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Glaubenstradition klingt nach

Die Ave-Glöcklein-Gruppe unterstützt mit der Wiederbelebung eines Brauchs den Erhalt religiöser Glaubenszeichen.

Degmarn

Albert Bertsch an der Lourdesgrotte in Oedheim-Degmarn. Foto: DRS/ Arkadius Guzy

Nach ihrer Runde durch den Wald gönnt sich eine ältere Frau eine Erholungspause auf der Bank vor der Ölbergdarstellung. Als Albert Bertsch für einen kurzen Plausch an der Bank stehen bleibt, sagt sie: „Alle Achtung, was ihr so alles macht.“ Mit „ihr“ sind Albert Bertsch und die weiteren Mitglieder der Ave-Glöcklein-Gruppe gemeint.

In dem Wald am nordöstlichen Ortsrand von Degmarn gibt es einen Kreuzweg. Er geht auf das Jahr 1874 und die Initiative des damaligen Pfarrers und Ehrenbürgers Adolf Mantz (1839-1922) zurück, wie Bertsch erklärt. Bemalte Blechtafeln erzählen die Leidensgeschichte Jesu. An den Stationen gab es früher Kniebänke für das persönliche Gebet, schildert Bertsch, während er zu einigen der Stationen führt. Im Jahr 1890 kam die Ölbergdarstellung dazu.

Werk aus der Hofkunstanstalt

Bertsch bewahrt in seiner Dokumentation eine Kopie der damaligen Rechnung über 486 Mark mit Datum vom 19. Mai 1890 auf. Ausgestellt wurde diese von der „Hofkunstanstalt für kirchliche Arbeiten“ München.

Zur 700-Jahrfeier von Degmarn 2019 wurden dank der Ave-Glöcklein-Gruppe und der Unterstützung der Gemeinde die 14 Kreuzwegstationen restauriert. In einer Kunstwerkstatt in Bad Mergentheim wurden die Bildtafeln neu bemalt.

Außer dem Kreuzweg sind in dem Wald auch drei nebeneinander liegende Kapellen zu finden: Eine zeigt die Krippenszene, eine ist als Lourdesgrotte gestaltet und in einer ist eine Auferstehungsdarstellung untergebracht. Um die Kapellen kümmert sich die Ave-Glöcklein-Gruppe ebenfalls.

Singend durch die Nacht

Um Spenden für die Restaurierung alter Glaubenszeichen zu sammeln, nahm sie 1993 einen Brauch aus früheren Jahrzehnten wieder auf: das Ave-Glöcklein-Singen.

Seitdem ziehen etwa ein Dutzend Personen in der Nacht auf Karfreitag, von etwa 2.30 Uhr bis 6 Uhr, durch Degmarn und Oedheim, um an verschiedenen Stellen das Ave-Glöcklein-Lied als Einstimmung auf die Karfreitagsliturgie zu singen. „Viele warten schon darauf. Manche treten im Schlafanzug vor die Haustür, um uns eine Spende zu übergeben“, berichtet Bertsch.

Geschichte habe ihn schon immer interessiert, sagt der 80-Jährige, der früher im Stahlhandel arbeitete. In der Gastwirtschaft seiner Eltern habe er viel gehört und auch die eine oder andere Primizfeier mitbekommen. Daher gehört Bertsch auch dem „Heimatkundlichen Arbeitskreis Oedheim“ an. Seine Recherchen zur lokalen Historie decken die Frömmigkeit im Ort als einen heimatkundlichen Aspekt ab. So hat sich Bertsch in einer Publikation mit Missionaren, die aus Degmarn stammen – darunter ein Onkel –, sowie Geistlichen und Ordensschwestern aus und in der Gemeinde beschäftigt. An Adolf Mantz, den Ideengeber des Kreuzwegs, erinnert Bertsch ebenfalls gern. 

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