Zum Inhalt springen

Gegen das Vergessen

Anlässlich des heutigen Holocaust-Gedenktags besuchte Bischof Fürst die KZ Gedenkstätte in Hailfingen/Tailfingen.

Rottenburg/Böblingen
Bischof Dr. Gebhard Fürst und der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik in der KZ Gedenkstätte Hailfingen/Tailfingen. Bild: DRS/Moser

Bischof Dr. Gebhard Fürst und der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik in der KZ Gedenkstätte Hailfingen/Tailfingen. Bild: DRS/Moser

Das Wachhalten der Erinnerung an die millionenfache Ermordung von Juden durch die Nationalsozialisten sei der Schlüssel und die einzige Chance dafür, dass die Shoa nicht in Vergessenheit gerate. Dies sagte Bischof Dr. Gebhard Fürst anlässlich einer Gedenkfeier am Mahnmal für die 601 jüdischen KZ-Häftlinge in der KZ Gedenkstätte Hailfingen/Tailfingen. Zu der Veranstaltung hatte der Gedenkstätten-Verein anlässlich des heutigen Holocaust-Gedenktags eingeladen. Zu den Teilnehmern zählte auch der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik. 

[...] Vergessen kommt dem Ungeschehen-Machen gleich.
Bischof Fürst

Bischof Fürst betonte: „In Zukunft können wir uns nicht mehr herausreden. Denn im Erinnern wissen wir, wohin unser Wegsehen, aber auch unser Hinsehen führen kann.“ Es gehe darum wachzuhalten, warum Täter Menschen zu Opfern machten und auch darum, sich an das Leid der Opfer zu erinnern, sagte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. „Denn Vergessen kommt dem Ungeschehen-Machen gleich.“

Erinnerungen an Geschehnisse drohen zu verblassen

Dabei müssten wir heute mehr denn je innehalten und uns fragen: „Was tun wir, damit sich Auschwitz nie wieder wiederholt?“ Dies vor allem auch deshalb, weil immer weniger Zeitzeugen ihre Geschichte erzählen könnten und die Erinnerung daher zu verblassen drohe. Und Bischof Fürst hielt, den Schriftstellers Navid Kermani zitierend, fest: „Damit sich überhaupt eine Erinnerung ins Herz brennt, auf die sich die Mahnmale, Stolpersteine, Gedenkrituale beziehen, wird es für künftige Generationen noch wichtiger sein, mit eigenen Augen die Orte zu sehen, an denen Deutschland die Würde des Menschen zermalmte, jene Länder zu bereisen, die es mit Blut tränkte.“

Antisemitismus und Verschwörungstheorien nehmen zu

Mit Blick auf die Gegenwart verwies der Bischof in seiner Ansprache darauf, dass es gerade in den vergangenen Monaten zu erleben gewesen sei, dass menschenverachtende Parolen wieder laut ausgesprochen, dass Anschläge verübt wurden und jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger zunehmend nicht mehr sicher seien. „Antisemitismus verbunden mit haltlosen Verschwörungstheorien nehmen in unserer Gesellschaft nachweislich zu.“ Doch die Alltäglichkeit, in der sich das Böse verbreite, könne uns heute nicht mehr entschuldigen. „Denn von der Erinnerung her wissen wir, wohin das Böse führen kann“, betonte Bischof Fürst und hielt fest: „Erst wenn wir den Tätern und allen potentiellen und in der Zukunft möglichen Täterschaften und ihren jetzigen Anfängen ins Auge sehen, geben wir nicht nur Zeugnis für das, was geschehen ist, sondern auch gegen das, was wieder geschieht.“

Hinweise

Die Ansprache von Bischof Dr. Gebhard Fürst im Wortlaut finden Sie hier zum Download.

Weitere Informationen zur KZ Gedenkstätte Hailfingen/Tailfingen gibt es online unter:
kz-gedenkstaette-hailfingen-tailfingen.de

Mehr zum Autor

Aktuelles

zum Thema

Markus Waggershauser

Gedenken ein Jahr nach dem Zugunglück

Zell

Ökumenischer Gottesdienst in Zell-Bechingen mit Angehörigen der Opfer, Betroffenen und Helfenden erinnert an ein Ereignis, das alles verändert hat.

Ein Kenner der Stadtgeschichte und der Kirchenkunst

Rottenburg

Ein Nachruf auf den Rottenburger Geschichtsschreiber Dieter Manz, der am Montag, 26. Januar, auf dem Klausenfriedhof beigesetzt wird.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Blutreitergruppe Meckenbeuren

In Treue zum Weingartener Blutritt

Meckenbeuren

Wie andere in den letzten Jahren feiert die Blutreitergruppe Meckenbeuren 2026 ihre Gründung vor 100 Jahren mit Gottesdienst und Reiterprozession.

DRS / Annika Werner

Landwirt sein, aus Liebe zur Familie und zur Natur

Rottweil

Der Hof der Sauters ist seit 300 Jahren im Familienbesitz. Damit er weiterbestehen kann, führt ihn der 33-jährige Samuel auf mehreren Standbeinen.

Angelika Sönnichsen

Frieden wächst, wo Menschen einander begegnen

Rottenburg

Bischof Dr. Klaus Krämer besucht Friedens-, Bildungs- und Klimaprojekte in Burundi. Die Reise zeigt, wie langjährige Partnerschaft Zukunft schafft.

Christine Eberle

Kunst zum Entdecken und Nachdenken

Ellwangen (Jagst)

Eine Ausstellung mit Werken von Judith Wettemann-Ebert knüpft an die Themen der Landesgartenschau und besonders an die dortige Blumenschau an.

Markus Waggershauser

Im Storchengang durchs kalte Wasser

Jordanbad

Wassertreten im Kneippbecken ist gut für die Gesundheit und erfrischt im Biberacher Jordanbad und anderswo Körper und Seele - nicht nur im Sommer.