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Diözese stellt „Villa Hügel“ für Geflüchtete aus Ukraine mietfrei zur Verfügung

Landrat spricht von einem „Leuchtturmprojekt". Generalvikar sagt: "Diözese hilft, wo immer es ihr möglich ist."

Tübingen
Die Villa "Hügel" in Tübingen. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Gregor Moser

In dem ehemaligen Klostergebäude, der „Villa Hügel" in Tübingen, haben Geflüchtete aus der Ukraine tatkräftig mit angepackt, das Gebäude zu sanieren. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Gregor Moser

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat dem Landkreis Tübingen im vergangenen Jahr das ehemalige Klostergebäude „Villa Hügel“ in Tübingen mietfrei als Unterkunft für geflüchtete Menschen aus der Ukraine zur Verfügung gestellt – unter der Voraussetzung, dass der Landkreis notwendige Reparatur- und Sanierungsarbeiten selbst vornimmt. Im Rahmen eines Projektes unter Federführung des Landkreises Tübingen haben die ukrainischen Geflüchteten, die mittlerweile in dem Gebäude leben, selbst Hand angelegt und sämtliche Arbeiten in Eigenregie durchgeführt. Die Arbeiten wurden koordiniert von Jens Schaumann und seiner Frau Magdalena Szabert aus Tübingen, die bereits Erfahrung mit ähnlichen Projekten haben.

Budget um die Hälfte unterschritten

Das Projekt war im April 2022 gestartet, nachdem klar war, dass die Diözese Rottenburg-Stuttgart dem Landkreis – als für die vorläufige Unterbringung von Geflüchteten zuständige Behörde – das Gebäude ab dem 1. August 2022 für insgesamt fünf Jahre zur Verfügung stellen kann. Zu dieser Zeit hatte der Landkreis die Kreissporthalle in Tübingen-Derendingen noch als Ankunftszentrum für geflüchtete Menschen aus der Ukraine betrieben und sie von dort aus auf Wohnungen verteilt, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamts. Für eine Nutzung der Villa Hügel als Unterkunft hatte der Landkreis Tübingen zunächst den Umfang der notwendigen Renovierungsarbeiten erhoben. Unter anderem mussten einzelne Wasser- und Abwasserleitungen ausgewechselt, die Warmwasserversorgung wiederhergestellt, eine Gemeinschaftsküche geschaffen und Bad- und Sanitärräume saniert werden. Die Kostenschätzung für alle notwendigen Maßnahmen belief sich auf rund 175.000 Euro.

Nachdem auch Handwerker zu dieser Zeit schwer zu bekommen waren, haben Landkreis, Geflüchtete und Projekt-Koordinatoren gemeinsam beschlossen, die Maßnahmen kollaborativ mit ukrainischen Geflüchteten durchzuführen, die im Ankunftszentrum in der Kreissporthalle aufgenommen worden waren und in die Villa Hügel einziehen wollten. In der Zeit von Juni bis August 2022 waren bis zu 15 Geflüchtete aus der Ukraine in der Villa Hügel im Einsatz; unter ihnen auch einige Handwerker. Unterstützung kam darüber hinaus von zahlreichen freiwilligen Helfern. Am 22. August 2022 konnten insgesamt 23 ukrainische Geflüchtete in „ihr“ selbst saniertes Gebäude einziehen. Aktuell leben 26 Personen aus der Ukraine in der Villa Hügel, darunter sieben Kinder. Die Renovierungsarbeiten sind mittlerweile fast vollständig abgeschlossen. Dank der außergewöhnlichen gemeinschaftlichen Anstrengung aller Beteiligten konnte so ein Lebensraum geschaffen werden. Zudem konnte so, nach aktueller Hochrechnung, das ursprünglich geschätzte Budget um die Hälfte unterschritten werden.

Stadt Tübingen übernimmt Anschlussunterbringung

Nachdem die vorläufige Unterbringung für Geflüchtete aus der Ukraine nach sechs Monaten endet, wird die Stadt Tübingen das Gebäude zum 1. März 2023 für die Anschlussunterbringung übernehmen. Damit können die Geflüchteten in ihrem Gebäude bleiben; die Stadt übernimmt die Restlaufzeit des Vertrags mit der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Für Landrat Joachim Walter ist dieses Projekt „ein absolutes Leuchtturmprojekt mit Vorbildcharakter.“ Den Geflüchteten habe man die Möglichkeit einer Beschäftigung geben können, was sie dankbar angenommen hätten, so Walter. „Nicht zuletzt konnten sie dadurch auch Ablenkung im Zusammenhang mit ihren schlimmen Erfahrungen und Erlebnissen rund um das Kriegsgeschehen in ihrer Heimat erfahren.“ Und natürlich habe der Landkreis dadurch Arbeit und Kosten sparen können. „Somit profitieren alle Beteiligten von diesem Projekt“, betont der Landrat.

„Eine kleine Welt des Friedens“

Generalvikar Dr. Clemens Stroppel zeigt sich ebenfalls sehr erfreut über das gelungene Projekt, das „eine kleine Welt des Friedens“ ermögliche, nicht zuletzt für die Kinder. „Die mietfreie Überlassung der Villa Hügel durch die Diözese Rottenburg-Stuttgart ermöglicht es, dass das Haus, in dem zuvor schon aus dem Irak geflüchtete Jesidinnen ein Obdach fanden, in den kommenden Jahren wieder karitativ genutzt wird. Der Krieg in der Ukraine ist eine humanitäre Katastrophe schrecklichen Ausmaßes und die Diözese Rottenburg-Stuttgart hilft den Zuflucht suchenden Menschen, wo immer es ihr möglich ist.“

"Glücklich, dass wir uns hier einbringen konnten"

Daria Sova, eine der Bewohnerinnen der Villa Hügel, ist, wie sie sagt, „glücklich, dass wir uns hier einbringen konnten. Wir haben das gerne gemacht, weil wir dem Land, in das wir vor dem schrecklichen Krieg in unserer Heimat geflüchtet sind, etwas zurückgeben möchten. Die Hilfe, die wir hier erhalten, ist für uns nicht selbstverständlich.“ Es sei ihr ein wichtiges Anliegen, dem Landkreis Tübingen und allen, die sie hier so gut begleiten und sie unterstützen, öffentlich zu danken, so Daria Sova.

 

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