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Eine luftige Kathedrale auf der Buga

Im ökumenischen „MöglichkeitsGarten“ auf dem Spinelli-Gelände kommt der Stuttgarter Katholikentag von 2022 in upgecycelter Form noch mal ins Spiel.

Mannheim, Universitätsstadt
MöglichkeitsGarten Buga Mannheim Diözese Rottenburg-Stuttgart / Arkadius Guzy

Unter dem Flatterdach aus alten Bannern feiern Besucher:innen die mittägliche Andacht. Foto: DRS/Guzy

Das bunte Spiel mit Wind und Sonne zieht die Neugier der Besucher:innen unweigerlich an. Wer den „MöglichkeitsGarten“ betritt, zückt sein Smartphone und legt den Kopf in den Nacken. „Das Flatterdach schafft Abwechslung“, sagt Claudia Hörner. Die 67-Jährige gehört zum Team der Ehrenamtlichen, die für die Besucher:innen des „MöglichkeitsGartens“ als Ansprechpersonen zur Stelle sind. Der 700 Quadratmeter große „MöglichkeitsGarten“ ist der ökumenische Auftritt der evangelischen und katholischen Kirche Mannheim – unterstützt von der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Erzdiözese Freiburg – auf der Bundesgartenschau in Mannheim. Die Menschen seien überrascht, wie lebendig sich die Kirche präsentiere, berichtet Hörner. Das Flatterdach trägt einen guten Teil zu diesem Eindruck bei.

Es spannt sich über Abschnitte des Geländes und besteht aus Tausenden Stoffstreifen, die an einem Netz befestigt sind. Die Stoffstücke sind aus ausgedienten Bannern und Fahnen geschnitten. Die Farben des Katholikentags in Stuttgart sind leicht auszumachen. Denn auf diese Weise sind auch viele Fahnen der letztjährigen Großveranstaltung recycelt worden. Die verschiedenfarbigen Streifen, die sich im Wind wiegen, spenden Schatten und lassen zugleich das Blau des Himmels durchscheinen. Sie sollen damit Sinnbild für einen offenen und bewegten Ort sein.

Vom Militärgelände zum Park

Das kommt bei den Besucher:innen offenbar gut an. Von einer positiven Resonanz auf den „MöglichkeitsGarten“ spricht Barbara Kraus. Bei den Gottesdiensten reichten die Sitzplätze nicht aus, erklärt Kraus. Die Gemeindereferentin gehört zum ökumenischen Leitungsteam von Kirche auf der Buga 23. Kraus wohnt in der Nachbarschaft zum Buga-Areal. So konnte sie über die vergangenen Jahre die Entwicklung des früheren Armeegeländes selbst unmittelbar verfolgen.

Aus dem einstigen Standort der Spinelli-Barracks ist einer der beiden Mannheimer Buga-Parks geworden. Im Spinelli-Park, zwischen einer Bienenwiese, einem Weinberg und einem Apothekergarten, findet sich der „MöglichkeitsGarten“. Die Anlage zeichnet den Grundriss einer Kathedrale nach: Eine turmartige Holzkonstruktion, an der sich Hopfen emporrankt, bildet den Altarraum. Das Bannerdach markiert den Bereich des Kirchenschiffs und eines Kreuzgangs. In der Mitte des Areals steht eine im Jahr 1755 gegossene, später abgehängte Glocke aus der Jesuitenkirche.

Im Kreuzgang an einem Bachlauf können die Besucher:innen entspannen. Zum Wasser am Boden gibt es eine Klangdusche von oben: Ein Lautsprecher zerstäubt die Sounds einer extra komponierten Klangcollage. Darin eingeflochten sind gelegentlich kurze Statements von Mannheimer Gottesdienstbesucher:innen. In diesen wird zum Beispiel der Wunsch nach Erhalt der Schöpfung genannt.

