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Ein durchbeteter Ort mit Strahlkraft

Ein Kloster als Ursprung und Herz des Ortes: Freudig und dankbar feiert Obermarchtal sein 1250-Jahr-Jubiläum mit Festwochenende und Pontifikalamt.

Obermarchtal
Ministranten halten ein Schild mit dem Jubiläums-Logo von Obermarchtal.

1250 Jahre Obermarchtal: Die barocke Klosteranlage war über Jahrhunderte geistlicher Mittelpunkt, aus dem heraus der Ort gewachsen ist. Foto: DRS/Jerabek

Als einen von Tradition und Innovation geprägten Ort würdigte Bischof Dr. Klaus Krämer die Gemeinde Obermarchtal, die als alamannisches Marchtala 776 mit einem dem heiligen Petrus geweihten Kloster erstmals urkundlich erwähnt ist. Damit gehöre dieser Ort „zu den ältesten Zeugen christlichen Lebens in unserem südwestdeutschen Raum“, sagte Krämer in seiner Predigt beim Festgottesdienst im Münster. Über viele Jahrhunderte prägten erst die Benediktiner und dann von 1171 bis zur Säkularisation 1802 die Prämonstratenser-Chorherren das klösterliche Leben des Ortes. Die in seiner heutigen Form zwischen 1686 und 1770 errichtete Anlage gilt als Maß gebend für viele oberschwäbischen Barockklöster.

Auch Kultur und Bildung hätten in Obermarchtal Tradition, erinnerte der Bischof: „Sebastian Sailer dichtete hier die ‚Schwäbische Schöpfung‘. Sixtus Bachmann komponierte hier geistliche Chor- und Instrumentalmusik von Rang. Die Klosterschule von Obermarchtal war in der süddeutschen Bildungslandschaft ihrer Zeit weit voraus. Und diese Tradition lebt fort.“ Die 1972 von der Diözese erworbene Klosteranlage beherbergt heute unter anderem eine Schule und die diözesane Lehrerfortbildungsakademie. Mit dem „Marchtaler Plan“ stehe der Name dieses Ortes „für ein innovatives und ganzheitliches Bildungskonzept unserer katholischen Schulen – auch damit wurden Maßstäbe gesetzt in der Bildungslandschaft unseres Landes“, sagte Krämer. Auch das Kunstdepot der Diözese ist hier beheimatet. Dass die Gemeinde heuer auch das 25-Jahr-Jubiläum der Erhebung der Klosterkirche zum Münster feiern könne, unterstreiche die große Bedeutung und die große Strahlkraft des Ortes. „Dieses Erbe gilt es zu pflegen und in zeitgemäßer Form weiterzuführen.“

Eine Geschichte mit Höhen und Tiefen

Gleichwohl seien die 1250 Jahre, die Obermarchtal feiert, bei näherem Hinsehen „eine Geschichte mit Höhen und Tiefen“, in der es Zeiten der Blüte wie auch des Niedergangs und des Neuanfangs gegeben habe. Damit sei die Geschichte Obermarchtals „in gewisser Weise ein Spiegelbild der Geschichte unserer Kirche insgesamt“, die gegenwärtig eine Zeit des Umbruchs erlebe. Viele Menschen blickten ob der vielen Veränderungen in der Welt mit Sorge in eine ungewisse Zukunft, sagte Bischof Krämer.

In dieser Situation wolle das Wort Jesu an Simon Petrus, das als Evangelium zum Hochfest der Apostel Petrus und Paulus verlesen wurde, Mut machen: Die Zusage Jesu „Du bist Petrus, der Fels – und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ gelte dem Apostel Petrus und mit ihm der ganzen Kirche; „sie gilt auch uns, wenn wir uns das Bekenntnis der Petrus zu Jesus Christus als dem Sohn des lebendigen Gottes zu eigen machen!“ Diese Zusage gelte auch und gerade angesichts von Unsicherheit und Zweifel, von denen jeder Mensch herausgefordert werde. An Petrus Maß zu nehmen, bedeute, mit Jesus Christus in Verbindung zu bleiben und „unseren Weg mit ihm zu gehen“. Dass Obermarchtal auch in Zukunft ein Ort sein möge, von dem Zuversicht und Hoffnung ausgeht, „weil Menschen ihren Glauben als Gemeinde Jesu Christi leben“ und weil hier Bildung, Kunst und Kultur anziehend wirken und Menschen auf neue Weise mit der Grundbotschaft des Glaubens in Berührung kommen können, das wünschte der Bischof der Festgemeinde.

Unsichtbare, aber spürbare Spuren

Den hohen Stellenwert und die Strahlkraft der Kirchenmusik in Obermarchtal unterstrich einmal mehr der Münsterchor, der das Pontifikalamt feierlich umrahmte; das Petrus-und-Paulus-Lied aus der Feder von Chorleiter Gregor Simon schlug eindrucksvoll die musikalische Brücke zum Patrozinium. Den Einzug des liturgischen Dienstes und der Fahnenabordnungen der Vereine begleiteten fulminant der Fanfarenzug und die Musikkapelle Obermarchtal. Letztere richtet das traditionelle Peter-und-Paul-Fest aus, das im Jubiläumsjahr in besonderer Weise als Wochenende voller Musik, Begegnungen und lebendiger Geschichte gestaltet war.

Als „Ausdruck unserer lebendigen Gemeinschaft, unserer kulturellen Stärke und unserer Verbundenheit über Generationen hinweg“ beschrieb Bürgermeister Martin Krämer das Jubiläum. Auch Pfarrer Gianfranco Loi betonte die Gemeinschaft der Menschen, die einen Ort „mit Leben, mit Zusammenhalt und mit Herz erfüllen“. Und mit Blick auf die Klosteranlage, aus der heraus der Ort gewachsen ist, sagte Loi beim Festakt am Freitagabend: „Das ist nicht einfach nur ein historischer Ort. Das ist ein durchbeteter Ort. Hier wurde über Jahrhunderte gebetet: Tag für Tag, Stunde um Stunde. Hier haben Menschen Gott gesucht. Hier haben Ordensgemeinschaften Psalmen gesungen, Eucharistie gefeiert und Fürbitte gehalten für die Menschen ihrer Zeit.“ Als Pfarrer sei er überzeugt, dass die Gebete Spuren hinterlassen haben. „Ich würde es unsichtbare, aber spürbare Spuren nennen“, sagte Loi in seinem Grußwort. Und vielleicht sei das „der schönste Auftrag für die Zukunft Obermarchtals: Dass dieser Ort auch weiterhin nicht nur kulturell bedeutsam bleibt, sondern menschlich und geistlich ein Ort des Gebetes und der Hoffnung ist und bleibt“.

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