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Eine ganze Insel feiert

Mit dem Pontifikalamt, der Kräutersegnung, der Prozession und Bischof Klaus Krämer als Festprediger lebt die Tradition am Inselfeiertag auf.

Reichenau (Baden)
Links stehen die Trachtenfrauen mit Radhauben und halten die Kräuterbuschen in Körben in den Händen, rechts bensprengt der Bischof im blau-weißen Messgewand die Kräuter mit Weihwasser. Axel Morat

Traditionell werden die Kräuterbuschen von den Trachtenfrauen der Insel vor den Altar zur Segnung gebracht. Nach dem Gottesdienst können die sich die Gläubigen die gesegneten Buschen mit nach Hause nehmen. Foto: Axel Morat

Wenn am 15. August auf der Reichenau die Glocken läuten, wird aus einem kirchlichen Hochfest ein Fest für die ganze Insel. Mariä Himmelfahrt ist Inselfeiertag und Patrozinium des Reichenauer Münsters. Gottesdienst, Kräutersegnung, Musik und Prozession verbinden dabei mehr als 1200 Jahre Geschichte mit gelebter Tradition. 2026 feierte Bischof Dr. Klaus Krämer das Pontifikalamt und hielt die Festpredigt.

Mariä Himmelfahrt ein besonderer Feiertag

Die Bodenseeinsel Reichenau begeht den Marienfeiertag als einen ihrer drei besonderen Inselfeiertage. Neben dem 15. August gehören das Markusfest am 25. April und das Heilig-Blut-Fest am Montag nach dem Dreifaltigkeitssonntag – erster Sonntag nach Pfingsten - dazu. Fällt einer dieser Tage auf einen Werktag, ruht auf der Reichenau traditionell die Arbeit. Geschäfte und Behörden bleiben geschlossen, außerhalb der Schulferien haben auch die Kinder schulfrei. Damit sind die kirchlichen Feste bis heute eng mit dem Leben und der Identität der Insel verbunden.

Maria und die Reichenau: Eine Verbindung mit langer Geschichte

Die Verbindung der Reichenau zu Maria reicht mehr als 1200 Jahre zurück. Am 16. August 816 wurde die unter Abt Heito I. errichtete Kreuzbasilika der Gottesmutter Maria geweiht. Die erhaltenen Teile des Münsters erinnern an die große Bedeutung der Reichenau als geistliches und kulturelles Zentrum des frühen Mittelalters. Die mittelalterlichen Kirchen, die Kulturlandschaft und die bis heute lebendigen Traditionen haben dazu beigetragen, dass die Insel seit 2000 zum UNESCO-Welterbe gehört. Wie große Teile der heutigen Diözese Rottenburg-Stuttgart lag auch die Reichenau einst auf dem Gebiet des 1821 aufgelösten Bistums Konstanz.

Was Christen mitten im Sommer feiern

Am 15. August feiert die katholische Kirche die Aufnahme Mariens in den Himmel. Anders als bei Christi Himmelfahrt geht es dabei nicht um ein eigenes „Auffahren“. Maria wird von Gott in die Vollendung aufgenommen. Das Fest richtet den Blick deshalb über Maria hinaus: Es steht für die christliche Hoffnung, dass der Mensch nicht in Vergänglichkeit und Tod endet, sondern bei Gott zum Leben gelangt.

Kräutersegnung: Dank für die Schöpfung

Ein besonderer Teil des Inselfeiertags ist die Kräutersegnung im Gottesdienst. Kräuter und Blumen werden gesegnet und verbinden das Fest mit der Natur und dem menschlichen Leben. Mitte August zeigt sich die Natur in ihrer Fülle: Pflanzen sind gewachsen, Früchte reifen und die Ernte wird sichtbar. Die Kräutersegnung ist dabei kein magischer Akt, sondern ein Gebet um Gottes Segen und Heil. Sie bringt Dankbarkeit für die Schöpfung und das Vertrauen auf Gottes Begleitung zum Ausdruck.

Mehr über den Brauch gibt es im Video „Kräuterkunde und Kräuterbuschen“.

Bischof Klaus Krämer auf der Reichenau

Hauptzelebrant des diesjährigen Marienfeiertages war Bischof Dr. Klaus Krämer. In seiner Festpredigt stellte der Bischof Maria als Zeichen der Hoffnung und des Trostes in Zeiten von Not und Bedrängnis in den Mittelpunkt. Die biblischen Texte erinnerten daran, dass Christen seit jeher Verfolgung und Bedrohung erfahren, zugleich aber auf die Zusage vertrauen dürfen, dass Gott sein Volk nicht im Stich lässt, so der Bischof.
 

Aus dem Magnificat- dem biblischen Lobgesang Marias - leitete Bischof Krämer den Auftrag ab, Gottes barmherzige Liebe in die Welt zu tragen und sich für die Würde jedes Menschen, für Gerechtigkeit und Frieden sowie für Menschen am Rand der Gesellschaft einzusetzen. „In dieser Zeit ist es wichtig, dass wir dieses Zeichen der barmherzigen Liebe aufrechterhalten, dass wir Zeichen setzen, ganz konkrete Zeichen in unserem Alltag“, sagte der Bischof. Zugleich rief er dazu auf, bedrängte und verfolgte Christen und Gläubige durch Gebet, Solidarität und konkreten Einsatz zu unterstützen. Maria, so die Botschaft der Predigt, begleite das pilgernde Volk Gottes dabei als Zeichen der Hoffnung und Quelle des Trostes.

Glauben, Geschichte und Gemeinschaft

Mariä Himmelfahrt macht auf der Reichenau sichtbar, was die Insel bis heute prägt: Glaube, Geschichte, Kultur und Gemeinschaft gehören zusammen. Das zeigt sich in den alten Mauern des Münsters ebenso wie in Musik, Prozession und Kräutersegnung. Der Inselfeiertag ist deshalb mehr als ein Blick zurück. Er bringt eine jahrhundertealte Tradition in die Gegenwart – und macht erfahrbar, dass gelebter Glaube Teil des öffentlichen Lebens auf der Reichenau ist.

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