Nachhaltigkeit als Grundidee

Nachhaltigkeit spielt auch beim Konzept des „MöglichkeitsGartens“ eine wichtige Rolle. Der Umweltgedanke findet nicht nur im Flatterdach seinen Ausdruck. Andere Gestaltungselemente basieren ebenfalls auf wiederverwendeten Objekten:  Ein Materialcontainer stammt von der Buga Heilbronn 2019. Auf ihm wurde eine Photovoltaik-Anlage installiert. Die Gartenstühle kommen von der Buga Erfurt 2021, und die evangelische Schönaugemeinde stellte alte Kirchenbänke zur Verfügung. All diese Sitzmöglichkeiten haben Ehrenamtliche bunt gestrichen. Das Flatterdach haben ebenfalls zahlreiche Ehrenamtliche gefertigt. Sie haben die Stoffstreifen per Hand einzeln festgetackert, wie Valentina Ingmanns erklärt. Die Grafikerin ist im ökumenischen Buga-Team für die Betreuung der Freiwilligen verantwortlich.

War es angesichts der Kirchenkrise schwierig, Helfer:innen zu gewinnen? „Überhaupt nicht, es war der Hammer“, antwortet Ingmanns. Etwa 105 Engagierte verschiedenen Alters aus Mannheim und Umgebung haben sich für den Kirchenauftritt auf der Buga gefunden. Mitglieder von Freikirchen und sogar Ausgetretene seien darunter.

Die hohe Einsatzbereitschaft führt Ingmanns darauf zurück, dass das Engagement zeitlich befristet, gut planbar und damit attraktiv sei. Für zwölf Termine während der Buga-Laufzeit mussten sich die Ehrenamtlichen im „MöglichkeitsGarten“ verpflichten. Sie heißen dort „Möglichmacher:innen“. So steht es auch auf dem grünen Poloshirt von Claudia Hörner.

Ansatz für die Zukunft

Sie habe sich freiwillig gemeldet, weil sie pensioniert sei und gut zuhören könne. Für Hörner sind die zwölf Einsätze gut einteilbar. Vor dem Buga-Start gab es monatliche Veranstaltungen für die Ehrenamtlichen, zwecks Teambuilding sowie als Vorbereitung und Einstimmung.

Auf diese Weise haben sich Leute aus ganz Mannheim kennengelernt. Das ist für Barbara Kraus im Hinblick auf die Zukunft ein positiver Nebeneffekt. Für sie ist das Mannheimer Kirche-auf-der-Buga-Projekt mit seinem ökumenischen und niederschwelligen Konzept „ein gutes Beispiel, wie Kirchenentwicklung funktionieren kann“.

Zwei Parks und eine Seilbahn

Zwei Parks bilden das Areal derBundesgartenschau Mannheim. Der Spinelli-Park ist eine Konversionsfläche. Diese war bis 2014 Militärstandort. Neben Ausstellungsflächen unter freiem Himmel und Hallen für Schauen und Gastronomie umfasst der Bereich ein weiträumiges, offenes Landschaftsareal. Auf dem Spinelli-Gelände findet sich der kirchliche „MöglichkeitsGarten“.

Der Luisenpark, eine beliebte Freizeitanlage in Mannheim, war bereits im Jahr 1975 Schauplatz einer Buga und ist wieder einbezogen. Im dortigen Garten der Religionen symbolisieren fünf Bäume die im Mannheimer Forum der Religionen vereinten Glaubensgemeinschaften. Als besondere Attraktion während der Buga verbindet eine Seilbahn den Spinelli-Park mit dem Luisenpark.

Programm des „MöglichkeitsGartens“

Jede Woche stehen die Aktionen und Veranstaltungen im „MöglichkeitsGarten“ unter einem anderen Motto. Bis Samstag, 20. Mai, heißt das Thema „Frieden üben“, danach folgt unter dem Leitwort „Lass Dich überraschen“ eine Woche „voller bunter Überraschungen“. Täglich um 12 Uhr findet eine Mittagsandacht statt. Jeden Abend gibt es um 17 Uhr „Singen & Segen“. Ein weiterer fester Programmpunkt sind die Gottesdienste sonntags um 12 Uhr. Am Sonntag, 28. Mai, überträgt die ARD ab 10 Uhr einen ökumenischen Fernsehgottesdienst zum Pfingstfest von der Buga.

Impressionen von der Buga Mannheim

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