Zum Inhalt springen

Gedenken mit Blick auf aktuelle Krisen

Zum 80. Jahrestag des Luftangriffs auf Heilbronn erinnert ein Friedensweg nicht nur an die damalige Zerstörung.

Heilbronn
Station des Friedenswegs

Holzbretter erinnern an das, was am 4. Dezember 1944 passierte. Foto: DRS/Guzy

Station des Friedenswegs

Die Tropfen halten Gedanken von Schülerinnen und Schülern fest. Foto: DRS/Guzy

Der 4. Dezember 1944 markiert einen tiefen Einschnitt in der Geschichte der Stadt Heilbronn: Bei einem Luftangriff der Royal Air Force wurden große Teile der Stadt zerstört. Mehr als 6500 Menschen starben. Anlässlich des 80. Jahrestags haben zahlreiche Veranstaltungen an die damaligen Ereignisse erinnert. Am Deutschordensmünster und im Deutschhof griffen drei Stationen eines Friedenswegs die historischen Geschehnisse auf.

Dabei ging es ums Erinnern, Erleben, Bewegen, wie Jasmin Piontek erklärte. Die Jugendreferentin des Dekanats Heilbronn-Neckarsulm hatte diese Ausgabe des Friedenswegs zusammen mit der Dekanatsbeauftragten für Kirche und Schule/Schulpastoral, Lioba Diepgen, organisiert.

Die erste Station schilderte die Ereignisse der damaligen Abendstunden. Dafür hatten Schülerinnen und Schüler des Mönchsee-Gymnasiums Holzbretter mit Bildern und Texten gestaltet. Diese Tafeln waren an Latten geschraubt, die im Durchgang zwischen Kirche und VHS lehnten. Sie symbolisierten die Trümmer und die Beklemmung.

Baustellen im Leben

„Das eine ist die Geschichte, die vergangen ist, die in den Geschichtsbüchern steht, aus denen Kinder und Jugendliche heute lesen und lernen. Das andere ist das Hier und Jetzt“, sagte Melanie Wacker, die zusammen mit Jasmin Piontek und FSJlerin Johanna Fischer die Gedenkveranstaltung moderierte. So stellte die zweite Station die Frage nach aktuellen Krisen und Herausforderungen. Die knapp 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter auch Schülerinnen und Schüler der Wilhelm-Maybach-Schule, sollten dabei auch auf Krisen und Herausforderungen in ihrem Leben blicken. Diese Station war daher als Baustelle gestaltet.

Den Friedensweg als Gedenkformat gibt es laut Piontek seit 2015. Diesmal stand er unter dem Motto „Lass Frieden regnen! Damit Gutes wachsen kann“. Die dritte Station nahm das wörtlich: Um den Brunnen im Deutschhof, in dessen Becken eine Gartenszenerie aufgebaut war, hingen übergroße Regentropfen aus Papier. Sie hielten Gedanken von Schülerinnen und Schülern des Mönchsee-Gymnasiums fest. Stichworte wie Respekt, Ehrlichkeit, Lächeln zählten auf, was zum Frieden konkret beitragen kann. Künstler Peter Klak ergänzte die Installation mit Bannern, die Händeschütteln zeigten.

Mit einem gemeinsamen Gebet und einem Lied ging der Friedensweg zu Ende, pünktlich zum Glockengeläut. Dieses erklang zu der gleichen Uhrzeit, zu der vor 80 Jahren die ersten Bomben auf die Stadt fielen. Den Angriff hatte einst auch ein Zwangsarbeiter aus Belgien von den Weinbergen aus miterlebt. Im Vorfeld der Gedenkfeier erzählte sein Sohn dem Jugendreferat in einem Schreiben davon – und davon, dass sein Vater, zurück in der Heimat, Jahr für Jahr in der Kirche für sich persönlich jener „schicksalshaften Nacht“ gedachte.

Mehr zum Autor

Aktuelles

zum Thema

Christian Turrey

War der 11. September vorhergesagt?

Ein New Yorker Künstler gestaltet in den 90er Jahren einstürzende Brücken und fallende Twin Towers aus Stein. Eine Prophezeiung für den Anschlag 2001?

Markus Waggershauser

Gedenken ein Jahr nach dem Zugunglück

Zell

Ökumenischer Gottesdienst in Zell-Bechingen mit Angehörigen der Opfer, Betroffenen und Helfenden erinnert an ein Ereignis, das alles verändert hat.

Aktuelles

aus der Region

Arkadius Guzy

Ministerpräsident zu Besuch im Jagsttal

Schöntal (Jagst)

Auf seiner Sommertour besichtigt Cem Özdemir, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Kloster Schöntal und die Landschaft um die Anlage herum.

Arkadius Guzy

Seelsorge inmitten urbaner Entwicklung

Heilbronn

Wie kann Kirche außerhalb klassischer Gemeindestrukturen aussehen? Ein Spaziergang mit Michael Dieterle durchs Quartier Neckarbogen gibt Einblick.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Niklas Heck

Junge Kirche St. Nikolaus feiert Wiedereröffnung

Stuttgart

Zwei Jahre Umbau haben eine flexible Kirche mit vielen Möglichkeiten entstehen lassen. Wiedereröffnung am 20. September mit Bischof Dr. Klaus Krämer.

Joscha Reuther

Popmusik: Glaube, der nicht glatt klingt

Stuttgart

Das popmusikalische Kollektiv Credo·Collab übersetzt das Glaubensbekenntnis in Musik. Single-Auskopplungen eines neuen Albums können gestreamt werden.

Angelika Sönnichsen

Burundi-Reise: Bischof plädiert für mehr Aufmerksamkeit

Rottenburg am Neckar

Frieden, Ernährung, Bildung und medizinische Versorgung als zentrale Felder der Zusammenarbeit. Theaterprojekt kommt 2027 nach Stuttgart.

Dekanat Stuttgart / Heinz Heiss

Kultur, Werte und Religion für die Praxis in Kindertageseinrichtungen

Rottenburg am Neckar

Die vier großen christlichen Kirchen im Land veröffentlichen Praxisbuch zur Umsetzung des für Kindertageseinrichtungen geltenden Bildungsplans.

iStock.com/Smederevac

Bischof Dr. Krämer wünscht guten Start ins neue Schuljahr

Rottenburg am Neckar

Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorger begleiten Schüler- und Lehrer:innen das Schuljahr hindurch wohlwollend und unterstützen sie tatkräftig.