Gmünder Münster feiert 100. Geburtstag
SE Schwäbisch Gmünd-Mitte Zum 100. Geburtstag des Münsters in Schwäbisch Gmünd feierten (von rechts) Münsterpfarrer und Dekan Robert Kloker, Weihbischof em. Dr. Johannes Kreidler, Prof. P. Dr. George Augustin und Diakon Benno Engel mit der Münstergemeinde einen Festgottesdienst. Foto: Kloker
Als die erste und größte gotische Hallenkirche Süddeutschlands und Ausgangswerk der berühmten Baumeisterfamilie Parler ist das Gmünder Münster nicht von ungefähr das stolze Wahrzeichen der Stadt. Der Sonntag nach dem Fest Kreuzerhöhung bot in diesem Jahr gleich drei Gründe zum Feiern und Gedenken, wie Münsterpfarrer und Dekan Robert Kloker erklärt: das Patrozinium selbst, die Erhebung der Heilig-Kreuz-Kirche zum Münster vor 100 Jahren und das 100. Todesjahr des damaligen Bischofs Paul Wilhelm von Keppler (1852-1926), der der Hauptkirche Gmünds diesen Titel verlieh und selbst aus Gmünd stammte.
In einem festlichen Gottesdienst gratulierte Weihbischof em. Dr. Johannes Kreidler der Münstergemeinde Heilig Kreuz zum Jubiläum „100 Jahre Münstererhebung“. Im Frühjahr 1926 hatte Bischof von Keppler in einem Erlass dem Antrag der Vertretungsgremien von Kirchengemeinde und Kommune stattgegeben und verordnet, dass die Heiligkreuzkirche fortan den Titel Heiligkreuzmünster führen solle. Er tat dies sicher mit besonderer Freude, weil Keppler, der sechste Bischof der Diözese Rottenburg, seine Heimatkirche sehr geschätzt habe, sagte Weihbischof Kreidler.
Büste erinnert an berühmten Sohn der Stadt
In der Rinderbacher Gasse erinnert heute noch eine Gedenktafel an den berühmten Sohn der Stadt, der später auch als Vikar in Gmünd wirkte. Auch wenn Keppler wegen seiner kritischen Haltung zum Reformkatholizismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts als der „konservativste“ unter den Rottenburger Bischöfen gilt, wie Kloker erläutert, machte er sich als begabter Prediger und Schriftsteller, als Freund und Kenner christlicher Kunst und durch sein soziales und karitatives Engagement – etwa bei der Gründung des Caritasverbandes – einen Namen. Vor seiner Wahl zum Bischof 1898 lehrte er Neutestamentliche Exegese, Moral- und Pastoraltheologie in Tübingen und Freiburg. In einer Chorkapelle des Gmünder Münsters erinnert eine Büste an Keppler, der es mit 27 Dienstjahren auf die längste Amtszeit als Rottenburger Bischof brachte. In der Domstadt trägt heute die zum Bischofshaus führende Straße seinen Namen.
Im Kreuz Jesu haben alle Leiden Platz
Die „Geburtstagsfeier“ und das Patrozinium des Münsters am Sonntag war musikalisch eingebettet in die Missa solemnis in C von Wolfgang Amadeus Mozart. Es musizierten Solisten, der Münsterchor und das Münsterorchester unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Dr. Stephan Beck. Im Blick auf das Fest Kreuzerhöhung betonte Weihbischof Kreidler in seiner Predigt, dass im Kreuz Jesu alle Leiden der Menschen von heute Platz haben und das Kreuz nicht das Letzte ist, sondern die Auferstehung. Aus dieser Hoffnung könnten alle Menschen Kraft und Zuversicht schöpfen.
Info / Hintergrund
Unter dem Titel „Von Gmünd in die Welt. Paul Wilhelm Keppler (1852-1926) zuhause, unterwegs und auf dem Rottenburger Bischofsstuhl“ findet am 22. Oktober um 19 Uhr ein Vortrag von Domkapitular Dr. Uwe Scharfenecker im „Franziskaner“ statt.
Der Titel „Münster“ ist ein bischöflicher Ehrentitel für Kirchen mit besonderer Bedeutung. Er leitet sich vom lateinischen Begriff „monasterium“ für Kloster ab. Eine solche Verleihung ist selten, aber kein Relikt aus vergangenen Zeiten. Neun Münster gibt es in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, am 18. Oktober kommt ein zehntes hinzu, wenn Bischof Dr. Klaus Krämer die Klosterkirche in Rot an der Rot zum Münster erhebt.