Zum Inhalt springen

„Die Kunst kann auf ihre ganz eigene Art irritieren“

Bischof Krämer und Nachhaltigkeitsexpertin Baedeker würdigen transformatives Potenzial der Kunst beim Aschermittwoch der Künstlerinnen und Künstler.

Stuttgart

Zum traditionellen „Aschermittwoch der Künstlerinnen und Künstler“ trafen sich Bischof Dr. Klaus Krämer und Dr. Carolin Baedeker vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie mit mehr als 100 Künstlerinnen und Künstlern der Region. Foto: DRS/ Akademie / MH-FB

Nachhaltigkeitsexpertin Carolin Baedeker verband in ihrem Vortrag die wissenschaftliche Analyse der ökologischen Krise mit einer künstlerischen Perspektive. Foto: DRS/ Akademie / MH-FB

Welche Rolle kann die Kunst im Kampf gegen den Klimawandel und für die Nachhaltigkeit spielen? Zum traditionellen „Aschermittwoch der Künstlerinnen und Künstler“ trafen sich Bischof Dr. Klaus Krämer (Rottenburg) und Dr. Carolin Baedeker vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie mit mehr als 100 Künstlerinnen und Künstlern der Region in der Akademie der Diözese.

In seiner Predigt beschrieb Bischof Krämer die Transformation als prägendes Stichwort unserer Gegenwart und diagnostizierte: „Transformation, Veränderung ist für viele Menschen verbunden mit dem Gefühl von Verlust, mit dem Abschiednehmen von Vertrautem, mit Trauer und oft auch mit Angst oder Sorge, was da alles auf uns zukommen mag, welchen Platz ich in dieser neuen, noch unbekannten Welt haben werde.“ Dem stellt Krämer die biblische Botschaft der Umkehr entgegen, im Sinne eines grundlegenden Sinneswandels, als ein neues Denken mit weitem Horizont. „Dieses Denken richtet sich auf das Reich Gottes – eine Vision von Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Frieden.“

“Kunst vermag unseren Blick zu weiten”

Eine besondere Rolle nehme dabei die Kunst ein. „Denn Kunst kann auf ihre ganz eigene Art irritieren, scheinbar Selbstverständliches in Frage stellen, frech und wagemutig, überraschend, manchmal auch verstörend – vermag sie es doch immer wieder, unseren Blick zu weiten, uns für eine neue Sicht der Dinge zu öffnen oder zumindest zu sensibilisieren“, erklärte der Bischof. Und wie die Künste hätten auch „die großen Zeichen der Aschermittwochsliturgie diese innere Kraft, uns in heilsamer Weise zu irritieren. 

“Die Asche konfrontiert uns mit der Vergänglichkeit unserer menschlichen Existenz”

Die Asche konfrontiert uns – in geradezu unbarmherziger Direktheit – mit der Vergänglichkeit unserer menschlichen Existenz“, hob Krämer hervor. „Indem wir unser Haupt mit Asche bestreuen lassen, konfrontieren wir uns mit der vielleicht endgültigsten Wahrheit unseres Lebens: dass wir im letzten nichts festhalten können und wir darum gut daran tun, uns nicht an das Bestehende zu klammern.“

Kunst und Kultur als Treiber nachhaltiger Transformation 

Nachhaltigkeitsexpertin Carolin Baedeker stellte ihrerseits die Frage, wie Kunst und Kultur zu Treibern nachhaltiger Transformation werden können. Ihr Vortrag verband die wissenschaftliche Analyse der ökologischen Krise mit einer künstlerischen Perspektive. Die Kunst könne Perspektiven verschieben, Emotionen wecken und Veränderung erfahrbar machen. Baedeker unterscheidet dabei den „Footprint“ kultureller Institutionen im Sinne ökologischer Auswirkungen vom „Handprint“ als gesellschaftliche Wirkung, zum Beispiel im Bereich Bildung, Empathie und Beteiligung.

Projekt „7000 Eichen“ von Joseph Beuys als Beispiel transformativer Kunst 

Als ein Beispiel transformativer Kunst würdigte Baedeker das Projekt „7000 Eichen“ von Joseph Beuys. Darauf aufbauend arbeitet das Verbundprojekt transform.NRW seit 2023 mit 16 Partnern aus Kunst, Kultur, Design, Wissenschaft und Wirtschaft an praktischer Nachhaltigkeit. Workshops, Ausstellungen und ein Symposium fördern Wissenstransfer, Vernetzung und Innovation. Die Beispiele reichen vom Naturfärbe-Studio „Cosmaki“ bis zum „Orchester des Wandels“, das Musiker:innen für Klima- und Naturschutz mobilisiert.

