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Ein Stein für Maria Magdalena, die Apostelin der Apostel

Mit dem Apostelinstein „Maria von Magdala“ wird in St. Maria in Ditzingen ein echter Meilen-Stein für die Gleichberechtigung gelegt.

Ditzingen
Janine Rüdt (Pastoralreferentin), Elisabeth Niggemeyer und Nicola Steller (Vertreterinnen von Maria 2.0), Pfarrer und Dekan Alexander König präsentieren den Apostolinenstein in St. Maria in Ditzingen. Andreas Schramm

In St. Maria in Ditzingen wird der neue Apostelinstein für Maria von Magdala präsentiert. Von links: Pastoralreferentin Janine Rüdt, Elisabeth Niggemeyer und Nicola Steller, Vertreterinnen von Maria 2.0 und Dekan und Pfarrer Alexander König. Foto: Andreas Schramm

Als Jesus Christus von den Toten auferstand, war die erste Person, die ihn sah und mit ihm sprach, Maria Magdalena. Obwohl sie offiziell nicht zu den zwölf Jüngern gehörte, war sie es, eine Frau aus dem engsten Kreis des Herrn, der Jesus den Auftrag erteilte, den Männern von seiner Auferstehung zu berichten. Lange Zeit wurde die Rolle dieser bedeutsamen Frau marginalisiert. Erst 2016 wertete Papst Franziskus die „Apostelin der Apostel“, wie er sie respektvoll nannte, auf, indem er ihren Gedenktag zu einem Fest hochstufte.

Während eines Familiengottesdienstes in der Kirche St. Maria in Ditzingen wurde nun am Sonntag, 26. Juli, der Apostelinstein zu Ehren von Maria Magdalena geweiht – als dreizehnter Gedenkstein neben den Apostelsteinen der Zwölf Apostel und nur wenige Tage nach ihrem Gedenktag am 22. Juli. Ab sofort wird dieser Meilen-Stein des Ditzinger Steinmetz Tim Hahn aus der Steinwerkstatt Stefan Machmer neben den rings an den Wänden vorhandenen zwölf Apostelsteinen zu finden sein – direkt an der Stirnwand der Kirche, hinter dem Ambo und dem Taufstein. Ein Gespräch mit dem leitenden Pfarrer Alexander König, Pastoralreferentin Janine Rüdt und Maria 2.0 Vertreterin Elisabeth Niggemeyer:

Herr König, als Zeugin des Lebens und der Auferstehung Jesu ist Maria von Magdalena ebenso bedeutend und verehrungswürdig wie die männlichen Jünger. Welche Bedeutung hat diese bemerkenswerte Frau heute – auch für Sie?

Maria von Magdala hat ihren prominenten Platz im Evangelium am Ostersonntag. Sie ist die erste Augenzeugin und erhält einen Auftrag: „Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte“ (Joh 20, 17f). Ich denke, in vielen Osterpredigten wird bis heute hervorgehoben, dass Christus als erstes den Frauen begegnet.

Ebenso hat Maria von Magdala ihren Gedenktag am 22. Juli, sie wird, wie alle anderen Heiligen, an diesem Tag im Stundengebet und in den anderen Gottesdiensten namentlich geehrt. Seit ihrer Ernennung zur Apostelin der Apostel durch Papst Franziskus 2016 ist dieser Tag ein Festtag, für die Eucharistiefeier gibt es eine eigene Präfation, die hervorhebt, dass sie beim Kreuz dabei war, am Grab weinte und den Auftrag zur Botin erhielt.

Ich finde es immer eine Herausforderung, die besondere und geistliche Beziehung von Maria von Magdala und Christus hervorzuheben, ohne den kitschigen Darstellungen zu folgen, die an eine engere Liebesbeziehung denken, und ohne in alte Klischees zu verfallen, die das Emotionale und Übersinnliche gern der Weiblichkeit zuordnen würden. Beides wird der Maria von Magdala nicht gerecht. Jesus hat sich ein Leben lang besonders denen zugewendet, die in der Gesellschaft benachteiligt und übersehen wurden. Das zeichnet die Botschaft Jesu aus bis hin zum Ostermorgen und damit bis heute.

Herr König, warum stand sie dann in der Kirche so viele Jahrhunderte nicht auf der gleichen Ebene wie die zwölf Apostel? 

Die römisch-katholische Kirche legt immer Wert darauf, festzuhalten, dass sie in der Tradition der Apostel stehe und das Erbe der Apostel fortsetze. Bisher war immer an männliche Apostel gedacht, weil die 12 Apostel als Vertreter der 12 Stämme Israels als Männer bekannt sind. Aber andere wurden ebenso von Christus berufen und als Bote und Botin entsandt.

Mit der Reduzierung auf die 12 Apostel wurde lange Zeit begründet, warum es keine Weiheämter für Frauen in der römisch-katholischen Kirche gibt. Die Vorrangstellung der Männer in den Leitungsämtern der Kirche ist aber theologisch nicht begründbar. Das Leben Jesu fordert über seine Auferstehung hinaus dazu auf, alle Menschen gleichermaßen in den Blick und in die Verantwortung zu nehmen. Seine Botschaft gilt allen Menschen und alle Menschen sind berufen, die Botschaft weiterzutragen.

Frau Niggemeyer, wie kam es dazu, dass sie gerade in Ihrer Kirche einen eigenen Gedenkstein bekommen hat?

