Zum Inhalt springen

Diözesanrat tagt zum Prozess "Kirche der Zukunft"

Der Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart berät sich in Kloster Schöntal zu den nächsten Schritten im Prozess "Kirche der Zukunft".

 

Schöntal (Jagst)

Die Mitglieder des 12. Diözesanrats während den Marktplatzgesprächen bei der Diözesanratssitzung im Kloster Schöntal Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Ines Szuck

Wie kann die Kirche auch künftig nah bei den Menschen bleiben und sich zugleich auf veränderte gesellschaftliche, pastorale und finanzielle Rahmenbedingungen ausrichten? Mit diesen Fragen hat sich der Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgartbei seiner Sitzung am 19. und 20. Juni im Kloster Schöntal intensiv beschäftigt. 

Im Mittelpunkt standen die nächsten Schritte im Prozess „Kirche der Zukunft“, der die zukünftige Gestaltung von Seelsorge und Verwaltung in der Diözese in den Blick nimmt. 
Die Sitzung war geprägt von Information, Austausch und gemeinsamer Beratung. Neben den Beratungen im Plenum boten Marktplatzgespräche den Diözesanrätinnen und -räten die Möglichkeit, mit den Verantwortlichen der verschiedenen Projekte und Programme ins Gespräch zu kommen. An den Informationsständen zu den Themenfeldern „Seelsorge in neuen Strukturen“, „Verwaltung in neuen Strukturen“, Digitalisierung, Zentrales Prozessmanagement sowie weiteren Zukunftsprojekten konnten aktuelle Entwicklungen vorgestellt, Fragen intensiv diskutiert und Rückmeldungen aus den Dekanaten und Kirchengemeinden aufgenommen werden. 

Neue Kirchengemeinden: Beratungsprozess geht in die nächste Phase 

Ein Schwerpunkt der Beratungen war der aktuelle Stand des Prozesses zur Bildung neuer 
Kirchengemeinden. Ziel ist es, angesichts rückläufiger Katholikenzahlen, veränderter pastoraler Rahmenbedingungen und sinkender personeller Ressourcen tragfähige Strukturen für die Zukunft zu schaffen. 

Nach intensiven Beratungen in den Dekanaten und einer fachlichen Prüfung der eingereichten Vorschläge könnten zwölf Konzepte direkt in das weitere Beratungsverfahren eingebracht werden. Für 13 weitere Vorschläge wurden Prüfaufträge formuliert, diese beziehen sich auf die Größe (Katholikenzahl) der künftigen Kirchengemeinden, die Berücksichtigung kommunaler Grenzen und Caritas-Regionen, sowie eine sinnvolle Verortung der Gemeinden für Katholiken anderer Muttersprache. 
Betont wurde von Theresa Kucher und Barbara Strifler, Projektleitung des Projekts Umschreibung neue Kirchengemeinden im Programm SinS (Seelsorge in neuen Strukturen), dass mit den Prüfungsaufträgen den zu treffenden Voten der Kirchengemeinden nicht vorgegriffen, sondern eine Orientierung gegeben werden soll. Auch die für die Umschreibung vorgegebenen Kriterien bleiben weiterhin bestehen. 

Bis zum 20. September sind die Kirchengemeinden aufgerufen, ihre Voten abzugeben. Anschließend werden die Ergebnisse ausgewertet und in den zuständigen diözesanen Gremien weiter beraten. 

Kita-Trägerstrukturen: Zukunftsfähige Betriebsträgermodelle für katholische Kindertageseinrichtungen 

Intensiv beschäftigte sich der Diözesanrat auch mit der Weiterentwicklung der Trägerstrukturen katholischer Kindertageseinrichtungen. Ziel ist es die Kitas als Segensorte in einer Kirche der Zukunft und in der Gesellschaft zu stärken. Hintergrund sind steigende Anforderungen an Verwaltung und Personalmanagement, der Fachkräftemangel sowie die Notwendigkeit, die Einrichtungen langfristig zukunftsfähig aufzustellen. 

Die Bedeutung des Themas ist groß: in der Diözese gibt es rund 850 katholische Kindertageseinrichtungen mit etwa 2600 Kita-Gruppen. Dort werden rund 48000 Kinder betreut. Die Trägerschaft liegt derzeit bei Einzel- und Gesamtkirchengemeinden, Zweckverbänden sowie dem Stadtdekanat Stuttgart. 

Katholische Kitas sind dabei nicht nur Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, sondern wichtige pastorale Orte, an denen Kinder und Familien Gemeinschaft, Wertevermittlung und Kirche erleben. Diese zu stärken und weiterzuentwickeln, sei der Diözese ein wichtiges Anliegen, betonte Markus Vogt, Referent für Kindertageseinrichtungen, Familienzentren und Frühkindliche Bildung im Bischöflichen Ordinariat. 

Um die Einrichtungen langfristig zu stärken, werden im Rahmen des Projekts verschiedene Träger-Modelle geprüft – von der Beibehaltung der Trägerschaft in den dann neuen Kirchengemeinden über Zusammenschlüsse auf regionaler Ebene bis hin zu neuen, zentraleren Organisationsformen. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für weitere Entscheidungen zur künftigen Ausgestaltung der Kita-Trägerstrukturen dienen. 

