Erwachsene sind oft mit sich selbst beschäftigt, junge Leute mit ihrem Smartphone - und die Älteren sind einsam. Auch wenn das die gesellschaftliche Entwicklung eher klischeehaft beschreibt, sind die Großfamilie und das Zusammenspiel von Zusammenhalt und Sozialkontrolle selbst im ländlichen Raum meist Vergangenheit. Wie kann unter heutigen Rahmenbedingungen ein neues Miteinander entstehen, das Dörfer und Stadtquartiere für alle Generationen lebenswert macht, so dass man dort auch gut alt werden kann? Ehemalige katholische Krankenpflegevereine, die mit der Kranken- und Pflegeversicherung ihren ursprünglichen Zweck verloren hatten, nahmen sich an mehreren Orten dieser Frage an. In der Bad Waldseer Ortschaft Reute-Gaisbeuren nannten sie sich „Solidarische Gemeinde“.
Nach diesem Vorbild ist heute auch Aulendorf „Solidarische Gemeinde“ - getragen vom gleichnamigen Verein. Unter dem Motto „Gemeinsam geht's besser“ stehen diese Woche Digital-Café und Morgengymnastik, Stadtge(h)spräche und Treffen der Adipositas-Freunde, Reparatur-Café und Spiele-Treff auf dem Programm. „Wir haben drei Säulen“, erklärt Josef Bühler, der zusammen mit Stefanie Dölle dem Verein vorsteht. Bei „Geselliges Aulendorf“ gehe es darum Treffpunkte zu schaffen und bei „Gesundes Aulendorf“ um Gesundheitsprävention. Im Primärversorgungsnetzwerk arbeite der Verein mit dem Ärztehaus niederschwellig zusammen. „Die dritte Säule ist ‚Sorgendes Aulendorf‘, wo wir Besuchs- und Begleitdienste für Ältere machen“, ergänzt der 69-Jährige.