Wenn die Welt immer weiter auseinanderdriftet, wird Begegnung und Dialog zwischen Kulturen und Religionen umso wichtiger. Als einer der ersten seiner Art setzt sich der Ulmer „Rat der Religionen“ seit 2012 für Verständigung und das friedliche Zusammenleben der Menschen verschiedener Religionen ein. Beim Begegnungs-Festival „Kirche mit Mission“ der Evangelischen Landeskirche in Württemberg stieß deshalb die Teilnahme von Vertretern verschiedener christlicher und muslimischer sowie der jüdischen Gemeinde auf besonderes Interesse. Gleich zu Beginn des zentralen Bühnenprogramms des Festivals würdigte Oberbürgermeister Martin Ansbacher die integrative Arbeit des Rats.
Über den eigenen Horizont hinausdenken
Für die katholische Kirche unterstrich Dekan Ulrich Kloos das zentrale Anliegen des Rats der Religionen, „einander zu kennen und zu zeigen, dass wir gläubige Menschen sind und gemeinsam für den Frieden einstehen“. Immer wieder, auch in schwierigen Situationen, habe der Rat unter Beweis gestellt, dass sich die Religionen nicht auseinanderdividieren lassen, sondern solidarisch zusammenstehen. Mit multireligiösen Friedensgebeten wie kürzlich im „Haus der Begegnung“ und mit weiteren symbolkräftigen Initiativen wie der regelmäßigen Blutspendeaktion „als Zeichen der Solidarität, die gläubigen Menschen aller Religionen gemeinsam ist“, zeigt der Rat, wie es gelingen kann, über den eigenen Kirchturm, den eigenen Horizont hinauszudenken.
Bereit sein, einander wirklich zuzuhören
„Über den Kirchturm hinaus“ lautete das Motto des ersten Begegnungs-Festivals, mit dem die evangelische Kirche weltkirchliches Flair in das Ulmer Münster und auf den Münsterplatz brachte. Programm- und Aktionsstände verschiedener Organisationen, kulturelle Darbietungen und kulinarische Köstlichkeiten internationaler Gäste, etwa aus Kamerun, Bosnien, Griechenland und Indien, sollten den Wert und die Chancen von interkulturellem und interreligiösem Austausch aufzeigen. Bei einem Festgottesdienst am Vormittag unterstrich Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl den hohen Stellenwert von Begegnung und Dialog und mahnte die Bereitschaft an, einander wirklich zuzuhören. Die Position des Gegenübers zu verstehen, bedeute nicht, sie teilen zu müssen, könne aber zu Erkenntnis führen und ein Schritt der Veränderung hin zu einer besseren Welt sein.