„Mit dem Projekt entwickeln wir Trägerstrukturen, die unsere katholischen Kindertageseinrichtungen nachhaltig stärken. Ziel ist es, die Kirchengemeinden zu entlasten, Verantwortung sinnvoll zu bündeln und die hohe pädagogische Qualität langfristig zu sichern. Gleichzeitig wollen wir die christlichen Werte, die unsere Kitas auszeichnen, bewahren und weitergeben – als Grundlage für Bildung, Gemeinschaft und Orientierung zur zukünftigen Ausgestaltung der Kita-Trägerstrukturen“, erklärt Antonius Bero, Leiter Abteilung Kirchengemeinden im Bischöflichen Ordinariat. 

Neue Ausschüsse für gesellschaftliche und kirchliche Zukunftsfragen 

Mit Blick auf die inhaltliche Arbeit des neu gewählten Diözesanrats beschloss das Gremium zudem die Einrichtung von vier weiteren Ausschüssen. Künftig werden sich diese mit den Themen gesellschaftlicher Zusammenhalt, nachhaltige Entwicklung, Menschenrechte, Solidarität und Frieden sowie Gleichberechtigung und Vielfalt befassen. 
Mit der Neuordnung sollen zentrale Zukunftsfragen stärker gebündelt und strategisch bearbeitet werden. Gleichzeitig soll die Ausschussarbeit überschaubar und effizient gestaltet werden, um die ehrenamtlichen Mitglieder des Diözesanrats wirksam in die inhaltliche Arbeit einzubinden. 

Finanzielle Entwicklung 

Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die finanzielle Entwicklung der Diözese. Der Diözesanrat wurde über die aktuelle Entwicklung des Kirchensteueraufkommens im ersten Quartal 2026 informiert. Es zeigte sich, die Entwicklung des Kirchensteueraufkommens bleibt herausfordernd. 

Wechsel in der Geschäftsführung 

Zum Abschluss der Sitzung verabschiedete der Diözesanrat die bisherige Geschäftsführerin des Diözesan- und Priesterrats, Gabriele Denner, und dankte ihr für ihre Arbeit und ihr Engagement. 
Im Anschluss bestellte das Gremium Florian Strobel aus dem Dekanat Allgäu-Oberschwaben zu seinem neuen Geschäftsführer. 

„Die Herausforderungen, vor denen wir als Kirche stehen, lassen sich nicht mit einzelnen 
Maßnahmen beantworten. Der Prozess„Kirche der Zukunft“ lebt deshalb vom Austausch 
unterschiedlicher Perspektiven und von der Bereitschaft, Verantwortung gemeinsam zu tragen. Unser Ziel ist es, Strukturen zu schaffen, die auch künftig eine lebendige Seelsorge, eine verlässliche Verwaltung und die Nähe zu den Menschen vor Ort ermöglichen“, betont Bischof Dr. Klaus Krämer. 

Mehr zur Autorin

Aktuelles

zum Thema

Jochen Wiedemann

Das neu gewählte Präsidium

Stuttgart

Willy Braun, Marita Walz & Ulrich Kloos sprechen über den Prozess „Kirche der Zukunft“, Herausforderungen, Verantwortung und das, was sie dabei trägt.

12. Diözesanrat hat sich konstituiert

Untermarchtal

Willy Braun aus Balingen wird von der Versammlung zum neuen Sprecher gewählt und Marita Walz aus Freudenstadt zur neuen Beisitzerin im Präsidium.

Aktuelles

aus der Region

Arkadius Guzy

Zeitreise mit Ziege

Cleebronn

Ein Hörspiel erzählt Kindern und Jugendlichen die jahrhundertealte Geschichte des Michaelsbergs und seiner Kirche.

Arkadius Guzy

Nachdenken über Gemeinschaft

Heilbronn

Eine Mitmach-Ausstellung im Heinrich-Fries-Haus stellt Kindern und Erwachsenen Fragen zu ihrem Erleben von Miteinander.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Michael Habres

Skapulierbruderschaft und Kirchenrenovierung

Tannheim

Wie das „Tannheimer Fest“ mit langer Tradition seinen heutigen Ablauf bekam und was es mit der Martinskirche und der Prozession zu tun hat.

Redaktion Kirche im Privatfunk

Seit 100 Jahren für die Gemeinde da

Stuttgart

In der neuen Ausgabe von Alpha & Omega geht es um das Jubiläum der Gemeindereferent:innen. Seit 100 Jahren sind sie für die Menschen vor Ort da.

Götz Kanzleiter

Kirche im Quartier

Mannheim, Universitätsstadt

Die dritte Quartiersafari der Diözese Rottenburg-Stuttgart führte 52 Teilnehmende nach Mannheim. Dabei ging es auch um die Kirche der Zukunft.

Über 250 Besucher sind zu Gast bei „Menschen von hier“

Balingen

Veranstaltungsreihe ermöglicht das Gespräch und den Austausch zu Ängsten, Hoffnungen, Werten und darüber, wo der Glaube Halt im eigenen Leben gibt.

Im Miteinander als Kirche Zukunft gestalten

Schwäbisch Gmünd

Wie bleiben wir lebendige Kirche? Engagierte aus den Dekanaten Göppingen-Geislingen, Heidenheim, Ostalb und Schwäbisch Hall sprachen mit dem Bischof.