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„Geistliches Wohnzimmer“ als lebendiger Mittelpunkt

Mit großer Freude und ganz viel Dankbarkeit haben die Ramminger Gläubigen ihre sanierte St.-Georgs-Kirche wieder in Besitz genommen.

Rammingen

Nach fast vierjähriger Sanierungszeit erstrahlt St. Georg in Rammingen in neuem Glanz. Zur feierlichen Altarweihe kam Weihbischof Thomas Maria Renz in die Gemeinde nordöstlich von Ulm. Foto: Manuel Rau

Türkis und tannengrün, smaragd und kiwigrün, in schier unzählbaren grünen Nuancen leuchtet der neue Altar von St. Georg. Auch wenn es in Wahrheit davon abhängt, wie er von Sonnenstrahlen oder Scheinwerfern angestrahlt wird, scheint es, als ob der Altar aus geschichteten Glasscheiben von innen heraus leuchtet – symbolisch für Christus, der das Licht der Welt ist und dazu einlädt, an diesem Tisch mit IHM Mahl zu feiern.

Die Altarweihe durch Weihbischof Thomas Maria Renz war deshalb mehr als die feierliche Wiedereröffnung der Kirche nach umfangreicher Renovierung; der Prediger lud auch dazu ein, einmal mehr darüber nachzudenken, „was uns die Feier der Eucharistie bedeutet, was sie uns wert ist und was wir uns sie kosten lassen im Alltag“. Als der Ort, „um den sich Menschen in frohen und traurigen Stunden ihres Lebens versammeln dürfen, in Glück und Unglück, in Freud und Leid“, bilde der Altar die einladende Mitte der Kirche, in der sich alle Menschen ganz „zuhause“ fühlen dürfen, die sie als ihr „geistliches Haus“ sehen und bewohnen sollen, sagte Renz.

Auch die Seele braucht Nahrung

Zur Ausstattung dieses „geistlichen Wohnzimmers“ gehört auch der Ambo, der in seiner Gestaltung mit dem Altar korrespondiert. Die Münchner Künstlerin Sabine Straub hat auch hier geschichtete Glasscheiben in dunkle Stahlplatten eingearbeitet; die Scheiben nehmen Licht auf, bündeln und reflektieren es. Weihbischof Renz erinnerte daran, dass Menschen nicht nur das tägliche Brot, „sondern auch die tägliche Ansprache, den Dialog, das Hören und Gehörtwerden durch andere“ brauchen. Denn „es hungert uns Menschen nicht nur der Magen, sondern auch die Seele: Beide brauchen eine regelmäßige Nahrung. Oder mit den Worten der Heiligen Schrift: ‚Der Mensch lebt nicht allein von Brot, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht.‘“

Zu jedem der drei zentralen liturgischen Orte, die der Weihbischof seiner Bestimmung übergab – neben Altar und Ambo auch die neu gestaltete Taufkapelle –, hielt das Evangelium des Tages eine passende Seligpreisung parat: „Selig, Ihr Armen, denn Euch gehört das Reich Gottes!“ Gott mache „uns Arme in der Taufe zu Reichen, indem ER uns als seine viel geliebten Kinder annimmt und uns damit nämlich auch zu Erben seines Reiches macht“, erinnerte Renz und wünschte der Gemeinde eine lebhafte Nutzung ihrer schmucken Kirche.

In drei Bauabschnitten renoviert

Die Geschichte des im Wesentlichen neugotischen Gotteshauses reicht bis zum Ende des 13. Jahrhunderts zurück: Der Glockenturm nördlich des Chores stammt in den unteren Geschossen aus romanischer Zeit, Chor und Glockengeschoss des Turms sind spätgotisch, das Mittelschiff, Seitenschiffe und Sakristei südlich des Chores wurden nach Plänen von Joseph Cades Ende des 19. Jahrhunderts neu errichtet.

In drei Bauabschnitten wurde die St.-Georgs-Kirche gründlich renoviert. Akuter Handlungsbedarf bestand 2021 zunächst an schadhaften Sandsteinabdeckungen, die gesichert werden mussten, und am Dachstuhl. Im Mai 2022 ging es mit der Sanierung des Kirchturmes weiter: Glockenstuhl, Glockenaufhängung und Geschossbalken wurden ausgebessert, am achteckigen Turmaufsatz Teile des Holzständerwerks ausgewechselt und die Kupferhaube erneuert, der Turm neu gestrichen. Im Zuge der Innensanierung seit April vergangenen Jahres wurden die Elektrik und die Heizung hergerichtet, die Orgel gründlich überholt, die Innenausmalung gereinigt und schließlich die liturgischen Orte neu gestaltet.

Große Anerkennung zollte Diakon Johannes Steck den Handwerkerinnen und Handwerkern für hervorragende und unfallfreie Arbeit. Mehr als 30 Firmen und Handwerkerbetriebe, viele davon aus der näheren Umgebung und sogar aus Rammingen selbst, waren an der Renovierung beteiligt. Besondere Anerkennung zollte Pfarrer Claus Stoll wiederum dem Diakon, bei dem in der fast vierjährigen Renovierungszeit viele Fäden zusammenliefen.

„Wichtige Säule unseres Gemeinwesens"

In einem Grußwort wies Bürgermeister Christian Weber auf den zentralen Stellenwert der St.-Georgs-Kirche für die Ramminger Bürgerinnen und Bürger hin. Nach wie vor sei das Gotteshaus Wahrzeichen und Mittelpunkt (auch) der bürgerlichen Gemeinde und bilde einen „lebendigen Ort der Begegnung, des Glaubens und der Gemeinschaft“. Mit „ihrem Engagement, ihrem Glauben und ihrer Hingabe“ trügen viele Menschen als ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sowie in Gruppen und Vereinen unter dem Dach der Kirche „maßgeblich dazu bei, dass unsere Kirchengemeinde eine so wichtige Säule unseres Gemeinwesens ist“, sagte Weber. „Die Bedeutung der Kirche und ihrer angegliederten Institutionen für den sozialen Zusammenhalt in Rammingen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.“ Es gelte, diese Partnerschaft zwischen kirchlichen und kommunalen Strukturen weiter zu pflegen und gemeinsam daran zu arbeiten, „dass unsere Kirche auch in Zukunft ein lebendiger Mittelpunkt unserer Gemeinde bleibt“ – ein Ort, „an dem wir Gemeinschaft erleben, Kraft schöpfen und unseren Glauben leben können“, sagte der Bürgermeister.

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