Kunst und Kultur sind Motor, Resonanzraum und Experimentierfeld zugleich

Ein weiteres Instrument ist das SAPA-Tool (Sustainability Assessment for the Performing Arts), das Theater und Kulturinstitutionen bei der Analyse und Verbesserung ihrer Nachhaltigkeit unterstützt. Zentrale Botschaft des Vortrags von Carolin Baedeker: Transformation braucht Kreativität, transdisziplinäre Zusammenarbeit und offene Förderlandschaften. Kunst und Kultur sind kein Beiwerk der Nachhaltigkeit – sie sind Motor, Resonanzraum und Experimentierfeld zugleich.

Gedanken zur transformativen Kraft von Kunst

Die Feier zum Aschermittwoch wurde musikalisch gestaltet von Dasha Shpringer am Flügel. In einem interaktiven Teil formulierten die anwesenden Künstlerinnen und Künstler ihre Gedanken zur transformativen Kraft von Kunst.

Hintergrund des Aschermittwoch der Künstler:innen

Der Aschermittwoch der Künstler (und Künstlerinnen) ist eine von dem katholischen Schriftsteller und Diplomaten Paul Claudel nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris begründete Veranstaltung der römisch-katholischen Kirche. Sie findet jährlich zum Beginn der Fastenzeit in mehr als 100 Städten statt. In Stuttgart wurde die Veranstaltung durch Dr. Ilonka Czerny, Leiterin des Fachbereiches Kunst an der Diözese Rottenburg-Stuttgart, organisiert.

Impressionen

Aktuelles

zum Thema

Christian Turrey

War der 11. September vorhergesagt?

Ein New Yorker Künstler gestaltet in den 90er Jahren einstürzende Brücken und fallende Twin Towers aus Stein. Eine Prophezeiung für den Anschlag 2001?

Wikimedia CC0/ Armin Appel

Kloster Obermarchtal erhält Förderung für historische Dachstuhlsanierung

Obermarchtal

Das Land Baden-Württemberg unterstützt die denkmalgerechte Sanierung des historischen Dachstuhls im Kloster Obermarchtal.

Aktuelles

aus der Region

Markus Waggershauser

Friedensglocken verbinden Deutsche und Tschechen

Aichtal

Gegenbesuch von Pilgern aus Grötzingen und Lustnau in Pìst‘ stärkt die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Gemeinden der beiden Länder.

TVB-Maltatal

Micky Maus eine Kirchenmaus?

Stuttgart

Mit großen runden Ohren und einer spitzen Mäuseschnauze ist sie an der Außenfassade einer Kirche im österreichischen Maltatal in Kärnten gemalt.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Bild: picture alliance SZ Photo Alessandra Schellnegger

Christliche Kirchen gratulieren zum jüdischen Neujahrsfest

Rottenburg am Neckar

Bischöfe und Bischöfin aus Baden-Württemberg übermitteln ihre gemeinsamen Glück- und Segenswünsche und äußern ihre Hoffnung auf Frieden und Freiheit.

Matthias Zahner

Beeindruckende Wegmarken des Glaubens

Rottenburg am Neckar

Der emeritierte Bischof Dr. Fürst und Weihbischof Dr. Schneider segnen den nun vollständig restaurierten Prozessionsweg im Weggental in Rottenburg.

Gregor Moser

Bürgermeister bei Pilgertag in Oberschwaben

Weingarten

Rund 40 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister nutzen Angebot der Diözese für Auszeit mit geistlichen Impulsen, Gesprächen und Zeit zur Besinnung.

Angelika Sönnichsen

Frieden wächst, wo Menschen einander begegnen

Rottenburg

Bischof Dr. Klaus Krämer besucht Friedens-, Bildungs- und Klimaprojekte in Burundi. In Nyanza Lac eröffnet ein Zentrum für Frieden und Versöhnung.

Markus Leser

Bischof erhebt die Klosterkirche in Rot an der Rot zum Münster

Rot an der Rot

Beim Patrozinium am Fest der Heiligen Verena gibt Pater Johannes-Baptist Schmid, Pfarrer der Seelsorgeeinheit Rot-Iller, die Ehrung offiziell bekannt.