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Ein Erbe, das verpflichtet

Zwischen Bosnien und Oberschwaben gibt es erstaunliche Verbindungen – „ein Erbe, das verpflichtet", sagt der Bischof von Banja Luka, Franjo Komarica.

Unterstadion

Als einen Führer durch die Geschichte eines einzigartigen europäischen Werkes hat Rudolf Baier sein Buch „Die Trappistenabtei Mariastern in Banja Luka" konzipiert. Zur Buchvorstellung in Unterstadion kamen (von links) Bürgermeister Uwe Handgrätinger, Autor und Fotograf Rudolf Baier, Bischof Dr. Franjo Komarica aus Banja Luka, Pfarrer i.R. Franz-Xaver Schmid und Andreas Raab, Landesvorsitzender der Paneuropa Union Baden-Württemberg. Foto: Paneuropa Union

Einst war die Trappistenabtei Mariastern in Banja Luka das bedeutendste Kloster von Bosnien-Herzegowina und in ganz Europa bekannt für seine Qualitätsprodukte. Wichtige Weichen für mehr als 50 Jahre blühendes Klosterleben stellten zwei Äbte aus Oberschwaben Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Jetzt entsteht auf dem Gelände der Abtei ein „Kloster der Zukunft“, das sich der Versöhnung, dem Frieden und der interreligiösen sowie interethnischen Zusammenarbeit in einem tief gespaltenen Land und einem immer noch unruhigen europäischen Gebiet verschrieben hat. Der Bischof von Banja Luka, Dr. Franjo Komarica, wirbt um Unterstützung für das ambitionierte Projekt – auch und gerade in der oberschwäbischen Region. Jüngst war er anlässlich einer Buchvorstellung auf Einladung der Paneuropa-Union Baden-Württemberg und des „Freundeskreises Kloster Mariastern – Europazentrum“ in Unterstadion zu Gast.

Ein „Klein-Europa“ in Banja Luka

Auf knapp 100 Seiten erzählt der Autor und Fotograf Rudolf Baier anschaulich und eindrucksvoll die rund 150-jährige Geschichte von Mariastern. Sein reich bebildertes Buch „Die Trappistenabtei Mariastern in Banja Luka“ zeigt, wie die Trappisten, die aus 16 verschiedenen Ländern Europas kamen, in Banja Luka ein „Klein-Europa“ schufen und mit ihren zahlreichen Einrichtungen und Betrieben wie Sägewerk, Brauerei, Käseproduktion, Kinderheim, Wasserkraftwerk, Schulwerkstätten und vielem mehr für die Menschen in der Region zum Segen wurden. Den beiden Äbten aus Oberschwaben, Dominikus Aßfalg aus Grundsheim und Bonaventura Diamant aus Biberach, gilt ein besonderes Augenmerk. In ihrer Amtszeit erhielten viele junge Männer aus der Gegend zwischen Bussen, Donau und Iller in Mariastern ihre Schul- und Berufsausbildung oder lebten als Fratres und Patres im Kloster.

Vertrauen stiften, Versöhnung fördern

Das im Jahr 2020 auf Initiative Bischof Komaricas gegründete Europazentrum für Frieden und Zusammenarbeit Kloster Mariastern will diese paneuropäische Idee beleben. Nach dem Krieg in den 1990-er Jahren und nach über sieben Jahrzehnte andauernder antikatholischer Politik gehe es darum, eine „versöhnende und vermittelnde Rolle in unserem multiethnischen, multireligiösen und multikulturellen Land wahrzunehmen, Vertrauen zu stiften, Versöhnung zu fördern, die Ruinen wegzutragen und Neues, Konstruktives, Andauerndes aufzubauen – nicht nur in materieller Hinsicht, sondern hauptsächlich in geistlicher und geistiger Hinsicht“ sagte der Bischof.

Ein mitteleuropäisches Projekt

Komarica würdigte den Einsatz, den das Friedenszentrum bereits erfahren hat, etwa durch den Sekretär des Gründungskuratoriums, Andreas Raab, und durch die wertvolle Bücherschenkung des Pfarrers i.R. Dr. Franz Xaver Schmid aus Munderkingen, und bat um weitere Hilfe. Das Europazentrum verstehe er „nicht nur als ein Projekt der Diözese Banja Luka oder der katholischen Kirche in Bosnien und Herzegowina oder als ein kroatisches Projekt, sondern als mitteleuropäisches Projekt“. Komarica zeigte sich überzeugt, dass in der „besonderen europäischen Geschichte“ von Mariastern „auch Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit nicht nur in meinem Land, sondern auch in anderen Ländern Europas gefunden werden können“.

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