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Gemeinsam Sorge tragen

Der Umgang mit dem Lebensende war Leitthema des Jahresempfangs der katholischen Bischöfe in Baden-Württemberg im Neuen Schloss in Stuttgart.

Stuttgart/Freiburg

Foto: Ines Rudel

Erzbischof Stephan Burger (Freiburg) begrüßte die Gäste aus Politik und Kultur und betonte die zentrale Bedeutung des Themas in der heutigen Gesellschaft: „Es geht um unser Verständnis von Leben und Tod: Sterben in Würde – Sterben als ein Teil des Lebens.“ Er stellte die Frage, was menschenwürdiges Sterben ausmache und wie eine „Kultur des Lebens und Sterbens“ geschaffen werden könne. „Es gilt, die im christlichen Glauben vorhandenen, aber oftmals verschütteten Zugänge zu einer Kultur des Sterbens neu zu entdecken. Das ist die Herausforderung, die sich uns gegenwärtig stellt. Denn das meint christliche Verantwortung in der Welt von heute: diese Zugänge klar zu fassen und als Dialogangebot in die gesellschaftlichen Debatten um eine Kultur des Sterbens einzubringen“, so Burger.

Die gemeinsame Sorge um die Sterbenden und ihre Angehörigen – heute als „Palliative Care“ bezeichnet – sei ein „Dienst der Nächstenliebe“, betonte der Erzbischof. Dazu verwies er auf das im vergangenen Jahr als Initiative der Erzdiözese Freiburg eingesetzte „Palliative Care Forum“, das diese Bemühungen unterstützen und dabei auch die Politik in die Diskussion einbeziehen möchte: „im gemeinsamen Engagement Vieler, genährt aus christlicher Grundhaltung, bei der Gestaltung einer Kultur des Sterbens und Lebens mitzuwirken.“

Kretschmann: Unterstützung der ambulanten Hospizdienste durch das Land

„Viele neigen zum Aufschieben oder Verdrängen, wenn es darum geht, Tod und Abschied vorauszudenken. Sie wenden sich lieber scheinbar näherliegenden und sonnigeren Angele-genheiten zu. Die Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen wird von den christlichen Kirchen beider Konfessionen, von Caritasverband und vom Diakonischen Werk als zentrale Aufgabe begriffen und wahrgenommen“, so Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Das Land Baden-Württemberg unterstützt die ambulanten Hospizdienste, indem es die Weiterbildung und die Trauerbegleitung fördert. Mit unserer bereits 2014 verabschiedeten Hospiz- und Palliativversorgungskonzeption wollen wir es sterbenden Menschen ermöglichen, ihre letzte Lebensphase zu Hause zu verbringen.“

Aras: „Unantastbare Würde des Menschen im Leben und im Sterben“

Auch Landtagspräsidentin Muhterem Aras betonte in ihrem Grußwort die Verbindung von Leben und Tod: „Zu einem Leben in Würde gehört auch ein Sterben in Würde.“ Sie dankte allen, die dafür sorgen, dass das Leben zum Sterben gehört und einen Abschied in Würde ermöglichen: „Holen wir kranke, schwache und alte Menschen aus dem Rand in die Mitte unserer Gesellschaft zurück. Und verwirklichen wir die unantastbare Würde des Menschen im Leben und im Sterben.“

Im Podiumsgespräch mit Prof. Dr. med. Dipl.-Theol. Gerhild Becker (Palliativmedizin, Universitätsklinikum Freiburg), Diözesan-Caritasdirektor Thomas Herkert (Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg) Prof. Dr. Dr. h.c. Dipl. Psych. Andreas Kruse (Gerontologie, Universität Heidelberg) und Sabine Weidert (Ambulanter Hospizdienst, Caritasverband für den Landkreis Emmendingen) wurde das Leitthema aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Moderiert wurde das Gespräch von Clemens Bratzler (SWR).

