Fairness macht den Unterschied
Das Sternsingermobil mit Ida Helfensdörfer und Felicia Korn, Referentinnen beim Kindermissionswerk, informiert Kinder und Jugendliche über das Dreikönigssingen und über Themen der Einen Welt. Foto: DRS/Jerabek
Wenn ein Kakao-Bauer 9 Cent an einer Tafel Schokolade verdient und seine Kinder auf dem Feld arbeiten müssen, anstatt zur Schule zu gehen, weil die Familie sonst nicht über die Runden kommt – dann ist das unfair, da sind sich die Fünftklässler des Schulzentrums St. Hildegard sicher. Aber wie erkennt man eigentlich, ob eine Schokolade fair gehandelt ist? Und wie wirkt sich das aus, wenn die Kakao-Bauern und -Bäuerinnen fair behandelt werden? Diese und andere Fragen zum Fairen Handel beantwortet das Sternsingermobil. Auf seiner 16. Tour quer durch die Republik informiert es Kinder und Jugendliche auf spielerische Art über die Arbeit des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ und Themen der Einen Welt.
Stationenparcours informiert über Fairen Handel
Kakaofrüchte sind doch bestimmt braun, so wie die Schokolade – oder doch nicht? In einem Podcast klärt Milly aus Ghana auf: Kakaofrüchte sind, gelb, orange oder rot, aber nur ihre Samen werden in einem aufwändigen Prozess zu Kakaobohnen. Das Anhören des kurzen Podcast, in dem Milly über ihren Alltag auf der Kakao-Plantage berichtet, ist eine von sechs Stationen, die die Schülerinnen in kleinen Gruppen durchlaufen. An einer anderen Station müssen sie den Weg von der Bohne zur Schokolade anhand eines Dominos in die richte Reihenfolge bringen und Fragen auf einem Laufzettel beantworten oder sich Gedanken machen, wer im Produktions- und Vertriebsweg einer Tafel Schokolade welchen Anteil vom Verkaufspreis bekommt.
Jeweils eine Klasse, also etwa 25 bis 30 Kinder haben im Sternsingermobil Platz, wenn eine seitliche Bordwand aufgeklappt und zur Bühne wird. Im Innern des weißen Transporters gibt es Info-Stationen, einen Bildschirm und eine gemütliche Sitzecke. Ida Helfensdörfer und Felicia Korn, Referentinnen beim Kindermissionswerk, erklären, was es mit dem Dreikönigssingen als der weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder auf sich hat. Mit dem Sternsingermobil will das Hilfswerk zum Mitmachen motivieren und auch in der warmen Jahreszeit über seine Arbeit und konkrete Projekte in aller Welt informieren.
Fairness hat ihren Preis
Damit Kinder in Ghana und anderswo statt auf die Plantage in die Schule gehen können und sich das Leben ihrer Familien verbessert, verdienen Kakao-Bauern an einer fair gehandelte Tafel Schokolade 49 statt 9 Cent. Dass Fairness ihren Preis hat, wissen die Schülerinnen von St. Hildegard. An dem katholischen Schulzentrum werden fair gehandelte Produkte am Pausenautomaten angeboten. „St. Hildegard war die erste Fairtrade-Schule in Ulm“, sagt Klassenlehrerin Sandra Rippert, die mit ihrer Kollegin Tanja Weinzierl diese Klasse begleitet. Die Themen Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Fairer Handel sind am Schulzentrum im Unterricht fest verankert. Auch der Besuch des Sternsingermobils werde vor- und nachbereitet.
Schon zum wiederholten Mal hat Schwester Marlies Göhr, Dekanatsbeauftragte für Schulpastoral / Kirche und Schule, das Sternsingermobil für jeweils mehrere Tage ins Dekanat Ehingen-Ulm geholt. Sie schreibt Schulen an, koordiniert die Termine und hilft dem Sternsingermobil-Team damit bei der Planung einer auch in ökologischer und ökonomischer Hinsicht sinnvollen Route. Außer in Ulm hat das Mobil auch Schulen in Ehingen, Dornstadt und Schelklingen angefahren und vielen Kindern bewusst gemacht, dass schon eine kleine Tafel Schokolade – wenn es mit fairen Dingen zugeht – einen Unterschied macht.
Stephan Rauh / Kindermissionswerk