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Frau mit Macht in der Kirche

Stadt und Kirchengemeinde Scheer feiern die einst einflussreiche Äbtissin Walburga und ihre Brüder Wunibald und Willibald mit einem Gottesdienst.

Scheer
In einem ovalen Foto sind Kirche und Schloss von Scheer zu sehen. Darüber sind die goldfarbenen Büsten der drei Heiligen ins Bild montiert.

Die Reliquienbüsten von Wunibald, Walburga und Willibald über der Stadtsilhouette von Scheer - Fotomontage: Katholische Kirchengemeinde St. Nikolaus

Die Bewegung Maria 2.0 und der Reformprozess "Synodaler Weg" zeigen: Die Diskussion um mehr Leitungsämter für Frauen in der katholischen Kirche ist in vollem Gange. Auf den ersten Blick hat das traditionelle Maifest in Scheer im Dekanat Saulgau nichts damit zu tun. Stadt und Kirchengemeinde St. Nikolaus feiern am Sonntag, 2. Mai, ihre Ortsheiligen. Sie gelten als Verwandte des Frankenmissionars Bonifatius.

Nach der Absage 2020 ist in diesem Jahr wenigstens ein Gottesdienst im Freien mit dem emeritierten Weihbischof Johannes Kreidler möglich. Die drei heiligen Geschwister, deren Reliquienbüsten die Stadträte gewöhnlich in einer feierlichen Prozession durch Scheer tragen, stammten aus englischem Adel und kamen zur christlichen Mission ins Frankenreich. Willibald wurde im Jahr 741 erster Bischof von Eichstätt. Wunibald gründete 752 das Kloster Heidenheim in Mittelfranken und war dort Abt.

Walburga leitet Doppelkloster

Als Wunibald 761 starb, übernahm seine Schwester Walburga kurzerhand die Leitung des Männerklosters und fügte ihm einen weiblichen Zweig hinzu. Die Scheerer sind stolz auf diese starke und einflussreiche Äbtissin. "In der heutigen Zeit wäre das nicht denkbar", glaubt Eugen Pröbstle. Der gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats von St. Nikolaus macht keinen Hehl daraus, dass er sich aktuell ebenfalls eine stärkere Einbeziehung von Frauen in der katholischen Kirche wünscht.

Pröbstle erzählt auch, wie Scheer zu den Reliquien kam. Die Stadt war Residenz und Verwaltungssitz der Waldburger. Truchsess Christoph erbat vom Markgrafen von Brandenburg-Ansbach 1606 die Hirnschale Wunibalds. Seine Frau Maria Anna überbrachte sie Ende April nach Scheer. Das feierte die Bevölkerung auch in den Folgejahren immer am 1. Mai. Später erhielt Scheer noch einen Schlüsselbeinknochen Willibalds aus dem Eichstätter Dom und Walburgas Kieferknochen aus dem Kloster Walburg hinzu.

Maiprozession und Walpurgisnacht

Heimatgeschichte ist das Hobby von Eugen Pröbstle, der seinen Bio-Bauernhof inzwischen an seine Kinder übergeben hat. "Das Dreiheiligenfest ist neben dem Fasnetsmontag wie eine Art Nationalfeiertag für uns", erklärt der 68-Jährige. Truchsess Christoph von Waldburg habe damals die ganze Gemarkung unter den Schutz der drei Scheerer Heiligen gestellt.

Davon zeugen etliche Bildstöcke und Kapellen in der Gegend. Und Christophs Nachkommen sollten stets Wunibald, Willibald oder Walburga als einen ihrer Vornamen bekommen.

Inzwischen feiert Scheer das Dreiheiligenfest am ersten Sonntag im Mai. Die Verbindung von Walburga bleibt dennoch auch zum 1. Mai bestehen, denn an diesem Tag soll sie um das Jahr 870 von Papst Hadrian II. heiliggesprochen worden sein. Die Feiern zum Walpurgisfest an diesem Datum begannen damals schon mit der Vigilfeier am Vorabend. Die Hexengeschichten kamen - wie die Geistergeschichten am Vorabend von Allerheiligen sechs Monate darauf - erst später zur Walpurgisnacht hinzu.

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