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Für Gottesdienste und Katechese

Die Ravensburger Kirchengemeinde St. Jodok überlässt die Mühlbruckkapelle an der Schussen dauerhaft der wachsenden ukrainisch-orthodoxen Gemeinde.

Ravensburg
Mit Kreuz und Fahnen ziehen die Liturgen in festlichen Gewändern und die Gläubigen um die Kapelle. Michael Schindler

Nach dem Gottesdienst ziehen die ukrainisch-orthodoxe Gemeinde und ihre Gäste in einer Prozession hinter die Mühlbruckkapelle. Foto: Michael Schindler

Der große metallene Schlüssel, den Pfarrer Harald Kiebler am Sonntag an Priester Vadim Karpenko übergab, passt nicht ins Türschloss der Mühlbruckkapelle. Er steht aber symbolisch dafür, dass die ukrainisch-orthodoxe Gemeinde das Kirchlein an der Meersburger Straße in Ravensburg nahe der Schussenbrücke nun dauerhaft für Gottesdienste und Katechese nutzen kann. In den vergangenen drei Jahren zelebrierte Karpenko die Liturgie monatlich in der Jodokskirche in der Unterstadt.

Anders als in der römisch-katholischen Messe, in der sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil Priester und Gemeinde wieder um den Altar versammeln, verrichtet der orthodoxe Geistliche den Eucharistieteil vom Volk getrennt hinter einer Bilderwand, der Ikonostase. Diese jedes Mal auf- und abzubauen bedeutete einen großen Aufwand. Karpenko, der nach kontroversen Äußerungen von Patriarch Kyrill die Russisch-Orthodoxe Kirche verließ und ins Patriarchat Konstantinopel wechselte, feiert schon länger ukrainisch-orthodoxe Gottesdienste in Wangen und Lindau.

Schon früher ökumenisch genutzt

Als der ehrenamtliche Priester sich mit seinem Wunsch nach einem eigenen Kirchenraum an Pastoralreferent Dr. Michael Schindler von der Seelsorgeeinheit Ravensburg-Mitte wandte, fiel diesem die Mühlbruckkapelle ein. Der Schmerzensmutter Maria geweiht diente sie auf dem Weg zur Galgenhalde ursprünglich den Verurteilten als Gebetstätte. Sie wurde vor knapp 100 Jahren an der Stelle mehrerer unterschiedlich großer Vorgängerbauten neu errichtet, verlor aber in den 1960er Jahren durch den Bau der Dreifaltigkeitskirche in der Weststadt an Bedeutung. Seit der Pandemie blieb sie ungenutzt.

Dass auch andere Konfessionen wie Evangelische und Altkatholiken sich in der Kapelle zu Gottesdiensten versammeln, ist nicht neu. So unterstützte das Vertretungsgremium des Kirchengemeinderats den Plan, das Gotteshaus der ukrainisch-orthodoxen Gemeinde dauerhaft mietfrei zur Verfügung zu stellen. Zu ihr gehören vor allem Geflüchtete und sie wächst durch den anhaltenden Krieg. Der feierliche Gottesdienst am Sonntag endete mit einer Prozession auf die Wiese vor der Kapelle. Dort übergab Karpenko Heike Engelhardt als Vertreterin der Stadt Ravensburg eine Petition, um eine Toilette auf dem benachbarten Wohnmobilstellplatz zu installieren.

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