Leitung des Pastoralliturgischen Institutes (ab 2000 mit 50 % Referat Liturgische Dienste im IFWB), die Arbeitsstelle für die Fort- und Weiterbildung der liturgischen Dienste.
2000 – 2021: mit 50 % Referentin für Liturgie in der Hauptabteilung VIIIa, des Bischöflichen Ordinariates.
2000 – 2004: Mitarbeit am Feierbuch für Wort-Gottes-Feier, davor und danach an weiteren Publikationen des Deutschen Liturgischen Instituts, Trier
2001 – 2013: Mitarbeit als Autorin und Lektorin am neuen Gotteslob
2014 – 2024: Referentin für Ökumene in der HA VII, Glaubensfragen und Ökumene
2020/21 – 2026: Referentin für die bischöflichen Liturgien