Zum Inhalt springen

Glaubensbekenntnis in Glas

Ein Vortrag erschließt die „Credo-Fenster“ des Künstlers Josef de Ponte in der Kirche St. Martinus.

Schwaigern
„Credo-Fenster“ in der Kirche St. Martinus

Die Sonne lässt die einzelnen Glassteine der Fenster strahlen. Foto: DRS/Guzy

Kirche St. Martinus

Die Fenster prägen das Innere der Kirche St. Martinus. Foto: DRS/Guzy

Am Abend scheint die Sonne in der Kirche St. Martinus in Schwaigern direkt durch die raumhohen Fenster links und rechts vom Altarraum. Sie stammen vom ungarndeutschen Künstler Josef de Ponte. Am 5. Oktober wäre er 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass bereiten die Stadt und die Kirchengemeinde für den Herbst eine Ausstellung zu dem Künstler vor, der mit Materialien wie Glas, Stein, Putz profane und auch zahlreiche sakrale Gebäude in der Region und darüber hinaus ausschmückte. Im Vorgriff aufs Jubiläum erläuterte Cäcilia Henrichs das Bildkonzept hinter den sogenannten „Credo-Fenstern“.

Die beiden Fensterpartien setzen sich aus jeweils fünf 80 Zentimeter breiten und acht bis zehn Meter hohen, aus Glas und Beton gestalteten Streifen zusammen – ein „gestalterisch schwieriges Format“, wie Henrichs sagte. Die promovierte Kunsthistorikerin ist selbst Mitglied der Kirchengemeinde und recherchiert für die Ausstellung.

Die einzelnen Fenster haben im unteren Teil ein thematisches Bildmotiv und darüber jeweils eine blau-weiße Fläche. Diese wird durch Linien durchzogen, die die Fenster miteinander verbinden.

Bild für Bild

Henrichs ordnete den Fenstermotiven Passagen aus dem Glaubensbekenntnis zu. Die Fenster gehen demnach in ihrem Bildprogramm - von links nach rechts - das komplette Glaubensbekenntnis durch, mit dem Schöpfer beginnend und mit dem ewigen Leben endend. Dabei zeigte Henrichs, dass der Künstler bei der Darstellung der einzelnen Motive teilweise auf jahrhundertealte ikonographische Elemente zurückgriff. Die meisten Motive sind figürlich und erschließen sich sofort: zum Beispiel der Gekreuzigte. Es gibt aber auch Kompositionen aus abstrakteren Elementen, wie bei der Darstellung der Schöpfung.

Die imposanten Fenster können ihre Wirkung erst seit einer Umgestaltung in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre voll entfalten. Zuvor war eine Empore vorgesetzt. „Man nimmt die Fenster nun ganz anders war“, sagte Pfarrer Dr. Alois Schenk-Ziegler.

Die Kirche St. Martinus wurde im Jahr 1964 geweiht und hat noch mehr Arbeiten von de Ponte. Der Künstler war Mitglied der Kirchengemeinde. De Ponte wurde am 5. Oktober 1922 in Budakeszi in Ungarn geboren. Er studierte an der Akademie der angewandten Künste in Budapest und nahm Unterricht bei Herbert Böckl in Wien. Im Jahr 1944 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und geriet in russische Gefangenschaft. Später, 1946, wurde de Ponte mit Eltern und Großeltern wie zahlreiche andere Ungarndeutsche vertrieben. Er ließ sich zunächst in Heilbronn nieder und zog 1965 mit Frau und Kindern nach Schwaigern, wo er bis zu seinem Tod am 16. Mai 2006  in seinem Atelier arbeitete.

Programm zum Jubiläum

Am 5. Oktober wäre Josef de Ponte 100 Jahre alt geworden. Das nehmen mehrere Orte und Institutionen zum Anlass, den ungarndeutschen Künstler zu würdigen. Das Donauschwäbische Zentralmuseum Ulm, das Liszt Institut in Stuttgart, die Städte Schwaigern und Neckarsulm, die Kirchengemeinde St. Martinus in Schwaigern, die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn und die Gemeinschaft der Budakesser beteiligen sich mit Veranstaltungen an dem Jubiläumsprogramm.

Den Schwerpunkt in Schwaigern bildet eine Ausstellung von Stadt und Kirchengemeinde St. Martinus, die vom 5. Oktober bis 20. November stattfindet. Daneben sind weitere Veranstaltungen geplant. Alle Termine finden sich auf der Veranstaltungsseite der Stadt Schwaigern. Dort gibt es auch eine Broschüre zu de Ponte und dem Jubiläumsjahr.

Mehr zum Autor

Aktuelles

zum Thema

Universität Tübingen

Apostel Paulus und das Geld

Tübingen

Besondere Münzen entdecken: Die Ausstellung „Apostel Paulus und das Geld“ im Museum der Universität Tübingen verbindet Geschichte und die Bibel.

Zimmertheater Tübingen/Andreas Kop

Wenn Gott eine Krise hat

Therapiestunde mit Gott: Das Stück „Oh Gott!“ im Tübinger Zimmertheater verbindet Humor und Tiefgang, meint Caroline Haro-Gnändinger von KiP.

Aktuelles

aus der Region

Arkadius Guzy

Zeitreise mit Ziege

Cleebronn

Ein Hörspiel erzählt Kindern und Jugendlichen die jahrhundertealte Geschichte des Michaelsbergs und seiner Kirche.

Arkadius Guzy

Nachdenken über Gemeinschaft

Heilbronn

Eine Mitmach-Ausstellung im Heinrich-Fries-Haus stellt Kindern und Erwachsenen Fragen zu ihrem Erleben von Miteinander.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Gregor Moser

Bischof zieht positive Bilanz der Regionalkonferenzen

Reihe von sieben Regionalkonferenzen zum Prozess „Kirche der Zukunft“ endet im Dom in Rottenburg. Diözese zählt insgesamt rund 1.800 Teilnehmende.

Jochen Wiedemann

„Kleines ganz groß werden lassen“

Rottenburg am Neckar

Weihbischof Dr. Gerhard Schneider beauftragt fünf Frauen und zwei Männer für den Dienst als Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten.

Michael Habres

Skapulierbruderschaft und Kirchenrenovierung

Tannheim

Wie das „Tannheimer Fest“ mit langer Tradition seinen heutigen Ablauf bekam und was es mit der Martinskirche und der Prozession zu tun hat.

Redaktion Kirche im Privatfunk

Seit 100 Jahren für die Gemeinde da

Stuttgart

In der neuen Ausgabe von Alpha & Omega geht es um das Jubiläum der Gemeindereferent:innen. Seit 100 Jahren sind sie für die Menschen vor Ort da.

Götz Kanzleiter

Kirche im Quartier

Mannheim, Universitätsstadt

Die dritte Quartiersafari der Diözese Rottenburg-Stuttgart führte 52 Teilnehmende nach Mannheim. Dabei ging es auch um die Kirche der Zukunft.