Franziskus als Lehrer der Freude und Dankbarkeit
Ein Loblied auf den Schöpfer des Wassers ist der kleine Springbrunnen, der zum neuen Franziskusweg im Kloster Brandenburg gehört. Schwester Clara und Hausleiterin Hannelore Stroppel freuen sich auf viele Gäste bei der Eröffnung am 3. Oktober um 11 Uhr. Foto: DRS/Jerabek
„Gepriesen seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig
und kostbar und keusch.“
Ein kleiner Springbrunnen aus Granit, liebevoll umpflanzt mit Efeu und grün-weißen Gräsern und arrangiert mit Flusskies, setzt Franziskus‘ Lob des Schöpfers durch das Wasser in Szene. Ein kleines Schild trägt den Vers aus seinem Sonnengesang. Der Brunnen ist eine von acht Stationen des Franziskuswegs, der am 3. Oktober im Garten des Klosters Brandenburg in Regglisweiler eröffnet wird. An einer anderen Station markieren einige pyramidenförmig zusammengestellte Birkenäste ein Lagerfeuer. In einem hohlen Baumstumpf flackert orangenes Licht:
„Gepriesen seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und es ist schön und liebenswürdig
und kraftvoll und stark.“
Ein Fest zu Ehren des heiligen Franziskus
Wie andere Gemeinschaften, die die franziskanische Lebensform gewählt haben, feiern die Immakulataschwestern vom Seraphischen Apostolat den 800. Todestag ihres großen Vorbilds, der ja zugleich „himmlischer Geburtstag“ ist, mit einem Franziskusfest. „Wir möchten den Besuchern die tiefe Freude des Franziskus vermitteln, die Dankbarkeit und die Achtung vor der Schöpfung“, sagt Schwester Clara. Mit ihrem Schwesternteam hat die Floristin und Gärtnerin Ideen entwickelt, um die besondere Beziehung des Heiligen zur Natur in ansteckender Weise in Szene zu setzen und einen „Lernort Natur“ für Groß und Klein zu schaffen.
„Lernort Natur“ zeigt Traumhaus für Insekten
In einer kleinen Ausstellung werden allerlei Totholz-Solitäre und andere Spielereien der Natur gezeigt, die Schwester Clara und ihr Team im Illergries, jener von Erlen und Weiden geprägten besonderen Vegetation des Unteren Illertals, gesammelt haben. „Wir haben zum Beispiel einen wunderschönen Baumstamm gefunden, der ziemlich durchlöchert und deshalb ein Traumhaus für Insekten ist“, schwärmt Schwester Clara. Auf kleinen Astscheiben wird erklärt, welche Tiere sich in den verschiedenen „Zimmern“ dieses „Hauses“ besonders wohl fühlen. In einem der Gewächshäuschen der Klostergärtnerei sind auf Schautafeln verschiedene Schmetterlingsarten zu sehen, die im Klostergarten heimisch sind; um sie herum blühen ihre „Lieblingsblumen“.
„Gepriesen seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns erhält und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.“
Franziskus lädt zum Nachahmen ein
„Die Natur ist ja ein Geschenk für uns alle, und nicht nur für jetzt“, sagt Schwester Clara. „Jeder kann etwas tun, dass sie bewahrt wird.“ Viele heimische Gärten seien, was das Gespür für die Bewahrung der Schöpfung angeht, ja eher trostlos, findet Hausleiterin Hannelore Stroppel. Wenn etwa die ganze Zeit ein Rasenmäherroboter herumfahre und der Rest des Gartens mit Pflastersteinen ausgelegt sei, „kann da nicht viel wachsen“. Die Ausstellung richtet sich deshalb an die ganze Familie und soll besonders Kinder berühren. „Wir möchten dazu einladen, sich Gedanken zu machen: Was kann ich in meinem Garten machen, also auch im Kleinen“, sagt Stroppel. Im Kloster Brandenburg werde Schöpfungsverantwortung und Nachhaltigkeit schon lange gelebt, etwa durch Regenwassernutzung und Photovoltaik.
Aus Liebe zu Jesus
Anders als manche ökologische Initiative heute sei Franziskus aber nicht beim Schutz der Schöpfung stehengeblieben, „sondern sah in allem, den Blumen und Tieren, den Schöpfer, also Gott, dahinter“, gibt Schwester Clara zu bedenken. Die tiefe Freude und Dankbarkeit für diese Schöpfung, die in einem ganzheitlichen Verständnis nicht nur Umwelt und Klima, sondern jeden Menschen in jeder Lebensphase umfasst, erwachse aus Franziskus‘ Liebe zu Jesus. Die Schwesterngemeinschaft gründet ihr Wirken deshalb auf der Anbetung und der Liebe zur Eucharistie, die auch beim Franziskusfest ihren festen Platz hat.
Info
Franziskusfest im Kloster Brandenburg, Dietenheim-Regglisweiler, Am Schlossberg 3, am Samstag, 3. Oktober, von 10 bis 17.30 Uhr, mit Ausstellung in der Gärtnerei und „Lernort Natur“. 10 Uhr Gottesdienst; 11 Uhr Eröffnung des Franziskuswegs. Mittagstisch sowie Kaffee und Kuchen, Waffelbäckerei. Unterhaltung mit den Rottumtaler Alphornbläsern von 11 bis 13 Uhr und der Blasmusik „Schlawiner“ ab 13.30 Uhr. Gebetsangebot in der Klosterkirche und Friedhofskapelle.
Auf Franziskus' Spuren mit der keb Ulm-Alb-Donau
Aus Anlass des Jubiläums „800 Jahre Franz von Assisi“ bietet die Katholische Erwachsenenbildung Ulm-Alb-Donau verschiedene Führungen und Lesungen an, u.a.:
Franz von Assisi in Erbach: Führung zu Franziskus-Darstellungen in Schlosskapelle und Schlosskirche Erbach am Montag, 5. Oktober, 18 bis 19.30 Uhr, Schloss Erbach, Schloßberg 1, 89155 Erbach. Referent: Dr. Oliver Schütz, Theologe und Historiker, Leiter der keb Ulm-Alb-Donau. In Kooperation mit der kath. Kirchengemeinde St. Martinus Erbach und dank freundlicher Unterstützung durch Freiherr Constantin von Ulm-Erbach. Ohne Anmeldung, Eintritt frei, Spende erbeten. Treffpunkt: Erbach, Eingang zum Schloss.
Bruder Sonne - Schwester Erde. Impressionen zum Sonnengesang des Franz von Assisi am Freitag, 9. Oktober, 19.30 bis 21 Uhr, St. Franziskus am Tannenplatz, Buchauer Str. 16, 89079 Ulm-Wiblingen. Mitwirkende: Marianne Hollenstein (Kunst), Adelheid Bläsi (Lesung), Sarah Scharpf (Musik), Dr. Oliver Schütz (Impulse). In Kooperation mit der Seelsorgeeinheit Ulm-Basilika. Ohne Anmeldung, Eintritt frei.
Bruder Feuer: Franz von Assisi. Lesung und Musik zu seinem 800. Todestag am Samstag, 17. Oktober, 19 bis 21.30 Uhr, Kirche St. Elisabeth, Elisabethenstr. 37, 89077 Ulm. Mitwirkende: Kay Metzger, Intendant a.D. des Theaters Ulm (Lesung), Dr. Andreas Weil (Orgel), Dr. Oliver Schütz (Leitung), Marianne Hollenstein (Kunst). In Kooperation mit der Kirchengemeinde St. Elisabeth Ulm. Ohne Anmeldung, Eintritt frei, Spenden zugunsten der Orgelrenovierung erbeten.