Glockenfreundschaft findet Anklang
Arkadius Guzy Weihbischof Dr. Gerhard Schneider zeigt den Gästen aus Polen das Ordinariatsgebäude mit der Martinsplastik. Foto: DRS/Guzy
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart festigt die freundschaftlichen Kontakte zur polnischen Diözese Świdnica/Schweidnitz, die im Rahmen des Projekts „Friedensglocken für Europa“ geknüpft wurden: Eine Delegation aus Polen lernte nun nicht nur Rottenburg kennen.
Die zehnköpfige Reisegruppe aus der niederschlesischen Diözese Świdnica/Schweidnitz besichtigte die Bischofsstadt am Neckar mit Ordinariat, Dom, Diözesanmuseum und Sülchenkirche, traf mit Bischof Dr. Klaus Krämer zu einem lockeren Austausch zusammen und feierte unter anderem mit Stadtdekan Monsignore Dr. Christian Hermes und Pater Tomasz Sadowski von der polnischsprachigen Gemeinde in St. Eberhard in Stuttgart Gottesdienst. Weihbischof Dr. Gerhard Schneider führte die Delegation durch Tübingen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Reise bestaunten unter anderem auch die barocke Pracht des Münsters Zwiefalten und besichtigten Ulm.
Die Gäste aus Polen waren neugierig auf die Diözese Rottenburg-Stuttgart und zeigten sich sehr angetan von dem, was sie sahen und erlebten. „Ich wollte die Region kennenlernen, aus der unsere Glocke kommt“, sagte Filip Mika. Der 20-jährige Student stammt wie die meisten Mitglieder der Delegation aus Tuntschendorf/Tłumaczów.
Tuntschendorf/Tłumaczów ist eine von zwei kleinen Ortschaften in der Diözese Świdnica/Schweidnitz, die im vergangenen September jeweils die Rückkehr ihrer alten Glocke feiern konnten. Die beiden Glocken hatten zu Tausenden von Glocken gehört, die während des Zweiten Weltkriegs auf Befehl der Nationalsozialisten abgehängt werden mussten. Nach dem Krieg kehrten die Glocken, die nicht zerstört worden waren, in ihre Kirchengemeinden zurück. Für Glocken aus den ehemaligen Ostgebieten war dies damals allerdings aus politischen Gründen nicht möglich. Daher wurden sie als sogenannte Leihglocken Gemeinden in der jungen Bundesrepublik zugewiesen.
Auf diese Weise gelangten die beiden Glocken in die Diözese Rottenburg-Stuttgart. Im Rahmen des Projekts „Friedensglocken für Europa“ der Diözese konnten sie im vergangenen Jahr in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren. Die Ortsbewohnerinnen und -bewohner von Tuntschendorf/Tłumaczów feierten das Ereignis mit Bischof Krämer und weiteren Vertreterinnen und Vertretern aus Rottenburg als Gästen. Filip Mika ministrierte damals beim gemeinsamen Gottesdienst mit Bischof Krämer und dem polnischen Pfarrer Daniel Koprowski.
Eine Attraktion für den kleinen Ort
Pfarrer Koprowski läutet die Glocke seitdem regelmäßig zu Beginn von Gottesdiensten, wie er nun während des Besuchs in Rottenburg verriet. Die Glocke ist klar und kräftig im Ort zu hören, berichtete Delegationsmitglied Janusz Gorczycki.
Die Glocke sei eine Attraktion für Gottesdienstbesucherinnen und -besucher und Menschen, die als Gäste in den Ort kommen, sagte Gorczycki über die Erfahrungen der vergangenen Monate. Er – wie einige weitere aus der polnischen Reisegruppe – hatte sich in Tuntschendorf/Tłumaczów rund um die Rückkehr der Glocke sehr engagiert und ein spezielles Gestell organisiert, um sie präsentieren zu können. So war es Gorczycki nun ein Anliegen, die Diözese Rottenburg-Stuttgart zu besuchen und kennenzulernen.