Die Gruppe Maria 2.0 in Ditzingenhatte eine Zusammenstellung von Themen erarbeitet, die im Kontext des Kirchenrechts umsetzbar wären und dadurch unsere  Kirche etwas geschlechtergerechter erscheinen ließen. Diese Ausarbeitung wurde vom 11. Diözesanrat aufgegriffen und inspirierte den Flyer der Diözese Rottenburg-Stuttgart zur „Geschlechtersensiblen Pastoral“. Bei einer Beratung des Flyers im Kirchengemeinderat im Herbst 2025 fiel der Entschluss, die Apostelsteinreihe in St. Maria Ditzingen um den Apostelinstein „Maria von Magdala" zu ergänzen.

Frau Niggemeyer, wie hat der Kirchengemeinderat, wie hat die Gemeinde reagiert? Gab es Diskussionen?

Selbstverständlich gab es Diskussionen, insbesondere zum Flyer. Doch bei der Konzentration auf das Mögliche und Machbare entwickelte sich die Idee, Maria von Magdala zu ehren und somit ein Zeichen für die vielen zur Verkündigung berufenen Frauen zu setzen, namentlich sei genannt Marta, die als erste Christus bezeugt hat, Junia, die im Römerbrief Apostelin genannt wird oder auch die Diakonin Phoebe. Die Stimmen aus der Gemeinde sind durchweg positiv; bei der Einweihung am Sonntag sind die Menschen scharenweise nach vorn gegangen, um den Stein genauer anzusehen.

Frau Niggemeyer, warum ist dieses kleine Zeichen der Gleichberechtigung dennoch so wichtig?

„Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt“ - weitere dürfen folgen. Der Stein sorgt für das Gespräch miteinander und die Auseinandersetzung darüber, was wir uns als Gemeinde wünschen in Bezug auf weitere Schritte zur Gleichberechtigung. Die Ehrung der Maria von Magdala ist ein deutliches und mahnendes Zeichen dafür, dass die Charismen der Frauen, insbesondere ihre Berufung zum Priestertum beachtet und genutzt werden sollte. Mit Blick auf das Projekt „Kirche der Zukunft“ in unserer Diözese, das Umstrukturierung mit sich bringt, ist es zukunftsdienlich, dass die Gläubigen sich einbringen können und berufene Frauen im pastoralen Dienst ihren Platz haben.

Frau Rüdt, wie sind Sie in Ihrer Predigt auf diesen Zusammenhang eingegangen?

Der Stein für Maria von Magdala ist bewusst anders gestaltet, als die restlichen 12 Apostelsteine: Er trägt kein Kreuz, sondern den Namen „Maria von Magdala“ künstlerisch in Stein gehauen. Maria wurde von Jesus am Ostermorgen mit ihrem Namen gerufen, so hat sie ihn erkannt. So steht dieser Stein zwar nun für die Apostelin der Apostel aber eben irgendwie auch für alle Menschen, besonders Frauen, die in unserer Kirche nicht gehört werden und die sich gerufen fühlen, aus dem Glauben heraus zu handeln.

Diesen Bezug haben wir im Gottesdienst bewusst aufgegriffen und den Gottesdienstbesuchenden deutlich gemacht: Wir alle sind qua unserer Taufe Gesandte und Gerufene von Jesus. Wir alle haben einen Auftrag als Christ:innen und sind so auch irgendwie Apostel:innen.

Es gab eine kleine Austauschrunde in den Bänken bei denen lebhaft besprochen wurde, wann man selbst aus welchem Grund gerufen wird mit dem eigenen Namen und wie sich das je nach Situation anfühlt. Als alle dann ihren eigenen Namen gerufen haben wurde deutlich: Wir sind als Gemeinschaft unterwegs, gerufen von Gott. Während der Gabenbereitung durften dann alle die zu Beginn mit dem eigenen Namen beschriebenen Steine auf den „Apostel:in“-Schriftzug vor den Altar legen. Ein lebendiges Bild.  

Frau Rüdt, wie haben die Kinder im Familiengottesdienst auf die „Apostelin“ reagiert?

Wir haben die Kinder nicht direkt befragt aber durch die Gestaltung des Gottesdienstes waren sie mit hineingenommen, in die Besonderheit des Steins und der Bedeutung von Maria. Sie durften zu Beginn des Gottesdienstes selbst einen Stein aus Legosteinen bauen, der den Schriftzug „Maria von Magdala“ erhalten hat. Und sie durften Pfarrer König bei der Weihe des Steines helfen und diesen selbst mit Weihwasser segnen.

In der kommenden Erstkommunionkatechese werde ich in Zukunft auf jeden Fall auf die Besonderheit des Steins hinweisen und mit den Kindern ins Gespräch kommen.

Frau Rüdt, ist es denkbar, dass ab sofort weitere Kirchen Ihrem Beispiel in Ditzingen folgen?

Das wäre unser großer Wunsch, würde ich sagen. Es ist natürlich schön, dass wir als Maria 2.0 Gruppe in Ditzingen nun den ersten Apostelinstein für Maria von Magdala haben. Aber wir eben auch im Flyer „Geschlechtersensible Pastoral“ vorgeschlagen, ist dies eine Möglichkeit für alle Kirchen der Diözese und darüber hinaus. Ich finde es eher schade, dass es 10 Jahre gedauert hat, bis eine Gemeinde auf die Idee kam, diesen Stein den 12 bestehenden hinzuzufügen. Also hoffen wir, dass unser Entschluss weitere Kreise zieht und Maria von Magdala bald in allen Kirchen sichtbar ist.

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