Die aktuelle Situation der Sterbebegleitung sowie das Engagement und die Aufgabe der Kirchen in diesem Bereich standen dabei im Zentrum der Diskussion. Daneben ging es auch um die Herausforderung einer Kulturveränderung hin zu einer Gesellschaft, die sterbende Menschen in ihre Alltagsrealität zurückholen. Eine sorgende Gemeinschaft wurde dabei als Weg beschrieben, um als Gesellschaft die Würde der Menschen am Lebensende nicht preiszugeben. Hier wurden Möglichkeiten diskutiert, wie Kirche und Politik in ihrem Engagement ihr Handeln ergänzen sollten.

Schaffen einer „Kultur der Hilfe im Sterben“

Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart) verwies in seinem Schlusswort darauf, dass man einen Sterbenden in einem Hospiz üblicherweise als Gast bezeichne. Dieser Begriff sei in Bezug auf den Umgang mit sterbenden Menschen nachvollziehbar, da ein Gast lediglich für einen begrenzten Zeitraum anwesend sei und besondere Aufmerksamkeit benötige. Daraus folgerte der Bischof: „Wenn wir Menschen am Lebensende wirklich als Gäste wahrnehmen – dann ist es undenkbar, dass wir sie vergessen oder medizinische Maßnahmen ergreifen, die ihr Leben verkürzen.“ Außerdem verwies Fürst auf eine repräsentative Bevölkerungsbefragung, die ergab, dass sich „die Mehrheit der Menschen in Deutschland eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Sterben wünscht“. Die Verantwortungsträger in Gesellschaft und Kirche rief der Bischof demnach dazu auf „eine Kultur der Hilfe im Sterben zu schaffen, zu pflegen und anzubieten“.

Unabhängiger kirchlicher Journalismus

„Alpha & Omega“ sei auch ein bewusstes Zeugnis dafür, dass die Kirchen Antwortmöglichkeiten für die Fragen der Zeit haben, sagte Christoph Neubrand, Generalvikar der Erzdiözese Freiburg. Nicht das Tohuwabohu, also das Chaos, die Dunkelheit siege, sondern Menschen handelten aus ihrer Hoffnung und ihrem Glauben in dieser Zeit. Das vermittle dieses Format für den privatrechtlichen Rundfunk, so Neubrand.

„Alpha & Omega“ sei einfach eine gut gemachte Fernsehsendung, die zeige wie wichtig unabhängiger kirchlicher Journalismus sei, hielt der württembergische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl fest. Diese Sendung biete nicht nur Themen von A bis Z an, so könne man das biblische Alpha und Omega verstehen, sondern lasse schon im Titel anklingen, dass Christus sich als der Erste und der Letzte, als Anfang und Ende alles Lebens bezeichnet habe.

Die Jubiläumssendung

Im Rahmen des Festaktes wurde die Jubiläumssendung von "Alpha & Omega – Kirche im Gespräch" aufgezeichnet. Diese Sondersendung gestalteten die beiden
Redaktionen gemeinsam ökumenisch. Unter dem Motto "25 Jahre Alpha & Omega – Engagiert für Gott und die Welt" sprachen Moderatorin Juliane Eberwein und Moderator
Christian Turrey mit ihren Jubiläums-Gästen:

  • Philipp Geissler, Sportpfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg
  • Sonja Hagenmayer, Leiterin Schlupfwinkel Stuttgart – Anlaufstelle für wohnungslose Jugendliche
  • Andrea Katzer, Malteser Kornwestheim – Ausbildung Besuchshunde
  • Reiner Saleth, Schuldnerberatung Evangelische Gesellschaft Stuttgart
  • Anton Vaas, Aktion Hoffnung Rottenburg-Stuttgart – Kleidersammelaktion und Eine-Welt-Projektunterstützerin

