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Die katholische Kirchengemeinde baut für die Zukunft

Schwarzenbacher Dorfgemeinschaft nimmt Abschied vom statisch instabilen Gotteshaus aus den 1950er Jahren und freut sich auf den Neubau.

Schwarzenbach
Kirche von außen

Die im Jahr 1959 eingeweihte Kirche St. Felix und Regul in Schwarzenbach - Foto: Anita Wenger

Ob Taufe, Erstkommunion oder Hochzeit, ob Sonntagsmesse, Trauergottesdienst oder Konzert - viele Bewohnerinnen und Bewohner des Neuravensburger Ortsteils erinnern sich an prägende Ereignisse in ihrer Kirche. Daher fällt es ihnen schwer, von dem großräumigen Gotteshaus im typischen 50er-Jahre-Stil Abschied zu nehmen. Im Herbst soll der Neubau beginnen. Am Samstag, 22. Februar, kann bei einer Lichtfeier um 18 Uhr das Vergangene nochmals aufflammen, bevor Weihbischof Matthäus Karrer tags darauf um 10.30 Uhr nach einer letzten Eucharistiefeier St. Felix und Regula profanieren, also entweihen wird.

Verlieren sich die Gottesdienstbesucher an gewöhnlichen Sonntagen fast im großen Raum, füllen sich die 400 Plätze so vielleicht ein letztes Mal. Verschiedene Gemeindegruppen und Musikensembles bringen sich bei den beiden Gottesdiensten ein und gestalten sie mit. Auch Vertretungen der Stadt Wangen, der Ortschaft Neuravensburg, der übrigen Kirchengemeinden in der Seelsorgeeinheit "An der Argen" sowie der evangelischen Schwestergemeinde, die das Gotteshaus ebenfalls nutzte, haben am Sonntag ihr Kommen zugesagt. Am Ende laden im profanierten Gebäude ein Imbiss und Getränke zur Begegnung ein. Danach bleibt die Kirche geschlossen. Der Rückbau soll dann im März beginnen.

Das einsturzgefährdete Dach als Auslöser

Vor knapp 70 Jahren mussten sich die Schwarzenbacher schon einmal mit einem Kirchenneubau befassen, da das alte Gotteshaus damals zu klein und baufällig geworden war. Dass die Bauherren bei der 1959 eingeweihten Nachfolgerin dieselben Holzbinder für die Dachkonstruktion verwendeten, die bei der Bad Reichenhaller Eissporthalle 2006 zum Einsturz führten, wurde der Kirchengemeinde nun zum Verhängnis. Ab März 2020 musste die Kirche mehrere Monate geschlossen bleiben. Derzeit tragen Gerüstkonstruktionen im Innenraum das einsturzgefährdete Dach.

Die ursprüngliche Absicht, den Nachkriegsbau zu ertüchtigen, wäre auch wegen der Folgekosten für Heizung und Unterhalt nicht leistbar gewesen. Denn die Wände und das Fundament zeigen ebenfalls statische Schwächen. Außerdem drängte die Diözese Rottenburg-Stuttgart, auf deren finanzielle Förderung die Kirchengemeinde angewiesen ist, auf eine ökologisch nachhaltige und den zu erwartenden Mitgliederzahlen angemessene Lösung. Den Architektenwettbewerb für den Neubau gewann das Vorarlberger Büro Innauer-Matt. Im ausgezeichneten Modell waren ein Raum für pastorale Angebote, die Sakristei und Sanitärräume sowie darüber eine großzügige Empore für die Kirchenmusik bereits vorgesehen.

Altar und Figuren ziehen mit um

Das im Plan steil aufragende Dach gipfelt in einem Glasband am First, welches Tageslicht einfallen lässt. Auch die umlaufenden Fenster machen den neuen Kirchenraum hell und freundlich. Weitere Themen ergaben sich erst bei der Detailplanung in den vergangenen Monaten durch Wünsche von Gemeindemitgliedern oder behördliche Vorgaben. Die vorgeschriebene Photovoltaik-Anlage soll sich nun möglichst unauffällig ins Dach integrieren und das Regenwasser fließt in eine Zisterne, um im Sommer die Gräber damit gießen zu können. Mit einer Bausumme von 4,2 Millionen Euro bekommen die Schwarzenbacher und die ganze Seelsorgeeinheit einen ästhetischen und zugleich nachhaltigen Kirchenraum, der für bis zu 200 Personen je nach Anlass flexibel bestuhlbar ist.

Von Altar, Ambo, Taufstein und Tabernakel sowie von der Marienstatue und den Figuren der Kirchenpatrone Felix und Regula müssen sich die Schwarzenbacher nur vorübergehend verabschieden. Sie finden auch in der neuen Kirche ihren Platz. Erhalten bleibt auch der dann freistehende Turm. Mit seinem spätgotischen Sockel erinnert er an mehrere Vorgängerbauwerke. Bis zum Herbst begeben sich Archäologen auf Spurensuche nach deren Überresten. Bereits im Jahr 815 erwähnt eine Schenkungsurkunde an das Kloster St. Gallen die Pfarrstelle "Suuarzinpach". So entsteht auf dem Fundament einer der ältesten Kirchen der Region bald die modernste.

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