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"Die Kinder erzählen mir Geschichten"

Angella Nandita ist 22, kommt aus Uganda – und arbeitet als Reverse-Freiwillige im Kindergarten St. Michael in Aalen. Wir haben mit ihr gesprochen.

Aalen
Angella Nandita steht vor Spielplatz im Hof des Kindergartens.

Angella Nandita arbeitet als Reverse-Freiwillige im Kindergarten St. Michael in Aalen. Foto: DRS/Werner

Angella, du warst gerade mit der Highschool fertig, als du von dem Programm erfahren hast. Wie kam das?

Das war eigentlich Zufall – die Mentorin, die die Freiwilligen in Uganda aussucht, ist eine Freundin der Familie. Sie hat meine Mutter gefragt, ob ich Interesse hätte. Und ehrlich gesagt hatte ich zuerst gar keine Lust! (lacht) Aber sie hat dann nochmal gefragt und mir alles besser erklärt – dann konnte ich mir das vorstellen. Ich habe viele kleine Cousinen und Cousins, die immer bei uns zu Hause sind, deswegen bin viele Kinder gewohnt. Und mag es, mit ihnen zu spielen.

Das ist vielleicht aber gar nicht so einfach, wenn man die Sprache erst lernt?

Überhaupt nicht! Bevor ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich in Uganda mit einer App Deutsch gelernt: „Hallo, ich heiße, wie geht’s dir“ und so, und ich dachte, ich kann eine Unterhaltung führen. Dann bin ich hergekommen und es hat überhaupt nicht geklappt. Vor allem, weil alle Schwäbisch reden – ich dachte zuerst, sie reden eine andere Sprache! (Lacht) In dem Kindergarten, in dem ich am Anfang gearbeitet habe, war es deswegen auch richtig schwierig – ich konnte mich nicht mit den Kindern und auch nicht mit meinen Kollegen unterhalten. Jetzt ist es aber viel besser – und die Kinder helfen mir, sie erzählen mir Geschichten und erklären mir Sachen.

Was machst du – neben der Arbeit mit den Kleinen – sonst noch in deinem Programm als Reverse-Freiwillige?

Im Kindergarten mache ich auch Sachen im Haushalt, also zum Beispiel Aufräumen und Essen vorbereiten. Ansonsten haben wir manchmal Seminare – da habe ich auch die anderen Freiwilligen kennengelernt. Wir sprechen über die deutsche Geschichte, Kultur und Politik – vor allem die Kultur finde ich sehr interessant.

Wie hast du dich in der neuen Kultur zurechtgefunden?

Am Anfang musste ich mich an viele Sachen gewöhnen. Zum Beispiel, dass man abends nur Brot isst, das finde ich komisch. Sonst mag ich deutsches Essen aber, vor allem Spätzle! Die Kipptechnik der Fenster hier kannte ich auch nicht:  Als ich zum ersten Mal eins aufmachen wollte, habe ich gedacht, ich habe es kaputt gemacht. (lacht) Mülltrennung und Ampeln gibt’s auch nicht so richtig in Uganda, da ist es ein bisschen chaotischer und alle gehen wie sie wollen. Was noch ganz anders ist, ist die Messe am Sonntag: Zu Hause ist die Kirche immer voll, wir haben immer einen Chor. Bei den Evangelischen tanzen sogar alle.

Das hat bestimmt ein bisschen gedauert, bis du dich eingewöhnt hast! Hattest du denn auch besonders schöne Erlebnisse hier?

Es war toll, hier Freundinnen zu finden. Am Anfang kannte ich niemanden und war nach der Arbeit immer nur zu Hause. Bei einem Deutschkurs der Volkshochschule habe ich dann zwei Mädchen kennengelernt, mit denen ich mich jetzt öfter treffe – da bin ich richtig froh. Schön war auch, als ich in der Sommerpause eine Freundin meiner Familie in Berlin besucht habe und den anderen Reverse-Freiwilligen aus Uganda in Neckarsulm. Und ich war bei der Familie in Tübingen, wo ich die ersten drei Wochen nach der Ankunft im März gewohnt habe: Die haben zwei kleine Kinder und im Sommer konnte ich sie endlich verstehen und mich mit ihnen unterhalten.

Diesen März gehst du wieder zurück nach Uganda. Wie geht’s dann für dich weiter – und auf was freust du dich?

Wenn ich wieder zurück bin, will ich Soziale Arbeit studieren. Ich freue mich sehr auf meine Familie und meine Freundinnen – und das Wetter! Ich war so geschockt, als ich letztes Jahr gekommen bin – ich dachte, ich habe genug warme Sachen, aber dann habe ich so gefroren! In Uganda ist es immer warm.

Angella Nandita ist beim Weltkirchlichen Friedensdienst (WFD). Das Reverse-Programm gibt jungen Menschen aus unseren Partnerdiözesen die Möglichkeit zu einem WFD in unserer Diözese. Zurzeit kommen Freiwillige aus Indien, Uganda, Paraguay, Mexiko, Argentinien, Peru, Brasilien und Bolivien.

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