Der Erfolg von „Alpha & Omega“ zeigt sich unter anderem auch daran, dass das Format nach dem „Wort zum Sonntag“ die langlebigste Kirchensendung im deutschen Fernsehen ist. Im Laufe der 25 Jahre waren unter anderen Heiner Geißler, Maite Kelly, Samuel Koch, Erwin Teufel, Margot Käßmann, Petra Gerster, Kira Geiss, Andreas Malessa, Oliver Ostermann, Josia Topf, Erik Flügge und David Kadel zu Gast. Bis heute wurden insgesamt 660 evangelische Sendungen mit etwa 2100 Gästen, sowie 660 katholische mit zirka 1900 Gästen in ganz Baden-Württemberg ausgestrahlt.

Interview

Von Anfang bis Ende

Im Interview beantworten Christian Turrey, Moderator und Chefredakteur der Redaktion KiP (Katholische Kirche im Privatfunk), Heidrun Lieb, Moderatorin der evangelischen Sendungen von Alpha & Omega, sowie Jens Schmitt, Bereichsleiter Videoredaktion im Evangelischen Medienhaus, und Bettina Ditzen, Chefin vom Dienst/Redaktionsleiterin Alpha & Omega, Fragen zu 25 Jahren  "Alpha & Omega".

Das ganze Interview können Sie hier lesen.

Das Themenportfolio der 30-minütigen Gesprächssendung reicht seit  25 Jahren „von Anfang bis Ende“ eines Menschenlebens, wie die übertragene Bedeutung des Sendetitels lautet. Vom Lebensbeginn wie Reproduktionsmedizin und Taufe bis hin zu Fragen der Trauer- und Sterbekultur. Die Sendung informiert über kirchliche Aktivitäten religiöser, sozialer und kultureller Art und diskutiert über die kirchliche Sicht zu den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen.

Bis heute einzigartige Zusammenarbeit

Seit einem Vierteljahrhundert wird das Kirchenmagazin gemeinsam von der Videoredaktion der Evangelisches Medienhaus GmbH und der katholischen Fernsehredaktion KiP-TV gestaltet – eine bis heute einzigartige Zusammenarbeit. Tobias Glawion, Geschäftsführer der Evangelischen Medienhaus GmbH, sagte angesichts der 25-jährigen Kooperationserfahrung mit der katholischen Redaktion: „Die beiden Redaktionen bei KiP-TV und dem Evangelischen Medienhaus arbeiten sehr gut zusammen. ‚Alpha & Omega‘ ist mit unserem tollen und innovativen Team auch für die weitere Zukunft gut aufgestellt. So dass wir ganz im Sinne der Evangelischen Publizistik weiter Fürsprache üben, Barmherzigkeit vermitteln, Stimme leihen für die Sprachlosen und damit den vielen TV-Zuschauern Hoffnung schenken. Damit sind diese Sendungen wichtige Impulsgeber für eine menschliche Gesellschaft.“

Aktuell ist "Alpha & Omega" bei den Sendern der Regio TV-Gruppe im Umkreis von Stuttgart, Ulm und am Bodensee, L-TV im Raum Heilbronn/Franken, bw|future.tv landesweit und Bibel TV bundesweit zu sehen. Die katholische Ausgabe wird zusätzlich im Rhein-Neckar-Fernsehen um Mannheim/Heidelberg sowie bei Baden TV und Baden TV Süd im Karlsruher und Freiburger Raum ausgestrahlt. Mit den rund 35 Wiederholungen werden geschätzt eine Million Zuschauer erreicht.

Die Sendungen sind seit elf Jahren auch auf YouTube in einem eigenen Kanal eingestellt, bei den Abrufen liegt hier eine Sendung mit Pater Anselm Grün mit mehr als 160.000 Abrufen vorne. Seit drei Jahren wird die Sendung unter dem Titel „Alpha & Omega – mehr als du glaubst“ auch als Podcast auf den verschiedenen Plattformen zum Nachhören angeboten.

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