Zum Inhalt springen

"Gottes bedrohte Schöpfung"

Effektivere Maßnahmen statt Entschärfung des Klimaschutzgesetzes: Hunderte Theolog:innen richten Appell für mehr Klimaschutz an die Regierung.

Rottenburg am Neckar
Diözese Rottenburg-Stuttgart / Marike Schneck

Zahlreiche Menschen, darunter viele Schülerinnen und Schüler, demonstrieren Ende November 2019 auf dem Rottenburger Marktplatz und vor dem Dom St. Martin. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Marike Schneck

Mehr als 250 Verantwortungsträger:innen in theologischer Wissenschaft und Kirchen sind am 19. Oktober mit einem öffentlichen Appell an die Bundesregierung getreten. Sie fordern effektivere Klimaschutzmaßnahmen und die Einhaltung der völkerrechtlich und verfassungsrechtlich zugesagten Klimaschutzziele.

Zu den Mitunterstützenden aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart gehören die Weihbischöfe Matthäus Karrer und Thomas Maria Renz, Ordinariatsrätin Karin Schieszl-Rathgeb, die Akademie-Direktorin Dr. Verena Wodtke‑Werner, Prof. Michael Schüssler (Praktische Theologie, Uni Tübingen), Prof. Michael Schramm (Katholische Ethik, Uni Hohenheim) und der Ulmer Dekan Ulrich Kloos.

Ihre Forderungen:

  1. Ein angesichts der dramatischen Situation angemessenes Klimaschutzprogramm.
  2. Die Einhaltung oder sogar Verschärfung des Klimaschutzgesetzes.
  3. Eine parteiübergreifende Gesamtstrategie für Klimaschutzmaßnahmen.
  4. Eine vom Bund eingeleitete Bildungsinitiative in allen Altersgruppen und Milieus zur Kommunikation des wissenschaftlichen Befunds und zur Akzeptanz der Maßnahmen.

Die Initiator:innen erheben die Stimme in Verantwortung für die vielen Menschen und Lebewesen, die bereits jetzt und auch künftig unter den Folgen des Klimawandels leiden. Extreme Großwetterereignisse und Überschreitung von bisherigen Messskalen im Jahr 2023 sind für sie Anlass, die Zeichen der Zeit ernster zu nehmen und die Politik zu den gebotenen Maßnahmen zu drängen.

"Wir betrachten Erd- und Ökosysteme als Gottes bedrohte Schöpfung, in der wir nur ein Teil im großen Ganzen sind, aber für das wir zugleich eine besondere Verantwortung tragen", schreibt Prof. Ruben Zimmermann, Professor für Neues Testament an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz auf change.org. "Wir dürfen die Ökosysteme nicht zerstören. Wir sehen auch die Millionen von Menschen und nicht-menschlichen Lebewesen, die schon jetzt unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden und die besonders im globalen Süden schutzlos den Klimaveränderungen ausgeliefert sind. Sie tragen die dramatischen Folgen unserer in der Konsequenz oft rücksichtslosen Lebens- und Wirtschaftsweise in den reichen Industriestaaten." Das Gottvertrauen, wie es in Bibel und Theologie reflektiert wird, befähige und ermutige, entschieden für die Grundüberzeugungen und Visionen der christlichen Tradition einzutreten und immer neu auf den Zusammenhang von „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ hinzuweisen. "Eine Ethik planetarer Schöpfungsgerechtigkeit ist ein Überlebensprogramm für unsere Zivilisation – besonders im Hinblick auf künftige Generationen."

Der Appell wird von mehr als 200 Professor:innen und wissenschaftlichen Mitarbeitenden an Universitäten sowie Leitungen von mehr als 20 Kirchen, Bischöf:innen, Präses von Landessynoden, Kirchenpräsident:innen und anderen leitenden Geistlichen unterschiedlicher Konfessionen und kirchlicher Einrichtungen getragen.

Unterstützer können die Petition auf change.org unterschreiben.

Aktuelles

zum Thema

DRS / Annika Werner

Landwirt sein, aus Liebe zur Familie und zur Natur

Rottweil

Der Hof der Sauters ist seit 300 Jahren im Familienbesitz. Damit er weiterbestehen kann, führt ihn der 33-jährige Samuel auf mehreren Standbeinen.

Ein Beitrag für die Biodiversität

Winterbach

2026 ist das Jahr des heiligen Franziskus, der für gelebte Ökologie steht. Das Video zeigt, wie die Liebe zur Natur eine Kirchengemeinde verändert.

Aktuelles

aus der Region

Lothar Schubert neu im Vorstand der Bischof-Moser-Stiftung

Rottenburg

Lothar Schubert gehört seit dem Sommer dem Vorstand der Bischof-Moser-Stiftung an. Diese fördert die pastoralen Dienste innerhalb der Diözese.

Matthias Zahner

Beeindruckende Wegmarken des Glaubens

Rottenburg am Neckar

Der emeritierte Bischof Dr. Fürst und Weihbischof Dr. Schneider segnen den nun vollständig restaurierten Prozessionsweg im Weggental in Rottenburg.

Aktuelles

aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Joscha Reuther

Popmusik: Glaube, der nicht glatt klingt

Stuttgart

Das popmusikalische Kollektiv Credo·Collab übersetzt das Glaubensbekenntnis in Musik. Single-Auskopplungen eines neuen Albums können gestreamt werden.

Angelika Sönnichsen

Burundi-Reise: Bischof plädiert für mehr Aufmerksamkeit

Rottenburg am Neckar

Frieden, Ernährung, Bildung und medizinische Versorgung als zentrale Felder der Zusammenarbeit. Theaterprojekt kommt 2027 nach Stuttgart.

Dekanat Stuttgart / Heinz Heiss

Kultur, Werte und Religion für die Praxis in Kindertageseinrichtungen

Rottenburg am Neckar

Die vier großen christlichen Kirchen im Land veröffentlichen Praxisbuch zur Umsetzung des für Kindertageseinrichtungen geltenden Bildungsplans.

iStock.com/Smederevac

Bischof Dr. Krämer wünscht guten Start ins neue Schuljahr

Rottenburg am Neckar

Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorger begleiten Schüler- und Lehrer:innen das Schuljahr hindurch wohlwollend und unterstützen sie tatkräftig.

Tobias Tropper

Gemeinsames Singen ist eine friedensbewegende Kraft

Ravensburg

Der Komponist und Musiker Helge Burggrabe erzählt im Interview von berührender Spiritualität und innerer Stärke bei seinen HAGIOS Friedenskonzerten.