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Eindringliches Gebet für Frieden

Zahlreiche Menschen strömten zum ökumenischen Friedensgottesdienst in die Konkathedrale St. Eberhard, um gemeinsam zu beten.

Stuttgart
Eindringliches Gebet für den Frieden

Anlässlich des ersten Jahrestags des Angriffs Russlands auf die Ukraine fand in der Domkirche St. Eberhard in Stuttgart ein ökumenisches Friedensgebet statt. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart

Begleitet vom Klang der Stuttgarter Friedensfanfaren zogen Bischof Dr. Gebhard Fürst, Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl, Erzpriester Dimitrios Katsanos, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Baden-Württemberg, der Stuttgarter Stadtdekan Dr. Christian Hermes sowie Pfarrer Roman Wruszczak von der Ukrainische Griechisch-Katholischen Kirche Stuttgart in die Domkirche ein. Dort hatten sich zahlreiche Stuttgarter:innen sowie Besucher:innen aus der Region versammelt, um gemeinsam für Frieden in der Ukraine zu beten und ihre Verbundenheit mit den leidtragenden Menschen im Kriegsgebiet oder auf der Flucht zu zeigen.

Patriarch von Moskau soll sich Friedensgebet anschließen

Bischof Fürst begrüßte insbesondere die Ukrainer:innen, die zum Friedensgebet in die Domkirche gekommen waren. „Ihnen sind wir an diesem schmerzhaften Tag besonders verbunden.“ Er prangerte den russischen Machthaber Putin an, der einen erbarmungslosen Krieg gegen die Ukraine begonnen habe und diesen grausam gegen die wehrlose Zivilbevölkerung richte. Einen besonderen Appell richtete er an den Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill I. Dieser solle sich den Friedensgebeten anschließen und sich an die Seite der ukrainischen Opfer stellt.

Der Bischof bat Gott um Beistand für die Menschen in der Ukraine und für die Geflüchteten, die in Deutschland Schutz suchten. „Durch seinen Geist und seine Gegenwart leite er alle, die derzeit Verantwortung tragen und in deren Händen es liegt, das Leid schnell zu beenden und weitere Opfer zu verhindern. Er leite die Aggressoren zur Umkehr und stärke all jene, die eine friedliche Lösung des Konflikts voranbringen. Bitten wir nun Gott in diesen schweren Stunden gemeinsam um seine Nähe und seinen Frieden!“

Mit einem Marienlied in ukrainischer Sprache bat der Chor der Ukrainisch Griechisch-Katholischen Kirche Stuttgart um den Schutz und Schirm Mariens, bevor Kantorin Nataliya Bondar von den großen Sorgen ihrer geflüchteten Landsleute in Deutschland berichtete. Oft hätten sie Männer an der Front oder Familienmitglieder im Kriegsgebiet zurücklassen müssen; eine Rückkehr in die Ukraine sei für viele unabsehbar, weil Häuser und Wohnungen zerstört seien. Im Interview mit Stadtdekan Hermes berichtete Yehor Parsyak von der Ukrainisch Griechisch-Katholischen Kirche Stuttgart, dass die Gemeinde am Beginn des Krieges und ihrer Hilfsmaßnahmen und -transporte gedacht hätte: Wie schaffen wir das? Aber Schritt für Schritt sei ein großes Hilfsnetzwerk entstanden. Bislang wurden laut Stadtdekan Hermes mehr als 400.000 Euro gespendet. Und auch weiterhin sind Spenden notwendig, um Medikamente, schmerzstillende Mittel und Verbandmaterial zu besorgen oder so genannte „Zelte für die Hoffnung“ zu finanzieren. Hier spenden

Ihr größter Wunsch sei jener nach Frieden, sagte Julia Melnyk. Sie arbeitet als Kinderkrankenschwester im Marienhospital und ist Gründerin der Hilfsinitiative WOLJA. Ihre Eltern leben in der Ukraine und damit mitten im Krieg. Daher wisse sie, auch wenn Friede ihr größter Wunsch sei, bedeute ein Frieden ohne Freiheit nichts.

Der evangelische Landesbischof Gohl erinnerte an das Ringen der westlichen Regierungschefs, die in den Wochen vor dem 24. Februar 2022 einen Krieg zu verhindern suchten. „Aber heute wissen wir, die diplomatischen Bemühungen hatten keine Chance. Heute vor einem Jahr gab es ein bitteres Erwachen und seitdem ist die Welt eine andere.“ Ein lutherischer Bischof aus der Ukraine habe ihn mit Kriegsbeginn folgende Bitte zukommen lassen: „Betet und helft uns, uns zu verteidigen.“ Diese Bitte sei mit „Kopf, Herz und Händen“ in zahlreichen Kirchengemeinden erfolgt.

Pfarrer Wruszczak verlas im Anschluss eine Botschaft von Bischof Dr. Bohdan Dzyurakh. Dieser ist postolischer Exarch für die Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien und Bischof der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche. Bischof Dzyurakh berichtete vom Drama seines Volkes und von einem Aggressor, der sogar den Winter als Kriegswaffe eingesetzt und Menschen habe verhungern und erfrieren lassen. Gleichzeitig zeigte sich der Bischof in seiner Botschaft beeindruckt von der Welle der Solidarität mit dem ukrainischen Volk und bedankte sich dafür.

Kantorin Natalya Bondar wandte sich mit ergreifenden Worten zu Leid und Kampf ihres Volkes an die Gemeinde in der Domkirche und erhielt dafür Applaus, bevor der Chor die ukrainische Nationalhymne anstimmte.

Mit einem ebenfalls gesungenen Friedensgruß von Erzpriester Katsanos ging das ökumenische Friedensgebet zu Ende. Es wurde musikalisch von Domorganist Johannes Mayr, Jens Rudat und den Stuttgarter Friedensfanfaren sowie Nataliya Bondar und dem Chor der Ukrainisch Griechisch-Katholischen Kirche Stuttgart gestaltet.

Bischöfe rufen zum Frieden auf

Anlässlich des ersten Jahrestags des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hatten Bischof Fürst und Landesbischof Gohl bereits vor dem Friedensgebet am Freitagabend den „Stuttgarter Aufruf zum Frieden“ verfasst. Mitunterschrieben wurde der Aufruf von Erzpriester Dimitrios Katsanos, dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg (ACK). Darin verurteilen sie den Bruch des Völkerrechts durch Russland und die schweren Menschenrechtsverletzungen an der ukrainischen Bevölkerung. Auch der explizite Appell an Kyrill, den Patriarchen von Moskau, sich mit der russisch-orthodoxen Kirche dem Friedensgebet anzuschließen und auf die Seite der ukrainischen Opfer des Kriegs zu stellen, war Teil des gemeinsamen Friedensaufrufs.

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