Täglich kommen zwischen 25 und 30 Frauen vorbei, um die Angebote zu nutzen. Neben der Möglichkeit sich um alltägliche Dinge zu kümmern, gibt es auch ein Kreativangebot. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen bieten zum Beispiel Nähen, Singen oder einen PC-Kurs an – je nachdem welche Interessen oder Fähigkeiten, die Ehrenamtlichen mitbringen. Alle Angebote sind sehr niederschwellig und so offen wie möglich gehalten: Die Frauen müssen sich nicht anmelden kommen und gehen, wann sie wollen. Sprich: kein Druck, kein Zwang. Das betrifft auch, was die Frauen von sich preisgeben, so Stoll. „Wir wissen manchmal nicht, wie die Frauen heißen, wo oder wie sie wohnen oder in welcher Einrichtung sie sind. Das ist alles kein Thema, solange sie es nicht von sich aus thematisieren.“
Schutzraum für Frauen
Die Frauen können hier anonym bleiben. Sich um sich selbst kümmern. „Unser großes Ziel ist es einen Ort zu schaffen, an dem Frauen geschützt sind. Sie sollen sich wohlfühlen und Angebote nutzen, bei denen sie Spaß haben und sich kreativ austoben dürfen“, sagt Bereichsleitung Ingrid Stoll. Insbesondere beim Kreativ-Angebot haben die Frauen die Möglichkeit einen anderen Blick auf sich zu werfen. Femmetastisch möchte die Frauen ermutigen und ihr Selbstwertgefühl stärken durch einen Ort, wo niemand etwas will und keine Ansprüche an sie gestellt werden.
Ein paar Regeln gibt es trotzdem: „Es darf nicht zu laut werden und sie müssen respektvoll miteinander umgehen“, sagt Ingrid Stoll. Wenn es zu einem Konflikt kommt und sich eine Frau so danebenbenimmt, dass sie Hausverbot bekommt, dann wird das Problem zuerst gemeinsam besprochen, bevor sie wieder vorbeikommen darf. Denn solche Situationen können andere belasten. Femmetastisch ist schließlich ein geschützter Raum für alle Frauen.
Man sieht es den Betroffenen oft nicht an, dass sie auf der Straße leben, weil sie das sehr gut verstecken. Sie wollen den Schein aufrechterhalten und ihre Ehre bewahren.
Charlotte Gerstner
Rund ein Viertel der Wohnungslosen in Deutschland sind Frauen. Auf der Straße sind sie aber kaum sichtbar. Man spricht von „verdeckter Obdachlosigkeit“. Denn sie versuchen nicht aufzufallen. Besonders das äußere Erscheinungsbild ist den Frauen wichtig, erklärt die pädagogische Mitarbeiterin Charlotte Gerstner. „Man sieht es den Betroffenen oft nicht an, dass sie auf der Straße leben, weil sie das sehr gut verstecken. Sie wollen den Schein aufrechterhalten und ihre Ehre bewahren.“ Die Strategien von Frauen und Männern seien bei der Wohnungslosigkeit sehr verschieden. Aus Scham suchen sich die Betroffenen oft keine Hilfe oder gestehen sich ihre Notlage nicht ein, sondern finden erst einmal Unterschlupf bei Freunden und Bekannten. Häufig komme es zu einer „Wohnprostitution“. „Wohnungslose Frauen sind häufig abhängig von Männern. Sie bieten sich an, um einen Schlafplatz zu bekommen“, erklärt Ingrid Stoll.
Gesundheitliche Versorgung für wohnungslose Frauen
Die prekären Wohnsituationen, in denen sich viele der Frauen befinden, wirken sich auch auf ihre Psyche aus. Es setzt sie unter Druck und begünstigt andere Probleme wie psychische Erkrankungen – diagnostiziert oder nicht diagnostiziert – finanzielle Sorgen oder gesundheitliche Probleme. Ein Teufelskreis aus dem die meisten nicht mehr rauskommen – besonders nicht ohne Unterstützung. Viele der Frauen meiden Arztbesuche und waren teilweise jahrelang nicht mehr beim Zahn- oder Frauenarzt. Gerade diese Untersuchungen sind für Frauen mit Gewalterfahrung schwierig sein. Das medizinische Hilfsangebot „MediA“ setzt genau dort an. „Frau Schrag von MediA bietet unkompliziert Entlastungsgespräche im Tagestreff an und bringt die Frauen wieder zurück in die Gesundheitsfürsorge. Sie hat Kontakt zu anderen Ärzten, kennt frauenspezifische Angebote und kann die Frauen auch zu Terminen begleiten, um ihnen ein stückweit auch die Angst zu nehmen“, erklärt die pädagogische Mitarbeiterin Charlotte Gerstner.