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„Gegen Abgrenzung und Spaltung“

Mit einem Pontifikalamt im Rottenburger Dom wird in diesen Tagen an die Rückkehr von Bischof Dr. Sproll aus dem Exil vor 80 Jahren erinnert.

Rottenburg
Die Feier zur Rückkehr Bischof Sprolls nach Rottenburg im Jahr 1945.

Die historische Aufnahme zeigt die Feier nach der Rückkehr von Bischof Sproll nach Rottenburg am 14. Juni 1945. Bild: Diözesanarchiv Rottenburg, N 72, Nr. 160/92

Vor 80 Jahren, wenige Tage nach dem Fronleichnamsfest 1945, kehrte der von den Nationalsozialisten aus seiner Diözese vertriebene Bischof Dr. Joannes Baptista Sproll zurück aus dem Exil. Anlässlich dieses Jahrestags erinnert Dr. Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, an den Mut seines Amtsvorgängers und ruft dazu auf, das Vermächtnis Sprolls wachzuhalten. Seitens der katholischen Kirche in Württemberg wird dem Jahrestag mit einem Pontifikalamt am 15. Juni im Dom St. Martin in Rottenburg gedacht.

"Gegen Abgrenzung und Spaltung"

„Als katholische Kirche in Württemberg stehen wir fest an der Seite derer, die sich in unserer Gesellschaft für Freiheit, Gerechtigkeit und für die Würde aller Menschen einsetzen. Wir stehen gegen Abgrenzung und Spaltung“, unterstreicht Bischof Dr. Krämer und verweist auf die „Erklärung zum völkischen Nationalismus“ der Deutschen Bischofskonferenz, die diesen als unvereinbar mit dem christlichen Gottes- und Menschenbild einstuft und den Rechtsextremismus als derzeit drängendste Gefahr für die freiheitliche Ordnung beschreibt. „Vor Gott sind alle Menschen gleich und unser Umgang miteinander zeigt, wie wahrhaftig unser Glaube ist“, hält der Bischof fest. Folglich dürfe sich die Kirche nicht aus den politischen Fragen heraushalten, sondern „muss ihre Stimme erheben und sich einmischen, wo immer uns menschenfeindliches Denken gegenüber bestimmten Gruppen begegnet.“ Sproll habe früh den antichristlichen Charakter der NS-Ideologie erkannt und sich nicht gescheut, sich ihr offen entgegenzustellen. Sein Handeln sei für uns heute Mahnung und Ermutigung zugleich, unterstreicht der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Hetzkampagnen gegen den Bischof

Joannes Baptista Sproll, der als siebter Rottenburger Diözesanbischof inthronisiert wurde, hatte sich 1938 – als einziger deutscher Bischof – bei der Volksabstimmung über den „Anschluss Österreichs“, die mit einer vorgezogenen Neuwahl des Reichstages verbunden war, enthalten. Jeder, der in der Volksabstimmung dem Anschluss Österreichs zustimmte, wählte automatisch die NSDAP. Dies nahmen die Nationalsozialisten zum Vorwand, um Hetzkampagnen mit wüsten Ausschreitungen gegen den Rottenburger Bischof zu veranstalten. Am 24. August 1938 wurde Sproll von der Geheimen Staatspolizei aus dem Gau Württemberg-Hohenzollern ausgewiesen. Er wurde von der Gestapo nach Freiburg verbracht und dort ausgesetzt. Nach einer Odyssee durch zahlreiche Städte fand der Bischof im September zunächst Zuflucht im Benediktinerkloster St. Ottilien, ab Januar 1941 lebte er im Exil im Heilbad Krumbad in der Diözese Augsburg. Nach siebenjähriger Verbannung kehrte er schwer krank in die Bischofsstadt Rottenburg zurück, einen Tag vor der Bildung der Württembergischen Landesverwaltung durch die französische Militärregierung in Stuttgart. An dieses Datum, das sich nun zum 80. Mal jährt, gilt es zu erinnern.

Einladung

Das Pontifikalamt mit Weihbischof Thomas Maria Renz in Erinnerung an die Rückkehr von Bischof Sproll in seine württembergische Diözese beginnt am Sonntag, 15. Juni, um 9:30 Uhr im Rottenburger Dom St. Martin. Alle Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, an diesem besonderen Gottesdienst teilzunehmen.

Multimedia-Reportage zu Bischof Sproll

Erfahren Sie in der Multimedia-Reportage mit dem Titel „Ungebrochen im Glauben“ mehr über das Leben von Bischof Sproll. Die Reportage ist onlineabrufbar.

 

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