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Die guten Geister im Mittelpunkt

Über 700 Mesner:innen aus der ganzen Diözese feiern einen inspirierenden und kurzweiligen Tag in der Schwabenlandhalle in Fellbach.

Fellbach
700 Mesner:innen kamen zum Mesnertag 2026 in die Schwabenlandhalle

700 begeisterte Mesner:innen kamen zum Mesnertag in die Schwabenlandhalle in Fellbach. Foto: DSR/ Nelly Swiebocki-Kisling

 Die Mesner:innen Monica und Eduardo Babichalk, Franz-Josef und Anna Kessner beim Mesnertag 2026 in der Schwabenlandhalle

Franz-Josef Kessner ist Mesner und Organist in seiner Gemeinde. Er teilt sich seit 35 Jahren den Mesnerdienst mit seiner Frau Anna, die für den Blumenschmuck zuständig ist. Im Sommer übergeben sie den Dienst an Eduardo und Monica Babichalk. Foto: DRS/ Nelly Swiebocki-Kisling

Was für ein Tag! Über 700 Mesnerinnen und Mesner aus der ganzen Diözese Rottenburg-Stuttgartmachten sich am 29. April auf den Weg nach Fellbach – und verwandelten die Schwabenlandhalle in einen Ort voller Leben, Begegnung und guter Stimmung. Veranstaltetet wurde der Mesnertag  vom Fachbereich Liturgie der Diözese Rottenburg-Stuttgart sowie vom Mesnerverband. Das Programm wurde von einer Fachmesse von verschiedenen Fachbereichen des Bischöflichen Ordinariats sowie verschiedenen Fachfirmen begleitet.

Menschen mit Herz und Engagement

Schon beim Ankommen war spürbar: Hier treffen sich Menschen, die mit Herz und Engagement für ihre Gemeinden da sind. Viele reisten gemeinsam in Gruppen an, manche sogar mit eigens organisierten Reisebussen. Entsprechend groß war die Freude über das Wiedersehen, das Kennenlernen und den persönlichen Austausch.

Ein unverzichtbarer Dienst

Im Mittelpunkt standen an diesem Tag genau die, die sonst oft im Hintergrund wirken: die „guten Geister“ der Kirche. Ohne ihren Einsatz würde vieles nicht funktionieren – vom Blumenschmuck über die Vorbereitung der Gottesdienste bis hin zur Technik und vor allem zum menschlichen Miteinander in den Gemeinden. In Fellbach wurde deutlich: Dieser Dienst ist unverzichtbar – und verdient große Wertschätzung.

Das Evangelium im Herzen

Diese Wertschätzung zeigte sich auch in den Beiträgen der Ehrengäste: Weihbischof Dr. Gerhard Schneidereröffnete den Tag mit herzlichen Worten und machte zugleich neugierig auf die Begegnung sowie den Austausch mit Bischof Dr. Klaus Krämerzum Projekt "Kirche der Zukunft". AuchMargret Schäfer-Krebs, Präses des Mesnerverbands fand in ihrem Grußwort humorvolle und zugleich tiefgehende Worte für den Dienst der Mesner:innen und stellte ihn als „Evangelium auf zwei Beinen“ anschaulich in den Mittelpunkt. Die Fachreferentin für Liturgie im Bischöflichen Ordinariat und Mitglied des Mesnerverbandes in der Diözese erinnerte an Robert Lembkes Sendung „Was bin ich?“, die bis in die 1980er Jahre lief. Dabei stellte sie fest, dass sich in den 337 Folgen der Sendung nie eine Mesner:in vorgestellt hatte. Über die Mesner:innen sagte sie, sie kennen das Evangelium auswendig – par coer, wie es auf Französich heißt – aus dem Herzen, übersetzt Margret Schäfer-Krebs – und erklärt was sie meint: „Sie tragen das Evangelium, das Wort Gottes, im Herzen.“

Wichtige Arbeit im Verborgenen

Durch das Programm führten Tobias Albers, Leiter des Fachbereichs Liturgie, gemeinsam mit Stefan Bamesberger, Referent für Liturgie und liturgische Fort- und Weiterbildung und verantwortlicher Organisator der Veranstaltung. Sie sorgten für einen abwechslungsreichen und gut strukturierten Ablauf der kurzweiligen Veranstaltung. Mit der Veranstaltung wollte Stefan Bamesberger den Berufstand würdigen: „Die Tradition der Mesnertage sind ein bewusster Moment der Wertschätzung dieses für unsere Kirche so wichtigen Dienstes. Mesnerinnen und Mesner arbeiten zumeist “im Verborgenen” und werden bisweilen nur auf den zweiten Blick wahrgenommen – wie schön, dass wir mit dem Mesnertag eine Gelegenheit haben, dieses Wirken ganz gezielt in den Vordergrund zu rücken.“

Kirche ist ohne Mesner:innen nicht vorstellbar

Auch die Verbundenheit über die Diözese hinaus wurde deutlich: Klaus Probst vom Mesnerverband Augsburg brachte es treffend auf den Punkt: „Wir sind das Rückgrat der Kirche – ohne uns bleibt es dunkel, kalt und still.“ Gleichzeitig warb er für eine starke ökumenische Zusammenarbeit.

