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Ergründen, was dem Leben Halt gibt

Eindringlich nimmt eine Installation die Corona-Toten in den Blick. Eine Andacht fasste Schmerz und Hoffnung in Worte.

Schwäbisch Gmünd

Schmerzliches Gedenken: Jeder Nagel steht für einen Corona-Toten in Deutschland. Foto: Schwenk

Jeder einzelne Nagel tut weh. Jeder einzelne hat sich ins Holz gebohrt, hinterlässt eine Wunde. Jeder einzelne Nagel steht für einen Toten, der in Deutschland an Covid 19 gestorben ist. Die intensive Wahrnehmung des Todes durch die Pandemie ist momentan zu erleben im Schwäbisch Gmünder Heilig-Kreuz-Münster. Dekanatsjugendreferent Marios Pergialis und Anthony Di Paolo haben dort die Installation in Szene gesetzt.

„Wir brauchen die Sprache der Kunst, um zu verstehen“, ist Dekan Robert Kloker überzeugt. In einer Andacht, die als kleine, nicht-öffentliche Vernissage dient, spricht die Kunst in dieser Installation und in der berührenden Musik von Kirchenmusikdirektor Stephan Beck an der Orgel und Otto G. Horváth am Saxophon. Es gelte zu begreifen, so Dekan Kloker weiter, was Corona mit jedem einzelnen von uns mache und die Wurzeln zu ergründen, die unserem Leben Halt geben. Die Pandemie zeige auch, wie anfällig jeder Einzelne sei und wie sehr wir alle auf andere angewiesen seien.

Bis zum Christkönigssonntag sind über 14.000 Nägel zusammengekommen. Über 14.000 Tote. In der Installation werden sie sichtbar, begreifbar. Die Treppen zum Altarraum sind gefüllt mit kleinen Holzklötzen, wo die etwa 12 Zentimeter langen Nägel stecken. Sie sprechen für sich eine traurige Sprache. Wäre da nicht das Hoffnungszeichen der Christen: „Fürchtet euch nicht“, ein Zitat aus dem Matthäus-Evangelium, haben die beiden Künstler aus den Holzklötzen geschrieben. Die drei Worte nehmen etwas von der Resignation und der Trauer. Sie fangen auf.

Zahlen begreifbar machen

Angefangen hat die Idee in den Köpfen von Marios Pergialis und Anthony Di Paola vor etwa zwei Monaten. Die Zahlen, die jeden Tag über die Corona-Pandemie den Menschen an den Kopf geworfen werden, seien abstrakt. „Wir wollten die Zahlen sichtbar und begreifbar machen“, sagen die beiden Künstler. Mit Zahlen künstlerisch umzugehen, und sie damit in ein bildhaftes Licht zu rücken, war der Anlass für das Kunstprojekt. Dafür haben Di Paola und Pergialis 230 Kilogramm Metall und 107 laufende Meter Holz verarbeitet.

Das Ergebnis ist sehr beeindruckend und schafft ein zutiefst intensives Nachspüren des Todes.  Die Visualisierung der Corona-Toten trifft den Betrachter direkt und hart. „Unser Anliegen ist auch, das Thema Corona herauszunehmen aus einer Diskussion, wo es nur um Zahlen und abstrakte Begriffe geht“, so Pergialis. Corona sei ein unsichtbarer „Gegner“. Der Gesellschaft helfe es deshalb nicht, wirre Theorien mit abstrakten Zahlen in den Köpfen der Menschen zu bilden. „Ausnahmsweise“, sagt Pergialis, „sage ich aus meiner künstlerischen Perspektive, dass es jetzt gerade nicht sinnvoll ist, quer zu denken.“

Die Fürbitten verbinden die Gedanken der Künstler und des Dekans. Sie rücken alle in den Blick, die allein sind, an die keiner denkt, auf die Toten. „Fürchtet euch nicht“. Wenn auch das Kunstprojekt mit jedem einzelnen Nagel betroffen und für einen kurzen Moment wie mit einem Stich in die Brust spürbar macht, wie sich der Tod anfühlen muss, so ist es doch die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, die zuversichtlich und versöhnlich stimmt. Mit einem Gott an der Seite, der das eigene Leben trägt.

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