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Geschichte, die heute verbindet

Das Projekt „Friedensglocken für Europa“ setzt abermals ein Zeichen, diesmal in der niederschlesischen Diözese Świdnica/Schweidnitz.

Schweidnitz/Rottenburg
Bischof Dr. Klaus Krämer, Bischof Marek Mendyk und Weihbischof Dr. Gerhard Schneider stehen vor der Kathedrale in Świdnica/Schweidnitz am Anhänger mit der Glocke, die aus dem Rottenburger Priesterseminar nach Polen zurückkehrt.

Bischof Dr. Klaus Krämer, Bischof Marek Mendyk und Weihbischof Dr. Gerhard Schneider stehen vor der Kathedrale in Świdnica/Schweidnitz am Anhänger mit der Glocke, die aus dem Rottenburger Priesterseminar nach Polen zurückkehrt. Foto: DRS/Guzy

Gottesdienstbesucher infomrieren sich über die Geschichte der Glocke aus Tuntschendorf/Tłumaczów.

Gottesdienstbesucher informieren sich über die Geschichte der Glocke aus Tuntschendorf/Tłumaczów. Foto: DRS/Guzy

Neugierig beäugt ein älteres Ehepaar die beiden Glocken, die vor dem Eingang zur Kathedrale in Świdnica/Schweidnitz präsentiert werden – die eine auf einem großen Pkw-Anhänger, die andere in einem grünen Transporter. Das Paar erkundigt sich, was es mit diesen auf sich hat. Eigentlich macht es nur Urlaub in der polnischen Stadt und ist ungezielt an der Kathedrale vorbeigekommen, wie der Mann erzählt. Und nun seien sie „auf ein Stück Geschichte gestoßen“.

Denn die beiden Glocken kehren nach Jahrzehnten in die Orte Seitendorf/Gniewoszów und Tuntschendorf/Tłumaczów in der heutigen niederschlesischen Diözese Świdnica/Schweidnitz zurück. Möglich gemacht hat es das Projekt „Friedensglocken für Europa“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Die beiden Glocken, die im 17. Jahrhundert gegossen worden waren, gehörten zu den schätzungsweise an die 100.000 Glocken, die während des Zweiten Weltkriegs auf Befehl der Nationalsozialisten abgehängt werden mussten, um sie als Materialquelle der Rüstungsindustrie zur Verfügung zu stellen. Nach dem Krieg kehrten die Glocken, die nicht zerstört worden waren, in ihre Kirchengemeinden zurück. Für Glocken aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten war dies damals allerdings aus politischen Gründen nicht möglich. Daher wurden sie als sogenannte Leihglocken Gemeinden in der jungen Bundesrepublik zugewiesen.

Dank für die Rückkehr

So hing eine der beiden Glocken, die das Ehepaar nun vor der Kathedrale in Świdnica/Schweidnitz besichtigen kann, in der Kapelle des Rottenburger Priesterseminars. Die andere Glocke läutete zunächst in einer Kirchengemeinde der Diözese Rottenburg-Stuttgart und kam dann ins Depot.

Diese Historie erfährt das Paar vor der Kathedrale, während in der Kirche der Gottesdienst zu Ende geht, mit dem die Rückkehr der Glocken aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart in die Diözese Świdnica/Schweidnitz gefeiert wird. In dem Gottesdienst dankt der polnische Bischof Marek Mendyk dafür, dass die Glocken in seine Diözese zurückgehen. Die Glocken mögen zum Frieden rufen, sagt er auch angesichts der „unsicheren Zeiten“.

Bischof Dr. Klaus Krämer stellt den Gottesdienstbesuchern das Projekt „Friedensglocken für Europa“ vor. In der prachtvoll ausgestatteten Kathedrale sind nicht nur die Mitglieder der Rottenburger Delegation versammelt – darunter auch die erst im März dieses Jahres zu Diakonen geweihten Priesteramtskandidaten –, sondern auch Vertreterinnen und Vertreter aus den Heimatgemeinden der Glocken.

Freude und Überraschung

„Wir feiern heute einen großen Triumph des Friedens über Unrecht und Krieg“, sagt Bischof Krämer. Die Glocken bringen nun die Menschen in Polen und Deutschland nicht auseinander – sondern zusammen, wie er erklärt. Bischof Krämer erinnert in seiner Predigt auch an den Brief der polnischen Bischöfe an die deutschen Bischöfe im Jahr 1965, der in der Versöhnungsgeschichte der beiden Länder einen bedeutenden Schritt darstellte.

Bischof Mendyk, Bischof Krämer und Weihbischof Dr. Gerhard Schneider segnen die beiden Glocken am Ende des Gottesdienstes. Nicht nur für das Urlaubspaar sind die Glocken dann eine Attraktion, sondern erst recht für die Leute aus den kleinen Heimatorten. Sie stehen zusammen mit den Delegationsmitgliedern aus Rottenburg-Stuttgart um den Anhänger und den Transporter herum. Gespräche entstehen. „Es ist eine große Freude“, sagt Agata Szubarczyk. Sie gehört in der Pfarrei, die Gniewoszów umfasst, zum Pfarrgemeinderat. „Wir waren positiv überrascht“, antwortet sie auf die Frage, wie die Nachricht von der Glockenrückkehr aufgenommen worden sei.

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