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Ein Handy als Schutzengel

"Woche der Goldhandys": Das Hilfswerk „missio“ sammelt ausgemusterte Mobiltelefone für einen guten Zweck. In Wasseralfingen und vielen weiteren Orten.

Rottenburg/Stuttgart

Eine Kiste voller „Goldhandys”: In einer Mitmach-Aktion von "missio" werden gespendete alte Handys recycelt und wertvolle Rohstoffe gewonnen. Der Erlös kommt Projekten der Aktion Schutzengel zugute. Foto: Robert Boecker/missio Aachen

Das Handy gehört mittlerweile zur Grundausstattung. Die Nutzungsdauer liegt durchschnittlich bei zwei Jahren. Dieser Umstand führt – Schätzungen zufolge – dazu, dass 80 Prozent der Deutschen mindestens ein altes, ungenutztes Handy besitzen. 200 Millionen Handys liegen ungenutzt in den Schubladen! „Wir möchten bitten, alte Handys an unseren Sammelstellen abzugeben“, sagen Barbara Bubenheimer und Hubert Baier aus der Kirchengemeinde Wasseralfingen, sowie Elisabeth Petasch vom Eine-Welt-Laden. Mit den Erlösen der Sammelaktion werden Familien und Kinder im Kongo unterstützt.

Man mag es sich kaum vorstellen, unter welchen Bedingungen vor allem Kinder im Ost-Kongo arbeiten müssen, um Coltan abzubauen. Coltan ist ein Erzgemisch aus Combulit und Tantalit. Es wird verwendet unter anderem in Laptops und Handys. „30 Prozent der Arbeiter dort sind Kinder und Jugendliche“, führt Hubert Baier aus. „Die Kinder arbeiten unter schwersten Umständen in schwüler Hitze und engem, hartem Gestein, das im Schlamm gewaschen wird“, erzählt Baier. Bei Unfällen in den Minen seien geschätzt mehr als zwei Millionen Kinder in den letzten zehn Jahren ums Leben gekommen. Es ist eine Art von moderner Sklaverei, die die Menschen zur Arbeit unter unwürdigsten Bedingungen zwingt. Der Kampf ums tägliche Überleben kostet einen hohen Preis.

Gold, Silber und Kupfer zurückgewinnen

Was kann mit den alten Handys, die hier gesammelt werden, für die Menschen im Ost-Kongo getan werden? Das katholische Hilfswerk „missio“ hat schon einige Male Sammelaktionen gestartet. Etwa 90 Prozent der Handys werden recycelt. Die Telefone werden geschreddert und anschließend die einzelnen Materialkomponenten, zum Beispiel Kunststoff von Metall, getrennt. Der Kunststoff wird ebenfalls recycelt, die metallhaltigen Fraktionen werden eingeschmolzen, sodass Rohstoffe wie Gold, Silber und Kupfer zurückgewonnen werden können. Der gesamte Prozess findet in Europa statt. Die restlichen zehn Prozent der Handys können wiederverwendet werden. Eventuell vorhandene Restdaten werden dabei mittels herstellereigener Verfahren zuverlässig gelöscht. Das Hilfswerk missio erhält von seinem Partner „Mobile-Box“ für jedes wieder aufbereitete Handy zwei Euro und für jedes recycelte Handy 40 Cent für Projekte in der Demokratischen Republik Kongo.

Bundesweit mehr als 680 Sammelstellen gemeldet

Vom 19. bis zum 27. Juni veranstaltet „missio“ die Woche der Goldhandys. Mehr als 680 Sammelstellen sind bundesweit gemeldet, mehrere Dutzend sind es in der Diözese Rottenburg-Stuttgart – von Gundelsheim bis Spaichingen, von Leonberg bis Wangen. Mit dabei ist zum Beispiel der Ausschuss Ortskirche-Weltkirche der Seelsorgeeinheit Wasseralfingen-Hofen. Initiatorin Barbara Bubenheimer hat dafür gesorgt, dass an verschiedenen Stellen in Aalen Sammelboxen stehen – außer im Eine-Welt-Laden und dem Haus der Katholischen Kirche auch bei Buchhandlung Henne oder „Nahkauf Schieble“ in Wasseralfingen. Auch im Briefkasten der Pfarrämter in Wasseralfingen und Hofen sind alte Handys willkommen. Außerdem sind die Mitglieder des Ausschusses Ortskirche-Weltkirche an den beiden Samstagen, 19. Juni und 26. Juni mit den Sammelboxen auf dem Wasseralfinger Wochenmarkt anzutreffen.

In Schwäbisch Hall wird im Pfarramt St. Johannes und in St. Markus gesammelt. Das Dekanat Heilbronn-Neckarsulm ist mit einer Sammelbox im Heinrich-Fries-Haus Heilbronn dabei. Mehrere Sammelstellen sind zum Beispiel aus Leonberg, Böblingen und Reutlingen gemeldet. Im Dekanat Ehingen-Ulm hat Schulseelsorgerin Sr. Marlies Göhr verschiedene Projekte zur Förderung der Nachhaltigkeit in Vorbereitung: "Wir möchten auch die Schülerinnen und Schüler dafür sensibilisieren, wieviele Rohstoffe in Handys stecken und unter welch schwierigen Bedingungen sie gewonnen werden." Das Thema bleibe über die "Woche der Goldhandys" hinaus aktuell, betont Schwester Marlies.

INFO

Die bei "missio" gemeldeten Handy-Sammelstellen sind auf einer Karte verzeichnet.

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