Mit einem Marienlied in ukrainischer Sprache bat der Chor der Ukrainisch Griechisch-Katholischen Kirche Stuttgart um den Schutz und Schirm Mariens, bevor Kantorin Nataliya Bondar von den großen Sorgen ihrer geflüchteten Landsleute in Deutschland berichtete. Oft hätten sie Männer an der Front oder Familienmitglieder im Kriegsgebiet zurücklassen müssen; eine Rückkehr in die Ukraine sei für viele unabsehbar, weil Häuser und Wohnungen zerstört seien. Im Interview mit Stadtdekan Hermes berichtete Yehor Parsyak von der Ukrainisch Griechisch-Katholischen Kirche Stuttgart, dass die Gemeinde am Beginn des Krieges und ihrer Hilfsmaßnahmen und -transporte gedacht hätte: Wie schaffen wir das? Aber Schritt für Schritt sei ein großes Hilfsnetzwerk entstanden. Bislang wurden laut Stadtdekan Hermes mehr als 400.000 Euro gespendet. Und auch weiterhin sind Spenden notwendig, um Medikamente, schmerzstillende Mittel und Verbandmaterial zu besorgen oder so genannte „Zelte für die Hoffnung“ zu finanzieren. Hier spenden
Ihr größter Wunsch sei jener nach Frieden, sagte Julia Melnyk. Sie arbeitet als Kinderkrankenschwester im Marienhospital und ist Gründerin der Hilfsinitiative WOLJA. Ihre Eltern leben in der Ukraine und damit mitten im Krieg. Daher wisse sie, auch wenn Friede ihr größter Wunsch sei, bedeute ein Frieden ohne Freiheit nichts.
Der evangelische Landesbischof Gohl erinnerte an das Ringen der westlichen Regierungschefs, die in den Wochen vor dem 24. Februar 2022 einen Krieg zu verhindern suchten. „Aber heute wissen wir, die diplomatischen Bemühungen hatten keine Chance. Heute vor einem Jahr gab es ein bitteres Erwachen und seitdem ist die Welt eine andere.“ Ein lutherischer Bischof aus der Ukraine habe ihn mit Kriegsbeginn folgende Bitte zukommen lassen: „Betet und helft uns, uns zu verteidigen.“ Diese Bitte sei mit „Kopf, Herz und Händen“ in zahlreichen Kirchengemeinden erfolgt.
Pfarrer Wruszczak verlas im Anschluss eine Botschaft von Bischof Dr. Bohdan Dzyurakh. Dieser ist postolischer Exarch für die Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien und Bischof der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche. Bischof Dzyurakh berichtete vom Drama seines Volkes und von einem Aggressor, der sogar den Winter als Kriegswaffe eingesetzt und Menschen habe verhungern und erfrieren lassen. Gleichzeitig zeigte sich der Bischof in seiner Botschaft beeindruckt von der Welle der Solidarität mit dem ukrainischen Volk und bedankte sich dafür.
Kantorin Natalya Bondar wandte sich mit ergreifenden Worten zu Leid und Kampf ihres Volkes an die Gemeinde in der Domkirche und erhielt dafür Applaus, bevor der Chor die ukrainische Nationalhymne anstimmte.
Mit einem ebenfalls gesungenen Friedensgruß von Erzpriester Katsanos ging das ökumenische Friedensgebet zu Ende. Es wurde musikalisch von Domorganist Johannes Mayr, Jens Rudat und den Stuttgarter Friedensfanfaren sowie Nataliya Bondar und dem Chor der Ukrainisch Griechisch-Katholischen Kirche Stuttgart gestaltet.