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Friedensglocken als Symbol

Einfühlsames Zeugnis: Der Film "Friedensglocken für Europa" von Regisseur Dominik Wessely feierte am Donnerstagabend Premiere in Stuttgart.

Stuttgart

Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Christine Mebes

Vier Monate nach der Rückführung dreier einst von den Nazis konfiszierter Kirchenglocken ins Ermland im Norden Polens hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart am Freitag Abend im Stuttgarter Atelier am Bollwerk erstmals den von der Münchner Tellux produzierten Film "Friedensglocken für Europa" gezeigt.

Der Film zeichnet die wechselhafte Geschichte der sogenannten "Leihglocken" nach, die im Zweiten Weltkrieg zu tausenden aus den deutschen Ostgebieten nach Westen verbracht wurden zur Rüstungsproduktion, dort aber durch das Kriegsende der geplanten Einschmelzung entgingen. 67 von ihnen kamen in den fünfziger Jahren in neu entstandene Kirchengemeinden im Gebiet der heutigen Diözese Rottenburg-Stuttgart. Eher durch Zufall wurde 2011 entdeckt, dass auch im Rottenburger Dom eine dieser Glocken hing. Bischof Dr. Gebhard Fürst brachte damals ohne viel nach dem rechtlichen Besitzstatus zu fragen die Glocke persönlich zurück nach Landsberg in Oberschlesien – und war überwältigt von der Dankbarkeit und Freude der Menschen dort. Der Grundstein für das Projekt „Friedensglocken in Europa“ war gelegt.

Es dauerte mehrere Jahre, bis das Team um Dr. Hans Schnieders, Glockensachverständiger der Diözese, alle noch vorhandenen Glocken erfasst, fotografiert und dokumentiert hatte. In vielen Gesprächen mit den betroffenen Kirchengemeinden war zu klären, ob diese bereit sind, ihre alte Glocke gegen eine neue, von der Diözese finanzierte einzutauschen. Eine erste Segnung neuer Glocken fand im September 2021 in Aichtal-Grötzingen und in Oberesslingen statt, einen Monat später wurde die Aichtaler Glocke nach Pišť im tschechischen Bistum Ostrau-Troppau zurück gebracht – unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und mit vielen emotionalen Momenten.  

Die zweite Rückgabe-Reise führte Bischof Fürst im Juni 2023 ins Ermland im Norden Polens, das bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zur deutschen Provinz Ostpreußen gehört hatte. Mit an Bord: der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, dessen Familie von dort stammt. Tief ergriffen zeigte sich der Politiker bei einer Kranzniederlegung an der Gedenkstätte für die vielen tausend im Januar 1945 auf der Flucht über das zugefrorene Haff ums Leben gekommenen Ostpreußen und bei der Segnung der heimgekehrten Glocke für die Nikolai-Kirche in Frombork. Mit großer Wahrscheinlichkeit hatte diese bei der Taufe seines älteren Bruders Ulrich geläutet.

Eine kleine Delegation der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Kirchengemeinde St. Bernhard aus Maulbronn brachte Anfang August eine weitere Glocke ins pommersche Slawianowo zurück. Für das Frühjahr 2024 ist die Übergabe von fünf weiteren Glocken in Ostrava / Mährisch-Ostrau mit Weihbischof Dr. Gerhard Schneider und ihr Weitertransport in die Heimatgemeinden im sogenannten „Hultschiner Ländchen“ geplant.      

Im Film erzählt Regisseur Dominik Wessely einfühlsam die Zeitläufte nach und lässt vor der Kamera Protagonisten des Projektes aus Polen, Tschechien und Deutschland zu Wort kommen. Das 45 Minuten lange Werk macht deutlich, welch starke emotionale Bedeutung Kirchenglocken auch für die Menschen des 21. Jahrhunderts haben. Zur Übergabe im Ermland war eigens eine Delegation aus Pišť mit Bürgermeister Daniel Fichna angereist, der vor der Kamera seine Freude zum Ausdruck brachte, in dieses trinationale Projekt einbezogen zu sein – Völkerverständigung zwischen Deutschen, Polen und Tschechen.

Zum Abschluss der Premiere am Donnerstag Abend gab's eine von Mediendirektor Thomas Brandl moderierte Gesprächsrunde mit Produzent Martin Choroba (ganz links auf dem Foto), Dominik Wessely, Co-Initiator Karl Boczek, Bischof Gebhard Fürst, dem Glockenbeauftragten der Diözese, Dr. Hans Schnieders, und der aus Oberschlesien stammenden Schwester Faustina Niestroj, die im Rahmen des Glockenprojektes für die Kontakte zu den Kirchengemeinden in Deutschland, Tschechien und Polen zuständig ist. Nach seinem Herzenswunsch für die Zukunft von „Friedensglocken für Europa“ befragt, meinte ein sichtlich berührter Bischof Gebhard: „Ich hoffe, dass möglichst viele der fast 50 Glocken, die wir noch haben, in den nächsten Jahren zurück kehren dürfen in ihre Heimat – zum Lob Gottes, als Ausdruck des gemeinsamen Glaubens und als Symbol für Frieden und Völkerverständigung.“ 

Der Film "Friedensglocken für Europa" kann über die Telluxund das Katholische Filmwerk bestellt werden. In den nächsten Monaten soll er zudem in verschiedenen Mediatheken verfügbar sein.

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