Kloster Sießen Franziskus heute: Geschwisterlichkeit und Zuversicht
Markus Waggershauser Die Gesichtszüge des heiligen Franziskus auf einer Glasplatte am Eingang des Franziskusgartens beim Kloster Sießen. Foto: DRS/Waggershauser
Vor 800 Jahren starb einer der prägendsten Heiligen der Kirche. Franziskus verwendete als junger Mann zunehmend Geld des Familienunternehmens zur Unterstützung der Armen und zum Aufbau einer kleinen Kirche. Nach dem Bruch mit seinem Vater zog er sich zunächst als Einsiedler zurück. Nach und nach schlossen sich ihm weitere Brüder an. Heute leben mehrere hunderttausend Männer und Frauen nach seiner Ordensregel und sogar ein Papst benannte sich nach ihm. Franziskanerinnen aus Oberschwaben erzählen, was sie an ihrem Vorbild fasziniert und wie sie den Todestag, das „Osterfest des heiligen Franziskus“, am 3. und 4. Oktober feiern.
Kloster Sießen „Franziskanerin zu sein bedeutet für mich, mein Leben immer wieder neu am Evangelium auszurichten“, sagt Schwester Marie-Sophie Schindeldecker. Das heißt für die deutsche Provinzoberin der Franziskanerinnen von Sießen, selbst einfach und dankbar zu leben und für andere da zu sein. Dabei ermutigt und trägt sie die Gemeinschaft, die auch hilft „offen zu bleiben für das, was Gott daraus wachsen lässt.“ Schwester Witburga Mendler, die in gleicher Funktion im Kloster Bonlanden wirkt, pflichtet ihr bei. „Ich darf immer wieder neu entdecken,“ ergänzt sie, „dass Gott mir in allem begegnet, in den Menschen, in der Schöpfung, in den Dingen des Alltags und auch in den Herausforderungen.“
Kloster Reute Die Schöpfung als Gottes Handschrift in der Welt
Die Schöpfungsverantwortung ist auch Schwester Maria Hanna Löhlein, der Generaloberin der Franziskanerinnen von Reute, ein großes Anliegen. „In der Schöpfung lässt mich Gott seine Handschrift in dieser Welt lesen“, betont sie. Zur Schöpfung gehören für sie auch die Menschen, vor allem die, die mit ihren Lebens- und Sinnfragen nach Antworten suchen, und die, „die oftmals am Rand des Mainstreams übersehen werden.“ So wie Franziskus damals vorurteilslos den Aussätzigen begegnete und ihnen nahe war, so machen es sich die Reutener Schwestern gemäß ihrem Leitwort zur Aufgabe, Gott in der leidenden Menschheit zu dienen.
Markus Waggershauser Schwester Marie-Sophie und Schwester Witburga nennen spontan die Geschwisterlichkeit auf die Frage, welcher Impuls des Heiligen ihre Gemeinschaft besonders prägt. „Für Franziskus war die Welt nicht einfach etwas, das uns gegenüber steht, sondern etwas, mit dem wir zutiefst verbunden sind“, erklärt Schwester Witburga. Die Mitmenschen als Geschwister anzunehmen, das verändere den Blick auf sie. „Für mich gehört auch die Freude wesentlich zum franziskanischen Leben“, fügt Schwester Marie-Sophie hinzu. Diese innere Zuversicht und Gottvertrauen helfe auch in schwierigen Zeiten. Das Jubiläum wollen die drei Gemeinschaften nutzen, sich neu vom Geist des heiligen Franziskus inspirieren zu lassen.
Jubiläums-Franziskusfest im Kloster Sießen
1976, also vor 50 Jahren, begann die Tradition des Jugendfranziskusfestes. Zum Jubiläumsfest unter dem Motto „Nur Mut – Coraggio!“ sind Menschen willkommen, die die franziskanische Spiritualität bereits kennen oder sie kennenlernen möchten.
Samstag, 3. Oktober
10.00 Uhr Ankommen
10.30 Uhr Einstieg ins Fest und Impuls von Br. Stefan Walser ofmcap
12.00 Uhr Zeit der Begegnung mit Austausch, Erinnerung, Kreativität und Workshops
Auf dem Klostergelände und im Klostercafé gibt es Essen und Getränke
15.00 Uhr Eucharistiefeier mit Bischof Dr. Klaus Krämer
Triduum zum „Osterfest des Heiligen Franziskus“ im Kloster Reute
Donnerstag, 1. Oktober
6.30 Uhr Laudes thematisch zum Ort San Damiano in der Marienkapelle
16:30 Uhr bis 18:00 Uhr Anbetung in der Marienkapelle
17.00 Uhr franziskanisches Abendlob in der Marienkapelle
18.00 Uhr Eucharistiefeier in der Marienkapelle
Freitag, 2. Oktober
6.30 Uhr Laudes thematisch zum Ort Porziuncola und dem Geschehen dort in der Marienkapelle
16:30 Uhr bis 18:00 Uhr Anbetung in der Marienkapelle
17:00 Uhr Vesper in der Marienkapelle
18.00 Uhr Eucharistiefeier in der Marienkapelle
Samstag, 3. Oktober
6.30 Uhr Laudes thematisch zum La Verna-Geschehen in der Marienkapelle
20.00 Uhr Feier des Transitus für alle Interessierten in der Marienkapelle
Sonntag, 4. Oktober
9.00 Uhr Eucharistiefeier in der Marienkapelle
17:00 Uhr Vesper in der Marienkapelle
Jubiläum innerhalb der Gemeinschaft im Kloster Bonlanden
Das Stundengebet und andere Gottesdienste feiern die Schwestern derzeit intern. Die Stationen „Schwester Wasser“ und „Mutter Erde“ mit dem Labyrinth laden zum Besuch und zum Eintauchen in die franziskanische Spiritualität ein. Der Krippenweg ist derzeit nicht zugänglich.
Sonntag, 4. Oktober
15.00 bis 17.00 Uhr eucharistischen Anbetung in Stille in der Klosterkirche