Ein besonderes Zeichen der Wertschätzung kam auch von kommunaler Seite: Johannes Berner, Erster Bürgermeister der Stadt Fellbach,würdigte die wichtige Rolle der Mesner:innen für das kirchliche Leben vor Ort und betonte ihre Verlässlichkeit und ihre menschliche Nähe zu den Menschen. Er erinnerte an die 1923 als erste Notkirche in Fellbach gebaute katholische Kirche St. Johannes, die in nur fünf Monaten gebaut wurde: „Was für eine Kraft, meine Damen und Herrren!“ Heute stelle sich die Kirche den vielfältigen aktuellen Herausforderungen. In diesem Zusammenhang sei die Rolle der Mesner:innen unverzichtbar: „Ohne Sie wäre das Kirchenleben nicht vorstellbar!

Mental Health First Aid auch für Mesner:innen

Inhaltlich bot der Tag viele Impulse. Ein Highlight war der Vortrag des Stuttgarter Psychiaters Dr. med. Johannes Reiner, der zum Thema „Erste Hilfe für die Seele“ sprach. Mit viel Einfühlungsvermögen und anschaulichen Beispielen zeigte er, wie wichtig Aufmerksamkeit, Mitgefühl und Selbstfürsorge sind – gerade für Menschen, die oft erste Ansprechpartner:innen in schwierigen Lebenssituationen sind. Für seinen kurzweiligen Vortrag reduzierte der Psychiater seinen 200 Folien beinhaltenden Kurs „Mental Health First Aid (MHFA)“ auf nur vier Folien. Die Katholische Kirche in Stuttgart bietet den Kurs zusammen mit dem Arzt an, um Laien zu psychischen Ersthelfern auszubilden.

Mesner:innen sind wichtig für die Kirche der Zukunft

Am Nachmittag stand der Dialog im Mittelpunkt: Im Austausch mit Bischof Dr. Klaus Krämer ging es um die „Kirche der Zukunft“ und die Rolle der Mesner:innen darin. Ein Thema, das viele bewegte und zum Weiterdenken anregte. Stefan Bamesberger sagte dazu: „Ein wichtiger Moment dieses Jahr ist, dass eine Begegnung mit unserem Bischof und ein damit verbundener Austausch zum Prozess "Kirche der Zukunft"stattfindet – auch hier sind die Mesnerinnen und Mesner wichtige Akteure, deren Rolle wir beleuchten und deren Fragen wir wahrnehmen und besprechen.“

Den festlichen Abschluss bildete die gemeinsame Eucharistiefeier mit Bischof Krämer – ein würdiger und verbindender Höhepunkt eines rundum gelungenen Tages.

So bleibt vor allem eines in Erinnerung: ein Tag voller Freude, Wertschätzung und Gemeinschaft. Oder, anders gesagt: ein Fest für die guten Geister, die unsere Kirche jeden Tag lebendig machen.

 

Mehr Infos HIER 

Wie wird man Mesner:in?

Drei Fragen an Stefan Bamesberger, Referent für Liturgie und liturgische Fort- und Weiterbildung.

Wie wird man Mesner:in?

Eine Grundqualifikation wird für den Mesnerdienst nicht vorausgesetzt. Wichtig sind Begeisterung für Liturgie und die Aufgaben, die das Mesner-Sein mit sich bringt. Der Fachbereich Liturgie des Bischöflichen Ordinariatsbietet verschiedene Schulungen für Mesnerinnen und Mesner an. Eintägige Kompaktkurse für Dienstanfänger im Mesnerdienst und Aushilfsmesner finden mehrfach im Jahr an verschiedenen Orten in der Diözese statt. Für Mesnerinnen und Mesner mit regelmäßigen Diensteinsätzen oder in Anstellungsverhältnissen wird die Teilnahme am derzeit fünftägigen (ab 2027 4+3-tägigen) Einführungskurs für Dienstanfänger im Mesnerdienstempfohlen, der einmal jährlich in Rottenburg-Ergenzingen stattfindet. Für Interessierte Mesnerinnen und Mesner mit einem Anstellungsumfang von mindestens 50% bietet die überdiözesane Mesnerschule der Arbeitsgemeinschaft der süddeutschen Mesnerverbände in München zudem einen ca. dreiwöchigen Qualifikationskurs an.

Wie hoch ist der Frauenanteil in diesem Beruf?

Frauen und Männer sind gleichermaßen vom Mesnerdienst angesprochen. Regionale Unterschiede berücksichtigend führt dies insgesamt zu einer recht ausgewogenen Verteilung von Männern und Frauen im Mesnerdienst – bisweilen handelt es sich hierbei um Personen, die schon durch andere kirchliche Engagements oder Dienste auch zur Tätigkeit als Mesner gelangen. Beim Mesnertag selbst gibt es einen leichten Frauenüberschuss (ca. 60 % Frauen).

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir in diesem Zusammenhang sehr, dass wir in unserer Diözese auch zukünftig ein so engagiertes und zahlreiches Engagement im Mesnerwesen wahrnehmen können, wie es derzeit der Fall ist. Nicht zuletzt sind damit die Mesnertage auch deswegen wichtig, weil wir so wichtige Informationen und Updates an zahlreiche Multiplikator/innen weitergeben können – somit dienen die Mesnertage auch der langfristigen Qualitätssicherung im Bereich des Mesnerwesens

 

Ein Interview mit einem Mesner finden Sie HIER 

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